Flüchtlinge in Ganderkesee Hohenbökener befürchten Getto auf dem Gut

Von Reiner Haase

Von außen ist das Haupthaus des Guts Hohenböken weitgehend hergerichtet, der Innenausbau ist angelaufen. Hinter der neuen Tür zum Nebengebäude (dahinter) sind die Arbeiten schon weiter gediehen. Foto: Reiner HaaseVon außen ist das Haupthaus des Guts Hohenböken weitgehend hergerichtet, der Innenausbau ist angelaufen. Hinter der neuen Tür zum Nebengebäude (dahinter) sind die Arbeiten schon weiter gediehen. Foto: Reiner Haase

Ganderkesee. Das wiederhergerichtete Gut Hohenböken soll größtenteils, wenn nicht ganz von Flüchtlingsfamilien bezogen werden. Die Dorfgemeinschaft plädiert dagegen für eine „vernünftige Mischung“.

Mit wachsender Besorgnis blickt die Hohenbökener Dorfgemeinschaft dem Einzug der ersten Mieter der Wohnungen entgegen, die zurzeit auf dem Gut Hohenböken hergerichtet werden. „Wir gehen mit offenen Armen auf die Neuen in unserem Dorf zu. Es darf aber nicht so kommen, dass wir allein gelassen werden“, betont Hans-Joachim Wallenhorst, der Vorsitzende des Ortsvereins. Er ist deshalb gespannt auf ein Gespräch mit Vertretern des Landkreises Oldenburg und der Gemeinde Ganderkesee, das in den nächsten Tagen stattfinden soll.

Landkreis mietet Wohnraum an

In den Gebäuden des Guts werden im Auftrag der Eigentümer Jan und Berend Aschenbeck zwölf Wohnungen eingerichtet. „Der Landkreis mietet die Wohnungen an, und wir wählen die Mieter aus“, erklärt Hauke Gruhn, der Pressesprecher der Gemeinde. Der Landkreis erwarte, dass vorrangig Flüchtlingsfamilien untergebracht werden. „Nach Hohenböken werden Familien ziehen, die wir bereits gut kennen“, ergänzt Gruhn.

Angst vor Gettobildung

„Etliche Hohenbökener engagieren sich in der Flüchtlingshilfe. Es wäre gut, wenn auf dem Gut den Hohenbökenern bekannte Menschen einzögen“, sagt Wallenhorst dazu. Misstrauisch macht ihn allerdings, dass die Hohenbökener erst jetzt, wenige Wochen vor dem ersten Einzug, erfahren, dass alle oder fast alle Bewohner aus dem Kreis der Flüchtlinge stammen sollen: „Beim Richtfest und bei anderen Gelegenheiten hatten wir den Eindruck gewonnen, dass Wert auf eine gute Mischung gelegt wird. Wir halten das für vernünftiger.“ Das Gut werde die erste Großwohnanlage im 360-Einwohner-Dorf. Es könne sich ein Getto bilden, wenn dort ausschließlich Menschen mit dem gleichen Schicksal leben.