Natur im Landkreis Oldenburg Naturschutz geht Waldbesitzern im Landkreis zu weit

Von Reiner Haase

Der Bremer Botaniker Jürgen Feder hat im Hasbruch den Wald-Schachtelhalm aufgespürt. Seine Lieblingspflanze symbolisiert die Artenvielfalt, die mit dem Naturschutzrecht gerettet werden soll. Archivfoto: Lennart BonkDer Bremer Botaniker Jürgen Feder hat im Hasbruch den Wald-Schachtelhalm aufgespürt. Seine Lieblingspflanze symbolisiert die Artenvielfalt, die mit dem Naturschutzrecht gerettet werden soll. Archivfoto: Lennart Bonk

Ganderkesee/Landkreis Oldenburg. Im Kreishaus wird unter Druck an Naturschutzverordnungen gearbeitet. CDU-Umweltpolitiker Günter Westermann befürchtet, dass Eigentümer zu stark gegängelt werden.

„Landschaftsschutz reicht in vielen Fällen“, ist Günter Westermann überzeugt, wenn es um den Schutz und die Förderung der Artenvielfalt im Landkreis Oldenburg geht. Der CDU-Kreistagsabgeordnete und Vorsitzende des Kreis-Umweltausschusses hat zwar vor zwei Wochen mit Ja gestimmt, als mit Beschluss des Kreistags für das Stenumer Holz zur schärferen Waffe „Naturschutz“ gegriffen wurde. Er hat aber die Gelegenheit genutzt, an Eigentumsrechte zu erinnern, wenn der Schutzstatus von Privatwäldern zur Debatte steht. „Es reicht nicht, nur immer auf die Sozialbindung des Eigentums zu verweisen“, betont Westermann.

Umgekehrte Verbotsregeln

„Im Naturschutzgebiet ist alles verboten, was nicht ausdrücklich erlaubt ist. Im Landschaftsschutzgebiet ist es genau andersherum. Es ist erlaubt, was nicht ausdrücklich verboten ist“, stellt der Landwirt und Waldbesitzer aus Meierhafe in der Gemeinde Ganderkesee klar. Im Ehrenamt ist er auch Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Oldenburg-Delmenhorst, ein Zusammenschluss von 633 Besitzern, die fast 5600 Hektar Wald bewirtschaften. Zum Vergleich: Das jetzt unter Naturschutz gestellte Stenumer Holz ist rund 100 Hektar groß.

Arbeit unter Druck von oben

Die beim Landkreis Oldenburg angesiedelte Untere Naturschutzbehörde arbeitet zurzeit mit Hochdruck an Schutzverordnungen für Wälder im Kreisgebiet, die schon vor 20 Jahren für das europaweite Natura-2000-Netz zum Schutz und zur Förderung der Artenvielfalt gemeldet worden sind. Die Europäische Union droht dem Bund jetzt Bußgelder wegen Vertragsverletzung an, wenn die gemeldeten Gebiete nicht bis Ende 2018 nach den Regeln der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) unter Schutz gestellt sind. Der Druck ist nach unten bis auf Kreisebene durchgereicht worden. Teils – wie im recht kleinen Bassumer Friedeholz in der Samtgemeinde Harpstedt – geht es um neue Schutzregeln. Andernorts, wie im über 600 Hektar großen Hasbruch und im über 400 Hektar großen Gebiet rund um die Ahlhorner Fischteiche, den natürlichen Aushängeschildern des Landkreises, geht es um die Überarbeitung veralteter Naturschutzverordnungen. Es ist noch so viel zu tun, dass wir in diesem Jahr nicht fertig werden. Die Arbeit geht 2019 weiter“, weiß Westermann als Vorsitzender des Kreis-Umweltausschusses.

Lebensräume maßgebend

Die großen Kerngebiete im Hasbruch und an den Fischteichen, die von den Niedersächsischen Landesforsten bewirtschaftet werden, nimmt Westermann ausdrücklich von seiner Forderung nach Landschafts- statt Naturschutz aus. „Es gibt aber in den Randbereichen Flächen in Privatbesitz. Da brauchen wir zwei Schutzverordnungen nebeneinander, eine für Natur- und eine für Landschaftsschutz“, sagt Westermann. „Die Naturschutzbehörde verschafft sich kleine Königreiche“, fürchtet er. Die Verordnungen müssten präziser auf die tatsächlich vorhandenen Lebensräume eingehen. Vor diesem Aufwand scheue die Untere Naturschutzbehörde zurück. „Es fehlt eine einheitliche Richtlinie für ganz Niedersachsen“, so Westermann.