Hyung Re Kaiser vor WM-Spiel Ein ehrgeiziger Wunsch: Knapper Sieg für Südkorea

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Hyung Re Kaiser hofft auf einen knappen Sieg für Südkorea beim kommenden WM-Spiel gegen Deutschland. Sie weiß, dass das vermutlich eine Hoffnung bleibt. Foto: Kai HasseHyung Re Kaiser hofft auf einen knappen Sieg für Südkorea beim kommenden WM-Spiel gegen Deutschland. Sie weiß, dass das vermutlich eine Hoffnung bleibt. Foto: Kai Hasse

Ganderkesee. Südkorea soll heute gegen Deutschland knapp gewinnen. Das wär was. Hyung Re Kaiser drückt ihrer alten Heimat die Daumen. Hoffnung ist eine starke Kraft. Kaiser ist schon lange Deutsche. Heute steht sie aber zwischen den Stühlen.

Das WM-Spiel gegen Südkorea wird heute ein Muss für Hyung Re Kaiser aus Almsloh. Sie wird es bei Nachbarn schauen, zusammen mit ihrem Mann. Wenn sie und er über die Erfolgsaussichten Südkoreas sprechen, müssen sie sich ein wenig Mühe geben, ernst zu bleiben: „Ich hoffe, dass die Südkoreaner knapp gewinnen“, sagt sie. Dann schauen sie und ihr Mann Willi sich einen Moment an. Er lacht sie liebevoll aus, und sie muss auch schmunzeln. „Naja“, sagt sie, „vielleicht gewinnt Deutschland doch.“ 3:1 hofft sie für Südkorea, aber wenn sie ganz realistisch sein will, könnte es ja doch eher ein 1:3 werden.

Mit dem Wohlstand kam der Fußball

Kaiser stammt aus der Stadt Mokpo am südlichsten Ende Südkoreas, ist aber seit den 70er-Jahren in Deutschland. Immer wieder, wenn sie in ihre alte Heimat Südkorea zurückkehrt, staunt sie über die rasante Veränderung, die das Land durchmacht. „Es hat sich enorm verändert. Ich erkenne heute nicht mehr das Haus, in dem ich mal gelebt habe.“ Nach dem Koreakrieg sei Südkorea stark zerstört worden. Mit den Hilfen aus dem Ausland und von Ausgereisten, die Geld in die Heimat schicken, erstarke das Land. Das sei auch der Grund, warum Fußball immer populärer werde. „Wenn das Geld da ist, schicken die Menschen ihre Kinder zunehmend zum Sport“, sagt sie. Und Fußball sei demnach auch ein sich entwickelndes Hobby. „Früher war Südkorea überhaupt kein Fußball-Land. Das ist natürlich ganz anders als in Deutschland, wo schon die Kleinkinder Fußball spielen.“

Deutschlands Hoffnung schlief im Gartenhäuschen

Sie selbst wohnt in Deutschland in einer fußballbegeisterten Familie. Ihr Mann und die Schwiegersöhne gehen regelmäßig zu Spielen von Werder Bremen. Die ehemalige große Hoffnung des deutschen Fußballs, Sebastian Deisler, ist der Familie persönlich bekannt. Als kleiner Junge hatte er bei Besuchen im Gartenhaus geschlafen. Man habe gelegentlich noch Kontakt. Es gehe ihm gut.

Zwei Herzen in der Brust

Beim Fußballschauen wird Kaiser nicht wie die Experten mit den cleveren Strategien prahlen: „Ich gucke eher selten Fußball.“ Abseits erklären kann sie aber. Sie schätzt die Koreaner flinker ein, aber die Körpergröße und ausgefeilte Technik mache Deutschland vermutlich stärker. Sie mag an dem Sport auch, dass es ein ausgemachter Mannschaftssport ist, bei dem alle im Team sich aufeinander verlassen müssen. „Viel lieber gucke ich mir aber an, was die Leute machen, wie sie jubeln und sich freuen“, sagt sie. Bei einer vergangenen WM war sie in Berlin beim Public Viewing und hat dort eine Menge von diesem Fiebern und Jubeln gesehen: „Die Mexikaner und Brasilianer, die haben immer mächtig Stimmung gemacht.“

Wenn heute die südkoreanischen Spieler um ihren Star Heung-Min Son, der bei Bayer Leverkusen spielt, gegen den Weltmeister antreten, schlagen also zwei Herzen in Kaisers Brust. „Ich lebe schon viel länger hier, als ich in Korea gelebt habe. Aber ich fühle trotzdem 60 Prozent für Korea. Es ist meine Heimat. Ich hoffe, dass sie einigermaßen spielen.“


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