Viele Jugendliche im Visier der Polizei Ganderkeseer soll jahrelang Marihuana verkauft haben

Von Ole Rosenbohm

Meine Nachrichten

Um das Thema Ganderkesee Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Nicht alltäglich, dass mit den Ermittlungen gegen einen Drogendealer der Polizei auch dessen Kunden ins Netz gehen.  Symbolfoto: Volker Hartmann/dpaNicht alltäglich, dass mit den Ermittlungen gegen einen Drogendealer der Polizei auch dessen Kunden ins Netz gehen. Symbolfoto: Volker Hartmann/dpa

Ganderkesee/Delmenhorst Es ist nicht alltäglich, dass mit den Ermittlungen gegen einen Drogendealer der Polizei auch dessen Kunden ins Netz gehen. Im Fall eines jungen Erwachsenen aus Ganderkesee musste die Polizei aber nur auf dem Smartphone des Gefassten dessen Kontakte in einer entsprechenden Gruppe des Nachrichtenübermittlungsdienstes „WhatsApp“ durchlesen.

In der Folge wurden wohl Dutzende Ganderkeseer im Alter von 15 bis 25 Jahren von der Polizei vorgeladen. Einige davon standen bereits vor Gericht, noch nicht aber der Hauptangeklagte selber.

Zuletzt hatten sich zwei 25-Jährige, ein Mann und eine Frau, vor dem Amtsgericht Delmenhorst wegen dieser Sache verantworten müssen.

Mengen von 30 bis 50 Gramm gekauft

Beide hatten jetzt zugegeben, von Anfang 2016 bis Mitte 2017 gemeinsam 20 Mal bei dem Dealer eingekauft zu haben, berichtete ein Sprecher des Amtsgerichts. Meistens handelte es sich um Mengen von 30 bis 50 Gramm, übergeben unter anderem auf dem Schulhof des Schulzentrums. Verurteilt wurde das Pärchen – weil geständig – zu Geldstrafen: er zu 120 Tagessätzen, sie zu 90.

Verfahren gegen Kunden des Haupttäters

Auch hat es schon Verfahren vor dem Jugendgericht gegen Kunden des Haupttäters gegeben. Und es werden noch viele weitere folgen.

Wann der Hauptangeklagte selber vor Gericht steht, ist offen. Und auch noch nicht klar ist, wo er sich verantworten muss: vor dem Jugendschöffengericht, da er seine Dealer-Tätigkeit mit unter 21 Jahren – also als Heranwachsender – begann. Oder vor dem Amtsgericht, wenn etwa die überwiegende Zahl der Verkäufe nach seinem 21. Geburtstag abgewickelt wurde. Theoretisch kann die Staatsanwaltschaft auch vor dem Landgericht anklagen, wenn sie eine Strafe von mehr als vier Jahren Haft erwarten würde. Allerdings: Vermutlich geht es in diesem Fall nur um Cannabis (Marihuana), also eine weiche Droge, über deren Legalisierung ja seit Jahrzehnten und aktuell verstärkt gerungen wird.

Lange Verfahrensdauer

Die lange Verfahrensdauer erklärt sich auch aus dem aufwendigen Ermittlungsprozess mit einer hohen Zahl an Käufern und einer fast unübersichtlichen Zahl von Verkäufen. Die Polizei muss erst mal alle Beschuldigten zu allen Vorgängen befragen, die Staatsanwaltschaft anklagen. Zudem handelt es sich nicht um eine Haftsache – der mutmaßliche Dealer ist also auf freiem Fuß. Gefangene in Untersuchungshaft haben das Recht auf einen Prozessbeginn innerhalb von sechs Monaten nach Festnahme. Aber das ist hier ja nicht der Fall.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN