Baumschutz in Ganderkesee Baumschutz spaltet die Ratspolitik in Ganderkesee

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Bäume sind in Ganderkesee verstärkt von der Kettensäge bedroht. Symbolfoto: Tobias SaalschmidtBäume sind in Ganderkesee verstärkt von der Kettensäge bedroht. Symbolfoto: Tobias Saalschmidt

Ganderkesee. Der Eigentümer soll entscheiden, ob ein Baum auf seinem Grundstück stehen bleibt oder fällt. Eine knappe Mehrheit im Fachausschuss hat für die Aufgabe des behördlichen Baumschutzes votiert.

SPD und Grüne sind am Mittwochabend im Ausschuss für Landwirtschaft, Umwelt- und Klimaschutz des Gemeinderats mit dem Antrag gescheitert, als schützenswert eingestufte Bäume in Ganderkesee auf der Grundlage eines detaillierten Katasters vor der Kettensäge zu retten. Eine Stimme Mehrheit gab es dagegen für den CDU-Antrag, Bäume auf privaten Grundstücken grundsätzlich nicht mehr zu geschützten Landschaftsbestandteilen zu machen. Laut Antragsteller Wilfried Westermann sollen nur noch Bäume unter behördlichen Schutz gestellt werden können, die in der freien Landschaft stehen oder im Rahmen einer Bauleitplanung als schützenswert eingestuft worden sind.

Jahrelange Praxis aufgegeben

Mit der Weichenstellung für einen Ratsbeschluss im Mai ist im Fachausschuss nachvollzogen worden was auf der Grundlage neuer Mehrheiten im Gemeinderat seit der Kommunalwahl 2016 gang und gäbe ist. Bürgermeisterin Alice Gerken erinnerte an die langjährig geübte Praxis davor: Im Rathaus wird auf diese oder jene Weise ruchbar, dass ein Baum gefällt werden soll. Eine Fachkraft der Verwaltung überprüft den Sachverhalt vor Ort. Kommt er zu dem Schluss, der Baum sei erhaltenswert, verfügt die Gemeinde einstweiligen Schutz. Innerhalb eines Jahres macht der Gemeinderat per Beschluss aus dem einstweiligen einen dauerhaften Schutz. „Der Gemeinderat hat diesen Weg nicht mehr mitgetragen. Das ist misslich für die Verwaltung“, so die Bürgermeisterin. CDU, FDP, Freie Wähler und UWG haben diesen Weg des Baumschutzes mit ihrer Mehrheit versperrt.

Sturmschäden liefern Argumente

Die Herbst- und Winterstürme 2017/2018 haben der Ratsmehrheit Argumente geliefert. „Die Eigentümer haben Kosten für Schäden zu tragen nach Entscheidungen gegen ihren Willen“, sagte Thorsten Busch (UWG). Volker Schmidt (Freie Wähler) sagte voraus, vor dem Erlass einer Baumschutzsatzung werde kein erhaltenswerter Baum mehr stehen. In Zeiten des Klimawandels stellten Bäume „ganz klar eine Gefahr dar“, so Jürgen Struthoff (FDP). CDU-Sprecher Westermann berichtete von Fällen, in denen Versicherungen Gebäudeschäden nicht ersetzten. Michael Sorg (Grüne) formulierte vergebens, dass „kein Baumschutz für uns gar nicht geht.“

Geschützt bleibt geschützt

Auf Nachfrage des Nabu-Vorsitzenden Hans Fingerhut stellte Peter Meyer, der Leiter des Fachbereichs Gemeindeentwicklung, klar, dass schon unter Schutz stehende Bäume auch künftig nicht einfach gefällt werden dürfen. Gegebenenfalls müsse der Rat in jedem Einzelfall den Schutzstatus aufheben.


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