„Kleben bleiben erwünscht“ Ganderkeseer Schüler gehen freiwillig zur Arbeit

Von Alexandra Wolff

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Die Zehntklässler der Schule am Habbrügger Weg lernen nicht nur für die Schule, sondern arbeiten auch fürs Berufsleben. Foto: Alexandra WolffDie Zehntklässler der Schule am Habbrügger Weg lernen nicht nur für die Schule, sondern arbeiten auch fürs Berufsleben. Foto: Alexandra Wolff

Ganderkesee. Wo gibt es denn so etwas: Schüler, die freiwillig noch ein Jahr länger in der Schule bleiben als sie eigentlich müssten? In der Ganderkeseer Schule am Habbrügger Weg nehmen Schüler am Projekt „Kleben bleiben erwünscht“ teil, weil sie so bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben.

Wer bleibt schon gerne in der Schule kleben? In der Schule am Habbrügger Weg ist es durchaus erwünscht. Denn die jungen Leute sollen nicht in der Schule, sondern in einem Betrieb kleben bleiben. Derzeit besuchen 17 Schüler trotz abgeschlossener Schulpflicht freiwillig die zehnte Klasse der Förderschule und gehen zusätzlich noch arbeiten. „Kleben bleiben erwünscht“ heißt dieses Projekt der Schule am Habbrügger Weg in Ganderkesee.

In der freiwilligen zehnten Klasse machen die Förderschüler den Hauptschulabschluss und manche unterschreiben in der Zeit sogar einen Ausbildungsvertrag. Denn in dem freiwilligen Schuljahr haben die jungen Leute nur drei Tage in der Woche Unterricht und an den anderen beiden Tagen absolvieren sie ein Praktikum.

60 Prozent der Schüler bekommen einen Ausbildungsvertrag

Im Februar haben sich 17 Schüler dafür entschieden, die zehnte Klasse zu durchlaufen. „Unsere zentrale Frage war: ‚Was will ich werden?‘“, erzählte Marcel während einer Präsentation. Der 16-Jährige arbeitet in einem Seniorenzentrum, zunächst in der Betreuung und jetzt in der Pflege. „Der Titel ‚Kleben bleiben erwünscht‘ bezieht sich natürlich nicht darauf, dass wir sitzenbleiben, also in der Schule kleben bleiben, sondern nach dem Praktikum in dem Betrieb kleben bleiben.“

Und das scheint zu funktionieren. „Im vergangenen Jahr haben 60 Prozent der Schüler einen Ausbildungsvertrag bekommen“, sagte Norbert Klüh von der Schulleitung. „Und 100 Prozent der Schüler haben etwas von dem Schuljahr gehabt. Manche haben dann eben gemerkt, dass ein Ausbildungsmodul für sie noch zu früh ist.“ Die Förderschüler gehen dann eben zu einer Berufsbildenden Schule oder durchlaufen eine berufliche Reha, wenn sie noch ein Handicap haben.

Niedrige Abbrecherquote

Und haben denn alle Schüler ein Praktikum in ihrem Traumberuf bekommen? 17 junge Leute nicken. Dennoch gab es den einen oder anderen Wechsel: Die 17-jährige Vivien zum Beispiel hat gemerkt, dass Raumausstatter doch nichts für sie ist. Sie wollte dann lieber in die Altenpflege – also sogar die Branche wechseln. Und das hat geklappt.

Ansonsten sei bei den Absolventen des Projekts „Kleben bleiben erwünscht“ die Abbrecherquote während der Ausbildung sehr niedrig, erwähnte Klüh: „Klar, die Schüler arbeiten ein Jahr lang dienstags und donnerstags in dem Betrieb. Da lernt man sich dann so gut kennen, dass man sich sicher sein kann, ob man zusammenpasst oder nicht.“

Und die Lehrerin Maria Hackmann-Reuter ergänzte: „Wir entlassen keinen Schüler, der nicht weiß, wie es weitergeht. Das haben wir auch der guten Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur zu verdanken.“


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