Das Kriegsende 1945 in Bookholzberg Hitlerjungen sollten Freilichtbühne verteidigen

Meine Nachrichten

Um das Thema Ganderkesee Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Hitlerjungen sollten 1945 die Freilichtbühne in Bookholzberg verteidigen. Als eine Luftmine zwei Jahre zuvor die Kirche des Spieldorfs traf, fanden drei Schutzsuchende den Tod. Foto: Rudolf KlimekHitlerjungen sollten 1945 die Freilichtbühne in Bookholzberg verteidigen. Als eine Luftmine zwei Jahre zuvor die Kirche des Spieldorfs traf, fanden drei Schutzsuchende den Tod. Foto: Rudolf Klimek

Bookholzberg. Als vor 73 Jahren die Alliierten in unserer Region vorrückten, war jeder militärische Widerstand längst zwecklos geworden. Dennoch tobten um Ganderkesee heftige Kämpfe.

Als das Dorf am 20./21. April 1945 eingenommen wurde, verwandelten Flammenwerfer den Ortskern in ein Inferno. Im Raum Grüppenbühren/Bookholzberg zogen sich die Kampfhandlungen noch ein paar Tage länger hin. Der Bookholzberger Rudolf Klimek, der im Arbeitskreis Stedingsehre mitwirkt, hat anhand von Zeitzeugenberichten, zeitgenössischen Quellen und der Auswertung der Literatur eine kleine Dokumentation der letzten Kriegstage mit Schwerpunkt auf den Norden der Gemeinde erstellt.

Im Umgang mit der Panzerfaust ausgebildet

Weiter im Süden befand sich das HJ-Lager Birkenheide. Ein Zeitzeuge berichtete Klimek, dass im Februar 1945 200 bis 250 Hitlerjungen aus den Jahrgängen 1926 bis 1928 dorthin zur Volkssturmausbildung herangezogen worden seien. Der Schwerpunkt der Ausbildung sei der Umgang mit der Panzerfaust gewesen.

Flammenwerfer im Ortskern

Ein Delmenhorster – die Stadt wurde am 21. April 1945 kampflos übergeben – erzählte laut Klimek, „dass er als Hitlerjunge auf Befehl zur Verteidigung nach Ganderkesee im Raum Birkenheide eingesetzt wurde. Nach erstem, heftigem Beschuss mit Granaten und Flammenwerferpanzern im Ortskern von Ganderkesee konnten sich einige Jungs aus Angst verstecken, um am nächsten Tag heimlich nach Delmenhorst zurückzukehren.“

Heftige Kämpfe mit den Kanadiern

Erbitterte Gefechte mit Gefallenen und Verwundeten, so das Ergebnis von Klimeks Recherchen, lieferten sich Deutsche und heranrückende Kanadier am Mittelhoop bei Bookholzberg, wo sich eine deutsche Flakstellung befand. Ein feindlicher Panzer wurde abgeschossen. Alliierte Geschütze beschossen von Hollen und vom Trendelbuscher Weg aus die deutschen Stellungen. Die deutschen Soldaten zogen sich etwas später in Richtung Rethorn-Kamern zurück.

Hitlerjungen im Kampf getötet

Im Kampf um Bookholzberg sind nach Schilderungen eines Zeitzeugen rund ein Dutzend Hitlerjungen zur Verteidigung der Freilichtbühne eingesetzt worden. Einige von ihnen seien im Kampf getötet und mehrere verwundet worden. „Die Kanadier rächten sich bei Widerstand und verbrannten weitestgehend die Häuser in der Bauerschaft von Grüppenbühren mit einem Flammpanzer“, heißt es in Klimeks Dokumentation.

Vorrücken mit drei Stoßkeilen

Weiter wird berichtet, dass der Angriff auf Bookholzberg am 26. April durch die 5. Infanterie-Brigade der 2. Kanadischen Division erfolgte: „Unter heftigem Artillerieeinsatz rückten kanadische Verbände mit drei Stoßkeilen von Schierbrok, Rethorn/Stenum und Grüppenbühren aus gegen den Ort vor. Besonders umkämpft war der südliche Ortsrand. Dabei brannten die hier gelegenen Höfe einer nach dem anderen ab.“

Blutige Bilanz der Kämpfe

Deutsche Soldaten sprengten am Abend die Brücke beim Bahnhof Bookholzberg. Am folgenden Tag rückten die angreifenden Truppen in den nördlichen Ortsteil vor. Die Deutschen setzten sich in die Wesermarsch und nach Hude ab. Am 28. und 29. April wurde laut Klimek der nördliche Randbereich der Gemeinde besetzt. Die letzten deutschen Soldaten ergaben sich. Am 30. April waren die Kampfhandlungen im Ganderkeseer Gemeindegebiet beendet. Die traurige Bilanz: 53 Gefallene wurden auf deutscher Seite gezählt. Die Kanadier hatten 130 Tote und Verwundete bei den Gefechten im Nordteil der Gemeinde und in Hude zu beklagen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN