Opfer leidet noch heute Haft für bewaffneten Überfall in Ganderkesee

Von Ole Rosenbohm

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Am Mittwoch sind zwei Täter wegen schwerer räuberischer Erpressung vom Landgericht Oldenburg verurteilt worden. Symbolfoto: Volker Hartmann/dpaAm Mittwoch sind zwei Täter wegen schwerer räuberischer Erpressung vom Landgericht Oldenburg verurteilt worden. Symbolfoto: Volker Hartmann/dpa

Oldenburg/Ganderkesee. Am Mittwoch sind zwei Täter wegen schwerer räuberischer Erpressung vom Landgericht Oldenburg verurteilt worden. Im Oktober hatten sie einen Kioskbesitzer unter vorgehaltener Waffe ausgeraubt.

Der Betreiber wischte gerade den Boden, als die mit Ski- und Donald-Trump-Maske vermummten Räuber kurz vor Ladenschluss in den Kiosk stürmten und er sogleich in die Mündung einer Walther P99-Schreckschusspistole blickte: „Alles Geld in die Tasche! Schnell“, rief der die Karnevalsmaske tragende Größere.

Am Mittwoch sind die beiden Täter wegen schwerer räuberischer Erpressung vom Landgericht Oldenburg verurteilt worden: einer zu zwei Jahren Jugendstrafe auf Bewährung, einer zu vier Jahren Gefängnis.

270 Euro räumte der Betreiber am 24. Oktober 2017 kurz vor 22 Uhr in die Tasche der schnell verschwundenen Täter. Kein großer Schaden. Und doch verfolgt der Vorfall den Mann noch heute: Bei Kunden mit Mütze und Schal drehe sich ihm der Magen um, berichtete er als Zeuge vor Gericht. Dazu kämen Probleme, in den Schlaf zu finden. Die spätere Entschuldigung der Angeklagten per Brief helfe ihm nicht weiter.

Täter sind intensive Kokain- und Cannabis-Konsumenten

Die Täter waren Tage später gefasst worden. Einer war noch 15, der andere 22 Jahre, beide aufgewachsen in Ganderkesee, beide intensive Kokain- und Cannabis-Konsumenten. Vor der Polizei und jetzt vor Gericht waren sie sofort geständig – ihr wohl klügster Zug rund um die Tat.

Erst hatten sie einen anderen Kiosk ausrauben wollen – doch dort waren ihnen zu viele Kunden. Also ab zum nächsten Laden, wo sie noch einen Joint rauchten und eine Nase Kokain nahmen. Sie verwarfen den Plan auch nicht, als einer von ihnen vor dem Kiosk durch einen Nachbarn erkannt wurde.

Die Idee hatte der Jüngere, der Schulden bei seinem Dealer begleichen musste. Ohne lang zu überlegen, ließ sich der Ältere auf den Plan ein. Dass er zu dieser Zeit eine zehnmonatige Bewährungsstrafe offen hatte, spielte keine Rolle. Die Verlockung auf Geld für Kokain war stärker.

Angeklagter nur vermindert schuldfähig

Beide hätten schwere Schuld auf sich genommen, stellte das Gericht fest. Allerdings müsse man sich auch fragen, wie es zu dieser Tat gekommen sei. Also sprachen verminderte Schuldfähigkeit durch die Drogen, Geständnis und glaubhafte Reue für eine Strafe unter der Mindesthaft von fünf Jahren für den in seiner Entwicklung verzögerten Älteren. Über eine zweijährige Entziehungskur in geschlossener Anstalt könnte er in drei Jahren zur Bewährung freikommen.

Therapie statt Haft für den Jugendlichen

Der seit der Tat wohl drogenfrei lebende 15-Jährige muss sieben Wochen Therapie durchstehen, seinen Hauptschulabschluss verfolgen und ein zugesagtes Jahrespraktikum absolvieren. Im Jugendrecht stehe Entwicklung vor Bestrafung, betonte der Richter.

Dem Kioskbetreiber bleibt die Angst. Der Überfall vom Oktober vergangenen Jahres war schon der zweite in elf Jahren Betrieb, dazu kommen vier nächtliche Einbrüche, weswegen ihn die Versicherung längst aus dem Vertrag geschmissen habe. Seinen Kiosk schließt er jetzt um acht Uhr – zwei Stunden früher als sonst. Er hofft, das Überfall-Risiko so zu minimieren.


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