Schwieriger Lehrstellenmarkt Weniger Ganderkeseer wollen sich ausbilden lassen

Von Alexandra Wolff

Sophie Kröger ist Auszubildende im zweiten Lehrjahr. Die Bäckerei Tönjes in Ganderkesee bildet sie zur Bäckereifachverkäuferin aus. Foto: Alexandra WolffSophie Kröger ist Auszubildende im zweiten Lehrjahr. Die Bäckerei Tönjes in Ganderkesee bildet sie zur Bäckereifachverkäuferin aus. Foto: Alexandra Wolff

Ganderkesee. Ganderkeseer Unternehmen beklagen, dass sich immer weniger junge Leute auf Ausbildungsstellen bewerben. Und selbst wer eine Ausbildung anfängt, schließt sie nicht unbedingt ab.

Sowohl dem Hubladebühnenhersteller Palfinger Tail Lifts als auch der Bäckerei Tönjes ist aufgefallen, dass sich auf ausgeschriebene Ausbildungsstellen nicht mehr so viele junge Menschen bewerben, wie noch vor wenigen Jahren. Und damit sind die beiden Ganderkeseer Unternehmen nicht allein.

Torsten Heidemann von der Handwerkskammer Oldenburg bestätigte diesen Trend. Vor ein paar Jahren noch habe es gut 20 Bewerber auf eine Ausbildungsstelle gegeben, jetzt seien es nur noch drei oder vier. Gerade den Beruf des Bäckers wollen wenige Leute lernen.

Unbeliebter Ausbildungsberuf

Sabine Tönjes von der Bäckerei Tönjes aus Ganderkesee kennt den Hauptgrund: „Die Bäcker fangen bei uns um 1.30 Uhr an. Das ist vielen zu früh. Aber dafür haben sie nachmittags frei.“ Zur Zeit arbeiten zwei Auszubildende in der Backstube, sie könnte aber noch ein oder zwei weitere gebrauchen. Im Verkauf bildet sie 15 junge Leute aus, in allen Tönjes-Filialen zusammen werden aber insgesamt sechs weitere Auszubildende im Verkauf gesucht. Auch hier müssen die Mitarbeiter mit ungünstigen Arbeitszeiten rechnen. Die Verbraucher erwarteten heutzutage Öffnungszeiten bis 21 Uhr: „Überlegen Sie mal, wann Sie dann zu Hause sind“, gab Tönjes zu bedenken.

Nicht nur Dienstleister haben solche Probleme, sondern auch die Arbeitgeber in der Industrie. Die Arbeitgeberverbände der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie haben den Mangel an Auszubildenden in Zahlen gefasst: Waren Anfang 2017 nur fünf Prozent der angebotenen Ausbildungsplätze unbesetzt, so waren es zu Beginn 2018 schon 7,5 Prozent.

Früher doppelt so viele Bewerber

Dass es früher leichter war, Auszubildende zu finden, bestätigte auch Annika Vosteen, die bei Palfinger Tail Lifts in Hoykenkamp im Personalbüro arbeitet: „Auf eine Ausbildungsstelle zum Industriemechaniker bewerben sich jetzt 50 junge Menschen, auf eine kaufmännische Ausbildungsstelle 40. Vor zwei bis drei Jahren waren es aber doppelt so viele.“

Wegen der geringeren Auswahl seien viele Betriebe gezwungen, „das ein oder andere Mal Leistungsschwächere einzustellen“, sagte Heidemann von der Handwerkskammer. „Wenn der Auszubildende dann das Niveau nicht erreicht, schafft er möglicherweise seine Ausbildung nicht.“ Denn selbst wenn ein Auszubildender gefunden ist, könne es immer noch sein, dass er die Ausbildung abbricht.

Hohe Abbrecherquote

Laut eines Entwurfs für den Berufsbildungsbericht 2018 wurden 25,8 Prozent aller Ausbildungsverträge aus dem Jahr 2016 vorzeitig aufgelöst.

„Die Quote der aufgelösten Ausbildungsverträge betrug im vergangenen Jahr für das gesamte Oldenburger Land 26,6 Prozent“, sagte Michael Bruns von der Industrie- und Handelskammer im Landkreis Oldenburg und zeigt damit auf, dass es hier sogar noch ärger aussieht.

Er appelliert an die Betriebe, dass Auszubildende und Ausbildungsbetriebe gegenseitig ihre Erwartungen offenlegen sollten, bevor der Vertrag unterschrieben wird.