Raiffeisen Viehverbund zieht Bilanz Bei Deutschen kommt mehr Rindfleisch auf den Tisch

Von Dirk Hamm

Die Kälbervermarktung gehört zu den Geschäftsfeldern des Raiffeisen Viehverbunds. Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpaDie Kälbervermarktung gehört zu den Geschäftsfeldern des Raiffeisen Viehverbunds. Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpa

Ganderkesee/Dötlingen. Der Raiffeisen Viehverbund kann für das erste Jahr nach der Fusion positive Vermarktungszahlen vorlegen. In der Schweinehaltung schreitet der Strukturwandel weiter voran.

Nach mehreren Fusionen ist im vergangenen Jahr der Raiffeisen Viehverbund (RVV) als mitgliederstärkste Viehvermarktungsgenossenschaft in Niedersachsen entstanden. Einer der vier Standorte des Verbunds ist Ganderkesee, an der Westtangente befindet sich das Kompetenzzentrum für die Rindervermarktung. Der Handel mit dem Groß- und Nutzvieh ist neben der Ferkelproduktion, den Mastschweinen und der Logistik eine der vier Säulen, auf denen die Geschäftstätigkeit des RVV ruht.

Rinderbestand geht zurück

Bei der Generalversammlung des Raiffeisen Viehverbunds am Donnerstagabend in Dötlingen berichtete Geschäftsführer Josef Wigger über zwei gegenläufige Trends beim Rindfleisch. Demnach nimmt dieses Konsumgut bei den Deutschen in der Beliebtheit zu: Von 2012 bis zum laufenden Jahr ist der Pro-Kopf-Verzehr von 9,1 auf 10,2 Kilogramm im Jahr gestiegen. Zugleich geht der Rinderbestand in Deutschland zurück, der Anteil der Importe hat zugenommen. Dass hierzulande mehr Rindfleisch gegessen wird, liege nicht nur an dem vergrößerten Bevölkerungsanteil der Muslime, analysierte Wigger: „Wir haben in der Vermarktung einen guten Job gemacht.“

Größte Steigerung bei Schweinevermarktung

Vor rund 250 Mitgliedern, die zur RVV-Generalversammlung in die Scheune des Hotels Gut Altona gekommen waren, legten Wigger und das geschäftsführende Vorstandsmitglied Patrick Wilkens die Zahlen für das Geschäftsjahr 2017 vor. Der Viehverbund konnte in diesem Zeitraum 899.000 Schweine vermarkten, eine Steigerung von 15 Prozent gegenüber 2016. Bei der Ferkelproduktion ergab sich mit 798.000 vermarkteten Tieren ein Plus von sechs Prozent. Beim Groß- und Nutzvieh fiel der Zuwachs bei 44.600 gehandelten Tieren mit drei Prozent geringer aus.

Beim Schweinefleisch seien die Märkte in den vergangenen beiden Jahren „rückläufig“ gewesen, stabilisierten sich jedoch im Moment, berichtete Wilkens. Der starke Zuwachs bei gehandelten Schweinen sei vor diesem Hintergrund „ein schöner Erfolg“, mit dem man nicht gerechnet habe.

Starke Verunsicherung unter Landwirten

Insgesamt belief sich der Umsatz im Geschäftsjahr 2017 laut Wilkens auf knapp 235 Millionen Euro. Dabei wurde ein Gewinn von 297.000 Euro nach Steuer erwirtschaftet.

Einige der vorgelegten Zahlen untermauern den Befund, dass der Strukturwandel in der Landwirtschaft unaufhaltsam voranschreitet: Die Zahl der Sauen- und Schweinehalter sinkt immer weiter, gleichzeitig steigt die Zahl der Tiere pro Betrieb kontinuierlich an. Als Hauptursache für die Betriebsaufgaben wird beim RVV eine starke Verunsicherung unter den Landwirten ausgemacht, weil es keine klaren Vorgaben hinsichtlich veränderter Anforderungen an die Tierhaltung gebe. „Vor allem in der Ferkelproduktion beschleunigt sich der Strukturwandel weiter. Oftmals sind es kleine Betriebe, die aussteigen, weil sie keine Planungssicherheit haben und deshalb nötige Investitionen nicht tätigen können“, sagt Prokurist Peter Jürgens.