Vorlesebuch für Demenzkranke Ganderkeseer Autorinnen schreiben für Senioren

Von Alexandra Wolff

Andrea Glahé und Barbara Mikolajewski (v.l.) haben ein Vorlesebuch für Senioren geschrieben: „Marktbesuch und Kaffeeklatsch“. Foto: Alexandra WolffAndrea Glahé und Barbara Mikolajewski (v.l.) haben ein Vorlesebuch für Senioren geschrieben: „Marktbesuch und Kaffeeklatsch“. Foto: Alexandra Wolff

Ganderkesee. Man kommt von einem Ausflug zurück und stellt fest, dass in dem Fotoapparat der Film fehlte. Das Vorlesebuch „Marktbesuch und Kaffeeklatsch“ von zwei Ganderkeseerinnen ist voll mit solchen Anekdoten und soll ältere Menschen dazu motivieren, aus ihrem Leben als rüstige Rentner zu erzählen.

„Marktbesuch und Kaffeeklatsch“ heißt das erste Vorlesebuch für Senioren, das die Ganderkeseerinnen Andrea Glahé und Barbara Mikolajewski geschrieben haben und das beim SingLiesel-Verlag erschienen ist. „Mir wurde nach einiger Zeit bewusst, dass viele der Geschichten für Seniorinnen und demenziell Erkrankte von der Kindheit und Jugendzeit dieser Generation handeln“, erläutert Mikolajewsi im dk-Gespräch, wie sie auf die Idee kam, dieses Buch zusammen mit ihrer langjährigen Freundin zu schreiben. „Sicher sind diese Erinnerungen wichtig, aber ich finde, dass auch die Erwachsenenjahre der Betroffenen nicht in Vergessenheit geraten sollten.“

So erzählen die 50 abgeschlossen und bewusst kurz gehaltenen Geschichten von den Erlebnissen des fiktiven Rentnerehepaares Heino und Helga. „Diese Geschichten haben wir häufig selbst erlebt und mischen sie mit einem Hauch Fantasie“, beschreibt Glahé ihr Buch. Ein Hauch Fantasie, aber ohne Fantasy. „Wenn auf einmal rote Tauben oder Fabelwesen in den Geschichten vorkämen, würden sich unsere Leser ja veräppelt vorkommen.“

Immer ein gutes Ende

Die Geschichten sind nie traurig und finden immer ein gutes und humorvolles Ende. So stellt Helga in der Geschichte „Fahrradtour zu Pfingsten“ nach ihrem Ausflug fest, dass sie gar keinen Film in ihrem Fotoapparat hatte und deswegen auch keine schönen Fotos zeigen kann. Ihr Mann Heino tröstet sie, indem er mit einem Augenzwinkern vorschlägt, dass sie doch Fotos aus seiner Kindheit zeigen könnte, dann hätten auch alle etwas zu lachen.

„Das Vorlesen der Geschichten dauert immer nur fünf Minuten“, sagt Glahé. „Aber sie regen die Zuhörer dazu an, von früher zu erzählen. So erlebt der Vorleser die betreffende Person ganz anders, als wenn er immer nur über die Nachbarschaft oder über das Wetter spricht.“

Autorinnen sind in der Seniorenarbeit tätig

Glahé weiß, wovon sie spricht. Sie kümmert sich um ihre 83-jährige, stark sehbehinderte Mutter. „Gerade Sehbehinderte freuen sich ja, wenn ihnen vorgelesen wird. Das verschafft ihnen Abwechslung und Ablenkung. Sonst höre ich ja häufig Klagen, aber mit kleinen Geschichten kann man die Menschen aus dieser Schleife herausholen.“

Mikolajewski weiß dank ihrer Arbeit, welche Geschichten Senioren am ehesten brauchen. Denn einmal in der Woche trifft sich die Betreuungsfachkraft mit den Bewohnern des Huder Seniorenheimes „Wohnpark am Sonnentau“ zur Vorleserunde.

Die beiden arbeiten übrigens schon an ihrem nächsten Buch: „Von der Nordsee bis zu den Alpen“. Diese Reisegeschichten sollen zu Ostern erscheinen.


„Marktbesuch und Kaffeeklatsch – Plaudergeschichten für die Kaffeetafel“ von Barbara Mikolajewski und Andrea Glahé ist im Verlag SingLiesel mit der ISBN 978-3944360683 erschienen und kostet 14,95 Euro.