Seniorenbeirat Ganderkesee Seniorenbeirat hat Altersarmut fest im Blick

Von Reiner Haase

Bereitet die Jubiläumsfeier zum 25-jährigen Bestehen des Seniorenbeirats Ganderkesee vor: Jürgen Lüdtke ist seit Frühjahr 2017 gewählter Vorsitzender. Das Dreivierteljahr davor, nach dem Tod seines Vorgängers Uwe Lisson, war er kommissarischer Vorsitzender.Foto: Reiner HaaseBereitet die Jubiläumsfeier zum 25-jährigen Bestehen des Seniorenbeirats Ganderkesee vor: Jürgen Lüdtke ist seit Frühjahr 2017 gewählter Vorsitzender. Das Dreivierteljahr davor, nach dem Tod seines Vorgängers Uwe Lisson, war er kommissarischer Vorsitzender.Foto: Reiner Haase

Ganderkesee. Seit 25 Jahren gibt es in Ganderkesee einen Seniorenbeirat. Er bringt Politikern und Verwaltungen die Belange älterer Menschen nahe. Ein brisantes Thema für die Altersarmut.

Die Zahl der älteren Menschen wächst stetig, und damit vergrößert sich auch das Aufgabenfeld des Seniorenbeirats der Gemeinde Ganderkesee. „Wir kümmern uns um alle Belange, die im weitesten Sinne ältere Menschen betreffen“, erklärt Jürgen Lüdtke, Vorsitzender des Beirats. Zusätzlich ist das Gremium zurzeit in eigener Sache aktiv: Das Gremium wird in diesem Monat 25 Jahre alt. Es gilt, eine angemessene Jubiläumsfeier vorzubereiten. Sie findet am Sonntag, 15. April, statt.

Mitglieder vertreten 9000 Menschen

Im Seniorenbeirat sind zurzeit 36 Vereine, Verbände und Einrichtungen zusammengeschlossen, 9000 ältere Menschen vertretend. Für sie und für die nicht organisierte Öffentlichkeit bietet der Beirat in Zusammenarbeit mit der regioVHS Ganderkesee-Hude monatlich einen Vortrag an. „Das ist wie ein Wunschkonzert. Die Besucher bestimmen mit, was an einem der nächsten Vortragsabende zum Thema gemacht wird“, erklärt Lüdtke.

Das Interesse an Themen zur Gesundheit und Pflege sei besonders groß. Mobilität und Wohnen im Alter seien ebenfalls in vielen Facetten aktuell. „Das Thema der Zukunft wird die Armut im Alter“, sagt der Beiratsvorsitzende voraus. Brisant ist für ihn auch das Thema Wohnen. „Es gibt zu wenige kleine bezahlbare Wohnungen“, ist Lüdtke überzeugt. Im jährlichen Wechsel gibt es, wie 2017, einen großen Seniorentag und, wie in diesem Jahr, die Orientierungsfahrt „Senioren on Tour“.

Einfluss auf Kommunalpolitik

Der Seniorenbeirat Ganderkesee zähle zu den treibenden Kräften des Arbeitskreises der Seniorenvertretungen auf Landkreisebene, berichtet Lüdtke. Dieses Gremium ist im vergangenen Jahr gebildet worden und ist als Ratgeber im Gesundheits- und Sozialauschuss des Landkreises Oldenburg vertreten. Der enge Kontakt zur Kommunalpolitik und zur Verwaltung ist auch durch Präsenz und Mitwirkung des Seniorenbeirats in Gremien der Gemeinde Ganderkesee gegeben.

Beirat vermisst das Servicebüro

Das Aus für das einige Jahre lang in Wardenburg eingerichtete Seniorenservicebüro für den Landkreis Oldenburg wertet Lüdtke als Rückschlag. „40.000 Euro für die Unterstützung ehrenamtlicher Arbeit liegen brach“, sagt er. Es falle nun schwerer, Referenten zu bezahlen, sagt er beispielhaft. Außerdem könnten die rund 20 Seniorenbegleiter, gut ausgebildete Ehrenamtliche, nur noch bei Anfragen aus der Gemeinde Ganderkesee eingesetzt werden. „Dann sind sie über die Gemeinde versichert. Zu Anfragen aus Hude, Hatten, Dötlingen und Harpstedt müssen wir jetzt Nein sagen, weil der Versicherungsschutz über das Servicebüro weggefallen ist“, erläutert Lüdtke. Der Antrag der Seniorenvertretungen, im Kreishaus ein Servicebüro einzurichten, werde „vom zuständigen Referenten“, das ist Sozialdezernent Bodo Bode, nicht unterstützt. „Auch die Gemeinden im Landkreis sind nicht bereit, das Servicebüro bei sich einzurichten“, ergänzt Lüdtke.

Kleines Budget für viel Arbeit

Das Budget für die Seniorenarbeit ist nicht groß. Der Seniorenbeirat Ganderkesee erhalte von der Gemeinde 1000 Euro pro Jahr, „das reicht gerade mal für die Bürokosten“. Dazu kommen 500 Euro für Projekte. Der Landkreis stelle dem Arbeitskreis der acht Seniorenvertretungen 2500 Euro pro Jahr zur Verfügung.

Zu Spezialisten fortgebildet

Lüdtke kann nur mit dem Kopf schütteln bei der Aussage, Seniorenthemen seien im Gemeinderat gut aufgehoben, weil etliche Ratsmitglieder den Älteren zuzurechnen seien. „Ratsmitglieder müssen ein ganz breites Themenfeld im Blick haben. Wir haben uns in Fortbildungen spezialisiert. Aus dem Landesseniorenrat in Hannover und aus der Gemeinschaft der Seniorenvertretungen Weser-Ems in Bad Zwischenahn bringen wir wichtige Anregungen mit“, betont er.

Team mit Unterstützern im Rathaus

Das Thema der Zukunft wird die Armut im Alter.

Vor Ort freut sich Lüdtke, dass er mit Unterstützung aus den Vereinen, Verbänden und Institutionen in einem starken Team arbeitet. Stellvertretender Vorsitzender des Seniorenbeirats Ganderkesee ist Rüdiger Laudien. Ursula Sachse führt die Kasse. Beisitzer sind Erika Lisson, Monika Brandt, Hans Brandt, Ursel Wilts und Hildegard Dunkhase. Zuarbeit der Gemeinde gibt es von Christian Halanzy aus dem Fachbereich Soziales und von Christa Wachtendorf, der Koordinatorin der Ganderkeseer Ehrenamtlichen-Initiative „Mach mit“.