Bäume in Ganderkesee Bäumen in Ganderkesee droht die Kettensäge

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In Ganderkesee ist das Thema Baumpflege strittig. Symbolfoto: Thorsten KonkelIn Ganderkesee ist das Thema Baumpflege strittig. Symbolfoto: Thorsten Konkel

Ganderkesee. Im Ganderkeseer Gemeinderat hat sich eine stabile Mehrheit gegen verordneten Baumschutz formiert. Die Verwaltung gibt deshalb die bisher geübte Praxis des vorläufigen Schutzes auf. SPD und Grüne wollen den Baumschutz neu ordnen.

Ortsbildprägende Bäume auf privatem Grund sind in der Gemeinde Ganderkesee vom Herbst dieses Jahres an stärker von der Kettensäge bedroht als in den Jahren zuvor. Am 30. September endet das Fäll- und Rückschnittsverbot in der Hauptvegetationszeit nach dem Bundesnaturschutzgesetz, und eine kommunale Ergänzungsregelung ist nicht in Sicht. „Im Gemeinderat gibt es keine Mehrheit mehr für den Baumschutz“, stellt Bürgermeisterin Alice Gerken fest.

Rat hat Verwaltungsakte geprüft

Eine Baumschutzsatzung wie in anderen Städten und Gemeinden gibt es in Ganderkesee nicht. Stattdessen ist es bisher üblich gewesen, dass die Verwaltung aus ihrer Sicht wertvolle Bäume für ein Jahr per Verfügung sichergestellt hat, wenn der Naturschutzabteilung zu Ohren kam, dass schwerwiegende Veränderungen wie ein starker Rückschnitt oder das Fällen bevorstehen. Sicherstellungen gab es auch ohne konkreten Anlass, wenn der Gemeinde besondere Gründe für den Erhalt der Bäume aufgefallen waren. Innerhalb dieses Jahres Schonzeit hat der Gemeinderat die Vorgabe der Verwaltung überprüft und darüber entschieden, ob dem Eigentümer die Pflicht zum Erhalt des Baumbestands auferlegt werden kann. Das war häufig mit Ortsterminen verbunden. Und über Jahre hat sich meist im Gemeinderat eine Mehrheit zugunsten des Baumerhalts gefunden.

Feste Mehrheit im Rat

Im Laufe des letzten Jahres hat sich das Blatt gewendet. Die FDP-Fraktion, schon immer gegen verordneten Baumschutz, weil der Bürger am besten wisse, wieviel und welches Grün am besten auf seinem Grundstück gedeihen sollte, hat mit der CDU, der UWG und den Freien Wählern in dieser Frage feste Verbündete gefunden. Angedeutet hat sich das schon in der Sitzung des Fachausschusses im Januar 2017. Das bedeutet 20 von 37 Stimmen im Gemeinderat. Bürgermeister Gerken zieht die Konsequenz: „Die Verwaltung wird Bäume nicht mehr vorläufig sicherstellen.“

Konsequenz wird sichtbar

Reinhard Siemer, Vorsitzender des Heimat- und Ortsvereins Elmeloh-Almsloh, zeigt beispielhaft die Konsequenz auf. Aus dem Ortsbild Elmelohs sind an der Ecke Zur Wassermühle/Neue Straße drei markante Bäume verschwunden. „Das ist bedauerlich fürs Ortsbild. Ich kann aber auch Eigentümer verstehen, die mit dem Laubfall und der Sicherung vor herabfallenden Ästen allein gelassen werden“, sagte Siemer in der Jahreshauptversammlung seines Vereins.

Rot/Grün mit neuem Konzept

SPD und Grüne suchen unterdessen im Gemeinderat Verbündete für ein neues Konzept des Baumschutzes. Mitarbeiter der Verwaltung oder eines externen Fachbüros sollen alle geschützten und schutzwürdigen Bäume und Baumgruppen auflisten. Das Kataster soll vom Gemeinderat abgesegnet und alle fünf Jahre aktualisiert werden. SPD und Grüne wünschen sich, dass nicht nur die Stammdicke, wie in mancher Baumschutzsatzung, eine Rolle spielt, sondern auch die Baumart, das Alter und die Gesundheit, der Standort und die Auswirkungen auf Bürger, zum Beispiel durch Schattenwurf und Wurzelschäden.

Hilfe für Eigentümer

Auch die Eigentümer von Grundstücken mit Bäumen haben die SPD und die Grünen im Blick. Die Gemeinde soll bei der Pflege geschützter Bäume und beim Beseitigen von Sturmschäden helfen, zum Beispiel mit Hilfe des Kommunalservices Nordwest. Wenn das Laub fällt, sollen Container bereitgestellt und abgefahren werden. „Wir sind sicher, dadurch einen beispielhaften und effektiven Baumschutz zu erreichen“, betonen die Fraktionssprecher Werner Brakmann und Dr. Volker Schulz-Berendt. Das sei angemessen für eine Gemeinde, die sich den Klima- und Umweltschutz auf die Fahnen geschrieben habe.


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