JHD-Pflegeschüler Ausbildung zwischen Delmenhorst und Dublin

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An ihren freien Tagen besichtigten Arian Selignow und Michael Siemens die Umgebung Dublins. Foto: Arian SelignowAn ihren freien Tagen besichtigten Arian Selignow und Michael Siemens die Umgebung Dublins. Foto: Arian Selignow

Delmenhorst. Viel mehr Zeit für Patienten, aber auch viel mehr Aufwand für die Dokumentation: Die Pflegeschüler Arian Selignow und Michael Siemens haben vier Wochen im irischen Dublin verbracht.

Die Ankunft im Krankenhaus im Zentrum von Dublin war ein kleiner Schock: „Es war sehr katholisch geprägt. Überall hingen Kreuze, die Bibel gehörte zur Abendlektüre und am Sonntag verteilte der Pastor die Kommunion“, berichtet Arian Selignow. Ein großer Unterschied zum Krankenhaus im heimischen Delmenhorst. „Hier kommt der Pastor auf Anfrage“, ergänzt Michael Siemens. Vier Wochen lang war die Fachklinik für Orthopädie der Wohn- und Arbeitsplatz der Azubis. Sie nahmen als erste Pflegeschüler des JHDs am europäischen Austauschprogramm „Erasmus plus“ teil. Eine spannende Zeit sei das Gewesen: Irland stimmte Ende Mai, kurz nach ihrer Ankunft, für ein Recht auf Abtreibung. „Im Krankenhaus wurde darüber kontrovers diskutiert“, sagt Siemens, „auch mit den Patienten haben wir über Religion gesprochen.“

Viel Zeit fürs Gespräch

Dass im Pflegealltag so viel Zeit für das Gespräch geblieben ist, hänge mit der besseren Personalausstattung zusammen. „In Irland betreut ein ausgebildeter Pfleger vier bis sechs Patienten und dazu kommen noch Pflegehelfer. In Deutschland betreuen wir fast doppelt so viele Patienten“, erklärt Selignow. Die Stimmung am Arbeitsplatz sei dadurch merklich besser und die Patienten zufriedener. „Wir konnten uns viel Zeit nehmen und bei gutem Wetter mit den Patienten auch mal nach draußen“, stellt Siemens klar und ergänzt: „Auch das gehört zum Beruf des Krankenpflegers.“

Vorteile durch ein anderes Schichtsystem in Irland

Ein weiterer großer Unterschied zu Deutschland ist das Arbeitszeitmodell: „Die Pfleger arbeiten im Zweischichtsystem. Drei oder vier Tage in der Woche je zwölf oder 13 Stunden und den Rest der Woche haben sie frei“, erklärt Siemens. Ein gutes Konzept, da sind sich die Auszubildenden einig: „Man kann einfach besser planen und hat gefühlt mehr Freizeit.“ Besonders die Spätschicht beim Dreischichtsystem in Deutschland sorge für „verschenkte Tage“. „Man macht davor und danach nichts“, stellt Siemens klar. Ihre freien Tage nutzten die beiden Männer für Ausflüge an die Westküste und um das Großstadtleben kennenzulernen.

Digitalisierung und Deutschland ist um Längen voraus

Bei allen Vorzügen des irischen Pflegesystems sei Deutschland vor allen in Sachen Digitalisierung meilenweit voraus. „Im Krankenhaus wurden die Akten noch handschriftlich geführt. Ein wahnsinniger zeitlicher Aufwand“, erklärt Selignow und meint: „Aber die Patientendokumentation war insgesamt individueller und umfangreicher.“ Die irische Krankenpflegeausbildung, die als vierjähriges Studium angelegt ist, setze den Fokus auf die Theorie. „Unsere Ausbildung ist zwar praktischer. Aber wir konnten trotzdem mithalten“, bekräftigt Siemens.

Wie sie mit ihrer deutschen Ausbildung, im Krankenhaus im Ausland zurechtkommen, will auch der nächste Jahrgang der Pflegeschule ausprobieren. Ute Escher, Lehrkraft für Pflege am JHD, erklärt: „Die Schüler möchten nach Zypern, Ungarn oder Schweden.“

Weitere Kooperationen geplant

Und damit auch angehende Pflegekräfte aus dem Ausland den Arbeitsalltag der deutschen Azubis kennenlernen, möchte auch die JHD-Pflegeschule einen Einblick in den Arbeitsalltag des Krankenhauses gewähren. Ute Escher: „Wir prüfen die Bedingungen. Ein Austausch ist für beide Seiten eine Bereicherung.“


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