Angeklagter schon oft in Haft Halbes Jahr Gefängnis für Diebstahl in Ganderkeseer Baumarkt

Von Ole Rosenbohm

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Der in Bremen lebende Angeklagte hatte in der zweiten Instanz letztlich keine Chance auf eine Bewährungsstrafe. Symbolfoto: David-Wolfgang Ebener/dpaDer in Bremen lebende Angeklagte hatte in der zweiten Instanz letztlich keine Chance auf eine Bewährungsstrafe. Symbolfoto: David-Wolfgang Ebener/dpa

Ganderkesee/Oldenburg. Satte sechs Monate Haft ohne Bewährung für einen nicht geglückten Diebstahl in Ganderkesee – solche Strafen verhängen Gerichte in der Regel nur dann, wenn der Täter längst polizei- und justizbekannt ist. Wie bei einem Mann, der im April vom Delmenhorster Amtsgericht zu einer solchen Strafe verurteilt wurde, die jetzt vom Landgericht Oldenburg bestätigt wurde.

Der in Bremen lebende Angeklagte hatte in der zweiten Instanz letztlich keine Chance auf eine Bewährungsstrafe. Zu oft saß er wegen ähnlicher Delikte auf der Anklagebank. 30 Urteile – erst Geld-, dann Haftstrafen – finden sich in der Akte des 58-Jährigen, seit er 1990 aus Albanien nach Deutschland übersiedelte. Fast immer wegen Diebstählen, oft in Super- oder Baumärkten.

Gefängnis-Freigänger stiehlt in Ganderkeseeer Baumarkt

Die Tat, die jetzt zur Verurteilung führte, beging er im Juli 2017 als Gefängnis-Freigänger. Im BBM-Baumarkt in Ganderkesee packte zunächst ein 32-jähriger Komplize zwei Akkuschrauber, einen Trockenbauschleifer und ein Werkzeug-Set in einen Einkaufswagen, Gesamtwert knapp 500 Euro. Der Angeklagte übernahm den Wagen, der Komplize bezahlte an der Kasse nur eine Kleinigkeit. Die Verwirrung wollte der Angeklagte nutzen, um mit dem vollen Einkaufswagens aus dem Baumarkt zu verschwinden. Doch der Ladendetektiv stoppte beide.

Wieder im geschlossenen Vollzug

Vor dem Landgericht bat der 58-Jährige nun um „eine letzte Chance“: Er kümmere sich viel um sein schulpflichtiges Kind, habe Arbeit in Aussicht und versuche, per Therapie sein Spielproblem in den Griff zu bekommen. Die Tat bezeichnete er als Rückfall. Sein Anwalt gab zu bedenken, dass der damalige Freigang nach der Tat wieder in geschlossenen Vollzug umgewandelt wurde und er quasi für diesen missglückten Diebstahl bereits zehn Monate gesessen habe.

Ohne Erfolg: „Ich glaube Ihnen ja, dass Sie Ihr Leben ändern möchten“, sagte die Richterin. „Und das wird auch Zeit.“ Eine Prognose über 50 Prozent, dass der Angeklagte eine vierjährige Bewährungszeit ohne weitere Delikte überstehen könnte, wollte sie aber nicht geben. Vier Jahre hätte er schließlich durchgehalten. Und auch das Kind hätte ihn in der Vergangenheit nicht von Straftaten abgehalten.

Auch Urteil gegen Mitangeklagten bestätigt

Der mitangeklagte 32-Jährige, der ebenfalls in Berufung gegangen war, erschien nicht zur Verhandlung. Die vom Amtsgericht verhängten 60 Tagessätze Geldstrafe bleiben somit ebenfalls bestehen.


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