regioVHS Ganderkesee-Hude Flüchtlingsbildung überflügelt Volkshochschul-Klassik

Von Reiner Haase

Integrationskurse vermitteln Geflüchteten ein neues Bild von Deutschland. Archivfoto: Julian Stratenschulte/dpaIntegrationskurse vermitteln Geflüchteten ein neues Bild von Deutschland. Archivfoto: Julian Stratenschulte/dpa

Ganderkesee. Mit hohen Stundenkontingenten fördert die regioVHS Ganderkesee-Hude die Integration von Kriegsflüchtlingen. Die klassische Erwachsenenbildung ist weit überflügelt.

Die regioVHS Ganderkesee-Hude befindet sich laut Programmbereichsleiterin Doris Hanken in einem rasanten Wandel von der klassischen Volkshochschule als Stätte der Erwachsenenbildung zu einem Bildungsträger mit Projektangeboten, die auf die Integration Geflüchteter abzielen.

Kursvielfalt erhalten

Laut Statistik für das vergangene Jahr hat sich der Wandel noch nicht in der Zahl der Angebote niedergeschlagen. Die die klassische Volkshochschule hatte mit 87 Prozent der Angebote die Nase weit vorn. Klassisch, das heißt laut Hanken, dass ein Dozent ein Thema mit Unterricht meist an einigen wenigen Abenden anbietet und Lernwillige den Kurs buchen und bezahlen. „Total gekippt“ sei das Verhältnis hinsichtlich der Unterrichtsstunden. Lern- und Leseförderung für alle Schultypen, Deutsch als Zweitsprache für Flüchtlingskinder in enger Zusammenarbeit mit den Schulen, teils für begrenzte Zeit alternativ zum regulären Unterricht, und Deutsch-Integrationskurse haben im letzten Jahr mit mehr als 24.000 Unterrichtsstunden tagsüber das klassische Abendkursangebot mit rund 12.000 Stunden weit übertroffen. Die Geflüchteten auf Geheiß von Behörden und Institutionen wie Jobcenter, Arbeitsagentur und Flüchtlingsinitiative in die Kurse.

Bezahlung im Nachhinein

Die Projektkosten tragen der Europäische Sozialfonds, der Bund, das Land, der Landkreis Oldenburg und gelegentlich auch die Gemeinde im Nachhinein. „Mit dem Landkreis klappt die Abrechnung innerhalb eines halben Jahres. Bei einem vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geförderten Kurs können schon mal zwei Jahre vergehen, bis die Rechnungen beglichen sind“, berichtete Hanken am Dienstag im Ausschuss für Bildung und Kultur des Gemeinderats.

Fit für den Arbeitsmarkt

Eine neue Herausforderung ist es laut Hanken, Geflüchtete, die auf den Arbeitsmarkt drängen, die nötigen Sprachkenntnisse und Lernfähigkeiten mitzugeben. Herausfordernd sei auch, dass die Kriegsflüchtlinge sehr unterschiedliche Vorbildung mitbringen.