Ganderkeseer Firmen beunruhigt Spediteure reagieren auf Unfallserie auf der A1

Von Mareike Bader und Thomas Deeken

Unachtsamkeit sei einer der Hauptursachen für die Staus und Unfälle der Großbaustelle auf der A1, sagen Lastwagenfahrer und Spediteure. Symbolfoto: NonstopnewsUnachtsamkeit sei einer der Hauptursachen für die Staus und Unfälle der Großbaustelle auf der A1, sagen Lastwagenfahrer und Spediteure. Symbolfoto: Nonstopnews

maba / ken Ganderkesee . Auf der Großbaustelle der A1 rund um Stuhr häufen sich weiterhin die Staus und Unfälle. Ein großes Problem ist auch die Unachtsamkeit einiger Fahrer, berichten Fahrer und Spediteure aus Ganderkesee.

Noch bis Ende Oktober wird auf der A1 zwischen Stuhr und Brinkum die Fahrbahn erneuert. Die Staus und Unfälle dort ärgern nicht nur Autofahrer. Auch die Lastwagenfahrer und die Spediteure haben dadurch mit langen Wartezeiten zu kämpfen. „Normalerweise kann man da gar nicht mehr lang fahren“, sagt Ronny Hühn, Fahrer bei der Transport- und Speditionsfirma G. Dittmar in Ganderkesee.

Durch die Baustelle auf der A1 geht viel Zeit verloren, berichten die Speditionsunternehmen aus Ganderkesee. Um die damit verbundenen Mehrkosten zu vermeiden, haben sich bei Umzüge Mansholt etwa die Arbeitszeiten verschoben. Hier wird aktuell zwei Stunden früher angefangen, von 5 bis 16 Uhr gefahren. „Das ist eine Mehrbelastung für unsere Fahrer“, sagt Speditionskaufmann Eike Westermann.

Zum Verkehrschaos tragen sowohl die Autofahrer als auch die Lastwagen bei, sind sich die Unternehmen einig. „Man sollte sich in den Verkehrsfluss einordnen“, appelliert Westermann. Fahrer Hühn berichtet von Autofahrern, die an den Auffahrten in den Sicherheitsabstand der Lastwagen fahren. Dadurch schalten manche Fahrer den technischen Assistenten aus, um nicht noch mehr Zeit zu verlieren. Das werde auch zum Überholen gemacht, um den Windschatten zu nutzen. Doch damit ist dann auch das automatische Abbremssystem außer Funktion gesetzt. ( Weiterlesen: Fahrbahn zwischen Stuhr und Brinkum wird erneuert)

Unachtsamkeit einer der Hauptgründe

„Die Unfälle entstehen durch die Staus und Unachtsamkeit“, sagt Hühn. Aus Unachtsamkeit aufgrund routinemäßigen Fahrens und möglicherweise wegen schlechter Sicht durch Regen oder tief stehende Sonne passieren die meisten Unfälle auf der A1 vor und im Bereich der Großbaustelle Stuhr. Das hat Werner Johannes, Leiter des Einsatz- und Streifendienstes der Autobahnpolizei Ahlhorn, auf dk-Nachfrage nach einer Reihe von Unfällen mit Lastzügen auf der A1 mitgeteilt. Einige Fahrer seien auch auf langer monotoner Tour und Langeweile abgelenkt, erklärte Johannes – ohne näher auf Details der Ablenkung einzugehen.

Ablenkung sucht da manch Fahrer mit dem Laptop oder beim Zeitungslesen, wird berichtet. Die Firma Dittmar hat dagegen mit einer „Risk Management“-Schulung reagiert. Dabei wurde den Fahrern die Ursachen und Gründe für Unfälle und Schäden verdeutlicht. „Es ist ja auch deren Leben im Endeffekt“, sagt Daniel von Seggern, kaufmännischer Angestellter im Betrieb.

Nach acht Stunden Fahrt lässt die Konzentration nach, erklärt Günter Siemer, der auch Schwertransporte durchführt. Die beste Lösung der Gefahrenstelle für ihn ist ein schnelles Ende der Baustelle. Lange Bauzeiten seien besonders in Deutschland ein Problem. „In Frankreich würde es das nicht geben“, sagt Hühn.

Anteil der ausländischen Lastwagen liegt bei 40 Prozent

Die Fahrer aus der Umgebung haben fast täglich mit der Baustelle in Stuhr zu kämpfen. Anders sieht es bei den ausländischen Fahrern aus. Die machen laut Maut-Zähler 40 Prozent des Lastwagenaufkommens aus, erläutert Westermann. „Die fahren nur ein Mal im Monat hier durch.“ So fehle das Bewusstsein für die Gefahrenstelle. Hinzu komme, dass die Fahrer die Stauwarnungen über Funk oder Radio nicht verstehen.

Dass vor allem ausländische Fahrer Warnhinweise nicht lesen oder verstehen könnten, lasse Polizist Johannes dagegen nicht gelten. Schließlich habe fast jeder Sattelzugfahrer ein Navi, um sich zu informieren.

Außerdem sei eine mobile automatische Stauwarnanlage eingerichtet worden, die schon frühzeitig gleich mehrere Hinweise auf Staus gebe – auf Deutsch, aber auch mit Zeichen, die jeder europäische Kraftfahrer kennen müsse. „Allein ab Raststätte Wildeshausen in Richtung Hamburg gibt es fünf Hinweise“, erklärt der Ahlhorner Polizist. Darüber hinaus sei es für Kraftfahrer möglich, Warnungen über CB-Funk zu hören – und zwar in den vier Sprachen Deutsch, Englisch, Polnisch und Bulgarisch. Und Polizei und Straßenbaubehörde hätten dafür gesorgt, dass der komplette Baustellenbereich nachts beleuchtet ist, um das Unfallrisiko zu minimieren.

Unfälle haben zugenommen

Bis zum Spätherbst ist die Baustelle angesetzt. „Bisher ist alles im Plan“, teilt Joachim Delfs von der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr mit. Er rechnet mit einer Freigabe der Autobahn Ende Oktober.

Bestätigt hat der Ahlhorner Einsatzleiter, dass die Zahl der Unfälle durch die Großbaustelle Stuhr zugenommen hat. Gegenüber 2016 habe sich die Zahl im vergangenen Jahr von 253 auf 508 etwa verdoppelt. Dabei seien in der ersten Jahreshälfte mehr Unfälle registriert worden. In diesem Jahr habe die Polizei bislang rund 130 Unfälle im Zusammenhang mit der Baustelle Stuhr notiert. „Wenn ich das hochrechne, wird es ähnlich wie im vergangenen Jahr“, so Johannes. Der Unterschied: In diesem Jahr hat es bereits einen tödlichen Unfall gegeben, 2017 nicht.