Beruf für „Frischluftfans“ In Ganderkesee Gärtnerin im Garten- und Landschaftsbau werden

Von Vincent Buß

Mit Beeten und Teichen kennt sie sich schon aus: Henrike Thümler. Foto: Vincent BußMit Beeten und Teichen kennt sie sich schon aus: Henrike Thümler. Foto: Vincent Buß

Ganderkesee. Im neuen Teil der dk-Serie über Ausbildungsberufe berichtet Henrike Thümler. Sie lässt sich als Gärtnerin in der Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau bei der Firma Kreye ausbilden.

Als Henrike Thümler im letzten Jahr ihre Ausbildung zur Gärtnerin in der Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau begann, dachten ihre Freunde, sie würde vor allem Blumen umtopfen. Dabei macht die 19-Jährige bei der Firma Volker Kreye, in Ganderkesee an der Westtangente, größtenteils ganz andere Sachen: „Ich flexe gerne, fahre Bagger und pflastere.“

Praktikum vor Ausbildungsbeginn Pflicht

Damit diese Überraschungen ausbleiben, ist ein Praktikum vor Ausbildungsbeginn Pflicht bei Kreye. Der Ausbilder Thorsten Riedebusch hat außerdem eine Lieblingsfrage bei Vorstellungsgesprächen: „Was macht ein Garten- und Landschaftsgärtner denn eigentlich?“

Die Antwort: alles ums Haus herum. Rasen, Pflanzen, Teiche, Berieselung, Carports, Terrassen. „Wir sind ein Dienstleister“, erklärt Riedebusch. Materialen werden eingekauft und weiterverarbeitet. Gärtner in der Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau setzen um, was Bauleiter wie Riedebusch planen.

Henrike wusste, was sie erwartet. Denn sie hat nach ihrem Fachabi 2016 und einem anschließenden FSJ im Altenheim ebenfalls ein Praktikum bei Kreye gemacht. „Ich war früher schon gerne bei meiner Tante auf dem Bauernhof, sie ist auch gelernte Gärtnerin“, erzählt die Elsfletherin. Und sie wollte gerne draußen arbeiten. Außerdem habe sie ein handwerklicher Beruf interessiert.

Alternativen zur Landschaftsgärtnerin waren eine Ausbildung zur Tischlerin oder zur Feinwerkmechanikerin. Doch die Erfahrung bei Kreye habe sie dann überzeugt.

Immer von den Jahreszeiten abhängig

Weil sie draußen arbeiten, sind Landschaftsgärtner von den Jahreszeiten abhängig. Henrikes Arbeitstag beginnt im Sommer wegen der Hitze schon um sechs Uhr morgens und dauert etwa 8,5 Stunden. Im Winter geht die Arbeit aufgrund der Dunkelheit später los und hört früher auf.

Dazu kommen Fahrtzeiten zu den Baustellen, die meist in einem Radius von 50 Kilometern liegen. „Wir besprechen uns dann erst einmal mit den Bauleitern, was es dort Neues gibt“, berichtet Henrike. Zurzeit hilft sie dabei, in Oldenburg einen Pool zu bauen. Was ein angehender Landschaftsgärtner mitbringen muss, verrät Riedebusch: „Robust sein und kein Problem haben, draußen zu arbeiten, dreckig oder durchgeregnet zu werden.“

Henrike kann Interessenten allerdings beruhigen: „Ich habe mir manche Sachen eindeutig anstrengender vorgestellt.“ Denn dank der Maschinen sei vieles einfacher geworden. Und das, obwohl sie anfangs noch gar keine Erfahrung damit gehabt habe. Ihre Kollegen hätten ihr dann aber alles beigebracht.

Neben der Arbeit fährt sie im ersten Lehrjahr einmal pro Woche zur Berufsschule nach Oldenburg. Dort stehen dann neben Fächern wie Deutsch und Englisch auch Botanik und Maschinen auf dem Plan. Im zweiten und dritten Lehrjahr muss Henrike nur noch einmal pro Woche die Schulbank drücken.

Im ersten Lehrjahr verdient Henrike 825 Euro brutto, pro Lehrjahr kommen dann 100 Euro dazu. Vor drei Jahren habe es noch jeweils 300 Euro weniger gegeben, erzählt Riedebach.

Er selbst war 2002 der erste Mitarbeiter bei Kreye Seit diesem Jahr bildet der Betrieb auch aus. Momentan sind 15 Landschaftsgärtner-Azubis im Betrieb. Trotz der großen Zahl ist laut Riedebusch die Übernahme bei guter Leistung garantiert. „Wir wollen den Nachwuchs behalten“, erklärt er.

Die Zukunft des Berufs sieht der Gärtnermeister, Prokurist und Bauleiter positiv. „Es gibt zwar immer Leute, die ihren Garten selbst machen, aber Hochwertiges bekommt man alleine nicht hin“, findet er. „Gerade im Alter wird das schwieriger.“ Deshalb spiele auch die Pflege von Gärten älterer Leute eine immer größere Rolle für Landschaftsgärtner.

Henrike will ihrem Beruf treu bleiben. Sie plant, nach der Ausbildung ihren Meister zu machen und Bauleiterin zu werden. „Irgendwann möchte ich ins Büro“, erklärt sie. „Aber erst einmal will ich noch ein paar Jahr auf dem Bau bleiben, um alles zu lernen“, sagt sie.


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