Nazi-Relikte in Ganderkesee Ganderkeseer Rat unter „Völkischem Beobachter“

Von Reiner Haase

„Völkischer Beobachter“ unter der Decke: Bei der Renovierung des Alten Rathauses sind Nazi-Hinterlassenschaften zutage gekommen. Foto: Gemeinde Ganderkesee/Hauke Gruhn„Völkischer Beobachter“ unter der Decke: Bei der Renovierung des Alten Rathauses sind Nazi-Hinterlassenschaften zutage gekommen. Foto: Gemeinde Ganderkesee/Hauke Gruhn

Ganderkesee. Im Alten Rathaus in Ganderkesee sind Nazi-Hinterlassenschaften ans Tageslicht gekommen. Hakenkreuze waren mit Tapete überklebt und NSDAP-Zeitungen in der Decke verarbeitet.

Der Rat der Gemeinde Ganderkesee, seine Gremien und andere honorige Runden haben im Alten Rathaus jahrzehntelang unter dem „Völkischen Beobachter“ getagt. Zwei handgemalte Hakenkreuze waren außerdem nur von einer dünnen Schicht Tapete kaschiert. Die Hinterlassenschaften aus der Nazi-Zeit sind laut Hauke Gruhn, dem Pressesprecher der Gemeinde, bei Renovierungsarbeiten im alten Sitzungssaal ans Tageslicht gekommen.

NSDAP-Zeitungen von 1938

Der Sitzungssaal hat offenbar 1938 eine neue Zwischendecke erhalten. Davon zeugen zahlreiche Ausgaben des „Völkischen Beobachters“, der Parteizeitung der NSDAP, aus dem November 1938, die zur Isolierung in der Decke verarbeitet worden sind. Die Tapete über den Hakenkreuzen ist laut Gruhn ebenfalls in jener Zeit verklebt worden.

Größter Raum im Haus

Das Alte Rathaus wird als Geschäftsstelle der regioVHS Ganderkesee-Hude genutzt. Der Sitzungssaal ist der größte Raum im Haus; er wird vor allem für Vorträge und mehrtägige Seminare genutzt.

Renovierung fast abgeschlossen

Bei der Renovierung wird die Elektrik erneuert, eine Akustikdecke eingezogen, ein neuer Beamer und eine Leinwand installiert. Das historische Luftbild an der Stirnwand, zurzeit von einer Plane geschützt, bleibt erhalten. Die Renovierung kostet 17.000 Euro und soll Mitte April abgeschlossen sein.