Akten füllen ganze Umzugskartons Landgericht verhandelt über Untreue in Wardenburger Firma

Von Ole Rosenbohm

28 Mal soll ein 51-Jähriger aus einer Firma in Wardenburg Geld abgezwackt haben. Jetzt läuft seine Berufungsverhandlung vor dem Landgericht Oldenburg. Symbolfoto: David-Wolfgang Ebener/dpa28 Mal soll ein 51-Jähriger aus einer Firma in Wardenburg Geld abgezwackt haben. Jetzt läuft seine Berufungsverhandlung vor dem Landgericht Oldenburg. Symbolfoto: David-Wolfgang Ebener/dpa

Oldenburg/Wardenburg. 28 Mal soll ein 51-Jähriger aus einer Firma in Wardenburg Geld abgezwackt haben. Vom Amtsgericht ist er dafür zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Jetzt läuft seine Berufungsverhandlung vor dem Landgericht Oldenburg.

Die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Oldenburg muss darüber entscheiden, ob ein heute 51-jähriger Mann in seiner einstigen Funktion als Geschäftsführer einer Firma in Wardenburg unrechtmäßig in die Kasse gelangt hat oder nicht. Der Angeklagte und seine beiden Rechtsanwälte wiesen die Vorwürfe am ersten Verhandlungstag am Donnerstag strikt ab.

Vom Amtsgericht zur Bewährungsstrafe verurteilt.

Bei dem Fall handelt es sich um eine Berufungsverhandlung. In erster Instanz hatte das Amtsgericht Oldenburg den Mann wegen Untreue zu einem Jahr Haft auf Bewährung und zur Einziehung von 45.800 Euro verurteilt. So viel Geld soll, so das Amtsgericht vor einem Jahr, der Angeklagte in die eigene Tasche gewirtschaftet haben.

28 Mal soll der Mann Geld abgezwackt haben, dafür zwei Kassensysteme betrieben haben, zudem ohne Zustimmung der Gesellschafter das Auto geleast haben.

Der Angeklagte aber bestreitet das. Das Leasen des Autos sei genehmigt gewesen. Und für die Verfehlungen mit den Abrechnungen könnte jeder in der Firma verantwortlich sein. „Ich soll zerstört werden“, sagte der 51-Jährige zum Prozessauftakt. Zerstört vom ehemaligen Prokuristen der Firma, dem Ehemann der Hauptgesellschafterin.

Mit dem Prokuristen soll der Angeklagte zunächst eine erfolgreiche und freundschaftliche Geschäftsbeziehung geführt haben. Doch von Freundschaft ist nichts mehr zu spüren. Mit nachlassenden Gewinnen wuchsen wohl die Spannungen. Beide ließen sich zwar viel weniger Gehalt auszahlen, um die Firma am Leben zu halten. Doch der Prokurist soll laut dem Angeklagten Firmengelder dennoch mit beiden Händen ausgegeben haben. So schaffte er sich erneut ein teures Auto an, so der Angeklagte, der eine E-Mail präsentierte, in der sich der Prokurist für das Auto und Vieles weitere entschuldigte und Besserung gelobte. Aber ist die Mail überhaupt echt?

Der Prokurist nämlich sagt: „Ich habe diese Mail nicht geschrieben und mich auch nie für irgendwas entschuldigt.“

Für die Verteidigung geht es auch darum, die Glaubwürdigkeit des Prokuristen zu erschüttern. Das Gericht will ebenfalls die äußeren Umstände klären und lässt die E-Mail bis zum zweiten Prozesstag am 2. August auf ihre Echtheit überprüfen.

Gericht befragt Wirtschaftsprüfer

Auch wird dann der Wirtschaftsprüfer aussagen, der die Unregelmäßigkeiten in den Kassensystemen entdeckt hatte, die dann zur Entlassung des Geschäftsführers und zum Abbruch aller noch weiter bestehenden Geschäftsbeziehungen führten. Und das Gericht wird bis zum zweiten Prozesstag die Kassenbelege der Firma aus den Jahren 2010 bis 2012 überprüfen. Es sind viele: Die Akten füllen Umzugskartons, hieß es.