Raritäten aus Kindertagen In Ganderkesee Blechspielzeug bis unters Dach gesammelt

Von Bettina Dogs-Prößler


Ganderkesee. Der Ganderkeseer Reiner Geerken hat ein Faible für altes Blechspielzeug. Jetzt soll die Sammlung nach und nach verkauft werden.

„Wenn ich damit erst mal anfange – oh nee, das ist nicht gut“, sagt der 73-Jährige, während er auf seine Schätzchen blickt. „Für die hier“, sagt er und holt eine kleine Blechspardose aus dem Regal, „haben wir mal 170 Mark bezahlt.“ Und das gehört in dem Sammelsurium noch ins untere Preissegment. „Ich darf Ihnen gar nicht erzählen, was ich für meine Lieblingsstücke hingelegt hab.“

Reiner und Gertrud Geerken lieben alte Sachen. Bis unters Dach ist die Wohnung ein Schaukasten kleinerer und größerer Raritäten, vor allem Blechspielzeug aus den 50er- und 60er-Jahren hat es dem Ehepaar aus Ganderkesee angetan. „Weil da so viele eigene Kindheitserinnerungen drin stecken“, sagt Reiner Geerken.

Auf der Suche nach einem neuen Hobby

Alles fing an mit einer mechanischen Spardose aus den 50ern, über die Reiner Geerken auf einem Flohmarkt stolperte. Da war er gerade knapp über 50 und Frührentner und auf der Suche nach einem neuen Hobby, dem er sich mit aller Leidenschaft widmen konnte.

„Spielzeug aus Blech war das Spielzeug meiner Kindheit und so fing ich an, mich immer mehr damit zu beschäftigen.“ Zusammen mit seiner Frau Gertrud klapperte er daraufhin die Flohmärkte in der Region ab, außerdem schaltete er jede Woche ein Zeitungsinserat auf der Suche nach weiteren Raritäten aus Blech. So ist er im Jahr 2000 auch zum Tretauto des italienischen Herstellers Rosca gekommen, das 30 Jahre lang unter einem Haufen Stroh vor sich hin verrottete. Für 300 Mark kaufte Reiner Geerken dem Bauern das heruntergekommene Stück ab, reparierte die verschlissenen Gummireifen, schweißte neue Bleche ein und besserte das Sitzpolster aus. „Ein Jahr hat mein Mann daran gesessen, um das Auto wieder herzurichten“, sagt Gertrud Geerken.

Spardosen mit mechanischen Raffinessen

Heute steht der Kinder-Rennwagen aus den 50ern im Wohnzimmer der Geerkens, mit einem Steiff-Teddy als Fahrer und einem Fox Terrier als Geleitschutz. Von der maroden Vergangenheit keine Spur mehr.

Heute, 20 Jahre nach der ersten Spardose aus Blech, sind unzählige Stücke im Besitz der Geerkens. Spardosen mit mechanischen Raffinessen, Modellautos von Schuco, Eisenbahnen von Technofix, Stofftiere von Steiff, Puppen von Schildkröt – und Unmengen an Überraschungseiern von Kinderschokolade. „Aus ganz Europa“, erläutert Reiner Geerken. Auch die haben irgendwann den Weg auf ihren Dachboden gefunden. Originalverpackt, inklusive Schokolade.

Doch das Sammeln haben die Geerkens inzwischen eingestellt. „Ich bin gerade dabei, die Sachen nach und nach zu verkaufen“, sagt der 73-Jährige. Neulich erst war jemand da, um die Überraschungseier anzugucken, ein anderer hat gleich einen Teil der kleinen Aufzieh-Blechautos mitgenommen. Von fast allem würde sich Reiner Geerken trennen. Nur von zwei Dingen nicht: den Feuerwehr-Modellautos von Schuco aus dem Jahr 1955. „Ganz gleich, was dafür geboten wird – die gebe ich nicht mehr her.“