Spargelsaison Ganderkesee Erntehelfer verdienen „viel Geld“ in kurzer Zeit

Von Marie Busse

Lukasz Clawina sticht an guten Tagen 75 Kilo Spargel. Foto: Marie BusseLukasz Clawina sticht an guten Tagen 75 Kilo Spargel. Foto: Marie Busse

Ganderkesee. Fast 100 Saisonarbeiter kommen jedes Jahr zum Hof Wempe in Ganderkesee, um Spargel zu stechen und Erdbeeren zu pflücken. Zum Großteil stammen sie aus Polen und Rumänien und verdienen in kurzer Zeit fast den Jahreslohn ihres Heimatlandes.

Der Tag auf einem Spargelfeld beginnt früh. Seit sechs Uhr stehen Lukasz Cwalina und seine acht Kollegen in Gummistiefeln bis an die Waden im Matsch – in der Nacht gab es ein Unwetter. Es ist schwül und der Himmel ist bedeckt. „Endlich hat es geregnet. Das brauchte der Spargel“, sagt er. Er bückt sich über einen Erdwall und legt geschickt mit Zeige- und Mittelfinger den Spargel frei. Mit dem Spargelmesser schneidet er die Stangen ab, legt sie in eine grüne Kiste und verschließt das Loch wieder mit einer Maurerkelle. Schnell geht es weiter den Wall entlang – mit geschultem Auge für Risse in der Erde. Dort bricht der Spargel durch und kann gestochen werden. „Die Blüte des Spargels darf sich nicht entwickeln, sonst können wir ihn nicht verwenden“, erklärt er. Ein guter Erntehelfer schafft 15 bis 20 Kisten am Tag, das entspricht 75 bis 100 Kilogramm.

Spargelernte bei Mindestlohn

Lukasz stammt aus Lomza, einer Kleinstadt tief im Osten Polens, und ist eigentlich Mechaniker. Seit sechs Jahren nimmt er seinen ganzen Urlaub und 1200 Kilometer auf sich, um auf dem Hof Wempe bei der Ernte zu helfen. Zuerst pflückte er Erdbeeren, jetzt sticht er Spargel. „In Polen bekomme ich drei Euro in der Stunde. Hier bekomme ich in 45 Tagen fast einen Jahreslohn“, sagt er. Er arbeitet von Montag bis Freitag acht Stunden täglich und verdient 8,84 Euro in der Stunde, davon wird noch die Miete für seine Unterkunft in Langförden abgezogen. „Wir halten die Kosten für die Unterkunft möglichst gering, weil wir wollen, dass die Leute wiederkommen“, sagt Landwirt Markus Wempe. Es werde ohnehin immer schwieriger, gute Arbeitskräfte zu finden. Rund 100 Saisonkräfte arbeiten zu Spitzenzeiten bei ihm.

Vielfältige Aufgaben

Lukasz Cwalina ist für den Landwirt fast unverzichtbar: Der 28-Jährige hat in den sechs Jahren gut Deutsch gelernt, kennt sich mit den Abläufen auf dem Hof aus und weiß, was wann bei der Ernte wichtig ist. Deshalb ist er nicht mehr nur auf dem Feld im Einsatz, sondern übernimmt organisatorische Aufgaben, übersetzt und kontrolliert die Arbeit.

An diesem Morgen lädt er die ersten 25 Kisten in den Kofferraum des grünen Transporters, um sie zum Waschen zurück zum Hof zu bringen. Danach sortiert eine Maschine das Gemüse. Durchs offene Fenster bringt der Fahrtwind etwas Abkühlung. Am Hof heißt es wieder ausladen und neu packen. Er ist froh, dass er nicht im Akkord arbeiten muss. „Da kann man nicht gut planen. Manchmal sind sehr viele Leute am Feld und man verdient wenig.“ Von seinem Lohn spart der 28-Jährige so viel wie möglich. Er erklärt: „In Deutschland lebe ich bescheiden und unternehme nicht viel. Das Geld nehme ich mit nach Hause.“ Hin und wieder treffen sich die Erntehelfer zum gemeinsamen Kochen oder Fußballspielen. In seiner Heimatstadt möchte er vom Ersparten ein Haus bauen.

Keine deutschen Erntehelfer

Wie Lukasz arbeiteten 2016 laut Statistischen Bundesamt 490000 familienfremde Arbeitskräfte in der Landwirtschaft, 58 Prozent davon als Saisonarbeiter. „Polen können hier in kurzer Zeit sehr viel Geld verdienen. Ich habe noch keinen deutschen Erntehelfer getroffen“, berichtet Lukasz. Warum, das könne er sich nicht erklären, die Arbeit sei zwar hart, aber die Bedingungen gut.

Für den 28-Jährigen ist die Saison schon bald beendet. Sein Chef ruft: Am Sonntag wird er zurückfahren, am Montag wieder in seinem Beruf als Mechaniker in Lomza arbeiten. Der nächste Urlaub wird ihn wahrscheinlich wieder zum Hof Wempe nach Ganderkesee führen. Das Haus ist noch nicht fertig.