Bauboom, aber keine Auszubildenden Im Landkreis Oldenburg wird vor allem Maurernachwuchs gesucht

Von Thomas Deeken und Thorsten Konkel

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Im Landkreis Oldenburg werden derzeit im Handwerk vor allem Maurer gesucht. Symbolfoto: Bernd Wüstneck/dpaIm Landkreis Oldenburg werden derzeit im Handwerk vor allem Maurer gesucht. Symbolfoto: Bernd Wüstneck/dpa

Ganderkesee/Landkreis Oldenburg. Die IG BAU kritisiert, dass trotz des Baubooms im Landkreis Oldenburg noch viele Ausbildungsplätze bei Bauunternehmen nicht besetzt sind. Hartmut Günnemann, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, weiß, dass vor allem Maurernachwuchs gesucht wird.

„Die Betriebe im Landkreis Oldenburg haben volle Auftragsbücher. Und viele wissen nicht, woher sie die Leute nehmen sollen, um die Arbeit zu erledigen“, stellt Gabriele Knue, Bezirksvorsitzende der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) Nordwest-Niedersachsen, zur aktuellen Lage auf dem Bausektor fest. Es gebe einen Bauboom, aber keine Auszubildenden. Das betreffe auch die Bauunternehmen im Landkreis Oldenburg, die derzeit 76 unbesetzte Ausbildungsplätze bei der Arbeitsagentur gemeldet hätten.

Attraktivität auf dem Bau fange bei der Lohntüte an und höre da auf, wo jungen Menschen die Perspektive auf eine moderne Job-Zukunft auf der Baustelle gegeben werden müsse, sagt die IG-BAU-Bezirksvorsitzende. Da kommt der am vergangenen Samstag von einer Schlichtungskommission ausgehandelte neue Tarifvertrag fürs Baugewerbe gerade richtig: Auszubildende erhalten monatlich in den ersten drei Jahren ihrer Ausbildung im Westen 65 Euro und im Osten 60 Euro mehr Geld und bundesweit ein 13. Monatseinkommen. Auch weitere Leistungen werden ihnen gewährt.

Schwierig, Maurernachwuchs zu bekommen

Hartmut Günnemann, Geschäftsführer der Kreishandwerkschaft Delmenhorst/Oldenburg-Land, bestätigt, dass es vor allem schwierig sei, Maurernachwuchs zu bekommen. Er glaubt aber, dass es eigentlich nicht an der Bezahlung liegen könne. Schließlich würden schon nach altem Tarif die Auszubildenden im Maurer-, aber auch im Zimmerer-Handwerk im ersten Jahr 755, im zweiten Jahr 1115 und und im dritten Jahr 1400 Euro erhalten. „Trotzdem kommen die jungen Leute nicht gerade in Scharen in die Betriebe“, weiß Günnemann, der die Ursache im schlechten Image des Berufes sieht. Das sei beispielsweise schlechter als das des Zimmerers und des Dachdeckers. Möglicherweise würden viele beim Maurerberuf an schwere körperliche Arbeit denken – und das auch noch bei schlechtem Wetter. Allerdings habe sich im Verlauf der Jahre einiges getan: Es gebe zur Unterstützung bessere und moderne Maschinen. Und Jahresarbeitszeitkonten würden helfen, die Arbeitszeit flexibler zu gestalten. Junge Menschen könnten sich bei Schnuppertagen in den Unternehmen oder beim Tag des Handwerks genauer informieren und auch Erfahrungen im Praktikum sammeln.

76 freie Ausbildungsplätze

Günnemann weiß ebenfalls von 76 freien Ausbildungsplätzen für das Handwerk im Bereich Delmenhorst/Oldenburg-Land. Bei einem Blick auf die Stellenbörse unter www.handwerk-delmenhorst.de wird allerdings deutlich, dass es sich dabei unter anderem auch um Automobilkaufleute, Bäcker, Friseure und Kraftfahrzeugmechatroniker handelt.

Viele Firmen suchen noch Auszubildende

Andererseits gibt es noch zahlreiche Firmen, die in der Baubranche tätig sind und weiterhin ab sofort oder zum 1. August dieses Jahres Auszubildende einstellen möchten – zum Beispiel das Unternehmen Harald Meyer Brandschutz-Elektro in Urneburg, das gleich eine Handvoll Plätze über die Kreishandwerkerschaft und die Agentur für Arbeit anbietet. Auch bei Elektro Gaffron in Schierbrok ist laut Börse noch eine Stelle frei, beim Malereifachbetrieb Britta Jochims in Hoykenkamp sogar zwei. Und beim Bauunternehmen Mahlstedt in Schlutter sind zwei Maurer-Ausbildungsplätze ausgeschrieben – ab sofort, fürs erste Lehrjahr, aber auch fürs zweite Lehrjahr.

Vorher Praktikum im Betrieb

Im Großen und Ganzen hat Juniorchef Timo Mahlstedt eigenen Angaben zufolge allerdings keine Probleme, Lehrlinge für den Maurerberuf zu finden. Der Betrieb bilde zwei Azubis pro Jahr aus. Informationen für Interessierte gebe es beispielsweise beim Tag des Handwerks oder bei Schulpraktika. Und wer ernsthaft in den Beruf einsteigen wolle, müsse zunächst ein Praktikum absolvieren. Die Qualität bei den Bewerbern könnte allerdings ein bisschen besser sein, sagt Mahlstedt.

Keine Probleme bei Meyer und Düßmann

Zu den Unternehmen, die sich derzeit keine Sorgen um den Nachwuchs machen müssen, zählen nach dk-Nachfrage zum Beispiel auch Meyerʹs Zimmerei in Falkenburg und Zimmerei Düßmann in Immer. Kommentar von Carl Willem Düßmann: „Wir wissen, dass andere nach wie vor Auszubildende suchen. Wir haben aber keine Probleme.“


Mit dem nach Angaben der Gewerkschaft IG BAU „bislang besten Tarifergebnis in diesem Jahr“ ist die Schlichtung für die rund 800.000 Beschäftigten im Bauhauptgewerbe am Samstag beendet worden. Es war bereits die zweite Verhandlungsrunde. „Jetzt haben wir einen Durchbruch erzielt, wonach ein Facharbeiter ab sofort 1,11 Euro mehr die Stunde bekommt. Pro Monat bedeutet das ein Plus von rund 200 Euro“, so der IG BAU-Bundesvorsitzende Robert Feiger. Das sei bundesweit der bislang höchste Abschluss.

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