Neues Buch über die Jungsteinzeit Ganderkeseer auf der Spur der steinernen Rätsel

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Mächtige Steinblöcke sind in der Jungsteinzeit, wie hier in Steinkimmen, zu Grabanlagen angeordnet worden. Archivfoto: Hans GrundmannMächtige Steinblöcke sind in der Jungsteinzeit, wie hier in Steinkimmen, zu Grabanlagen angeordnet worden. Archivfoto: Hans Grundmann

Ganderkesee. Was hat die Menschen der Jungsteinzeit zum Bau der imposanten Großsteingräber motiviert? Hobbyforscher Hermann Speckmann aus Ganderkesee ist dieser Frage in seinem neuen Buch nachgegangen.

Wenn Steine sprechen könnten: Großsteingräber aus der Jungsteinzeit geben eindrucksvoll Zeugnis von der Kultur der Menschen vor mehr als 5000 Jahren. Auch in der Gemeinde Ganderkesee sind diese von Menschenhand angeordneten Steinformationen zu finden. In Steinkimmen stößt der Spaziergänger im Bereich zwischen Altem Postweg und Bergedorfer Landstraße auf zwei Hünengräber, eines davon zählt mit einer Kammerlänge von 22,5 Metern zu den größten der Region. Und in Stenum kann auf einer Anhöhe an der Straße Am Hünengrab ein stark zerstörtes Großsteingrab besichtigt werden, das die ursprünglichen Ausmaße nur noch erahnen lässt.

Monumente aus grauer Vorzeit

Diese jungsteinzeitlichen Anlagen sind an der 330 Kilometer langen „Straße der Megalithkultur“ zwischen Osnabrück und Oldenburg touristisch erschlossen. Viele spannende Details und Deutungsansätze zu diesen Monumenten aus grauer Vorzeit liefert der Heimatforscher Hermann Speckmann in seiner neuesten Veröffentlichung. Der schmale, zum Teil auch ungewöhnliche Sichtweisen auf die Jungsteinzeit einnehmende Band trägt den Titel „Der Glaube der Großsteingräberleute“. Er ist für 12,90 Euro im Buchhandel erhältlich.

Antworten der Archäologie vermisst

Den Rentner mit der Leidenschaft für die Geschichte seines Heimatorts und der Volkskultur des Oldenburger Landes hat nach eigener Aussage vor allem die Frage brennend interessiert, woran die aus Anatolien nach Nordmittel- und Osteuropa eingewanderten Menschen der sogenannten Trichterbecherkultur (4200 bis 2800 Jahre vor Christus), die hier den Ackerbau einführten, geglaubt haben. Was sie zu der Errichtung der imposanten steinernen Anlagen motiviert hat. Hierzu vermisst Speckmann Antworten der Archäologen, wie er in seinem Vorwort deutlich macht: „Die Archäologen beziehen ihre Erkenntnisse aus den materiellen Hinterlassenschaften. Diese registrieren und ordnen sie. Provokant gesagt: Sie beschreiben sie sehr genau, scheuen es aber, sie zu verstehen.“

Spekulative Forschung

Er habe seine Schrift von einem promovierten Archäologen durchsehen lassen, betont Speckmann – um gleich hinzuzufügen: „Ich bin nicht allen seinen Hinweisen gefolgt.“ Spekulationen seien erforderlich, um neue Ideen bei der Erforschung der Jungsteinzeit zu kreieren, ist der 80-Jährige überzeugt. Wert legt er dennoch darauf, dass seine Aussagen in der Fachliteratur belegbar seien.

Versteinerungssage aus der Ahlhorner Heide

Dabei weitet Speckmann seinen Blick und bezieht etwa Erkenntnisse aus der Erforschung der Brauchtumsüberlieferungen in seine Betrachtungen mit ein. So zieht der Autor beispielsweise die Versteinerungssage aus der Ahlhorner Heide heran, die sich um die Entstehung der beiden Großsteingräber „Visbeker Braut“ und „Visbeker Bräutigam“ rankt. Auch diese Hinterlassenschaften der Trichterbecherleute sind Bestandteil der „Straße der Megalithkultur“.

„Dolmengöttin“ und Schamanen

Warum nun bauten die Menschen der Jungsteinzeit ausgedehnte Grabanlagen aus massiven Steinbrocken? Speckmann vermutet unter anderem, dass die Monumente nach der Vorstellung der Großsteingräberleute die versteinerte Weiterexistenz der Verstorbenen gewährleisteten, die so zum Nutzen der Siedlergemeinschaft weiterhin präsent waren. Darüber hinaus untersucht der Autor das Glaubenssystem der jungsteinzeitlichen Menschen, insbesondere die Funktion der „Dolmengöttin“ und der Schamanen.


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