Regionale Lebensmittel Wüstinger Solidar-Hof bietet mehr als Bio

Von Bettina Dogs-Prößler

„Für uns ist es das Zukunftsmodell, um kleine, vielfältige Biobetriebe zu erhalten“, sagt Agrarbetriebswirt Eike Frahm.. Foto: Bettina Dogs-Prößler„Für uns ist es das Zukunftsmodell, um kleine, vielfältige Biobetriebe zu erhalten“, sagt Agrarbetriebswirt Eike Frahm.. Foto: Bettina Dogs-Prößler

Hude-Wüsting. Seit Juli 2017 setzt die Hofgemeinschaft Grummersort auf eine solidarische Landwirtschaft, bei der Verbraucher den natürlichen Kreislauf regionaler Lebensmittel spürbar miterleben können.

Regionale Lebensmittel sind voll im Trend. Laut einer Umfrage der Verbraucherzentralen wollen immer mehr Menschen wissen, woher ihre Lebensmittel kommen und wie sie produziert werden. 75 Prozent sind bereit, dafür tiefer in die Tasche zu greifen. Denn Essen ist mittlerweile nicht mehr nur eine Genussfrage – es ist zu einer gesellschaftlichen Haltung geworden.

Zukunftsmodell für Biobetriebe

Seit Juli 2017 setzt die Hofgemeinschaft Grummersort auf eine solidarische Landwirtschaft, bei der Verbraucher den natürlichen Kreislauf regionaler Lebensmittel spürbar miterleben können. „Für uns ist es das Zukunftsmodell, um kleine, vielfältige Biobetriebe zu erhalten “, sagt Agrarbetriebswirt Eike Frahm. Seit Juli 2017 ist er Teil einer neuen Generation, die auf dem langjährigen Demeterhof eine Zeitenwende eingeläutet hat. Drei Familien haben den Hof übernommen und lassen ihn seitdem zu einem Fünftel solidarisch bewirtschaften. Das heißt: Verbraucher kaufen sich mit einem monatlichen Betrag ein und werden zu Anteilseignern. Als Gegenwert erhalten sie eine bestimmte Menge an Lebensmitteln, die wöchentlich ausgeteilt werden, und ein Mitbestimmungsrecht über die Ausrichtung des Hofes. Für die Betreiber bedeutet das: Kooperation statt Kostendruck. Denn der monatliche Beitrag der Anteilseigner sichert nicht nur die laufenden Kosten des Betriebes, er macht die Landwirte unabhängig von wetterbedingten Ernteausfällen, schwankenden Weltmarktpreisen und der Konkurrenz durch Anbietern von Bioprodukten zu Discounterpreisen. „So müssen wir uns auf nichts spezialisieren, sondern können viel mehr Vielfalt anbieten“, so Frahm.

Schnell 70 Anteilseigner

Bereits in der Testphase sind die neuen Betreiber auf 70 Anteilseigner gekommen, die jeden Monat je nach Paket zwischen 120 und 189 Euro in den Hof investieren. Dafür bekommen sie Gemüse, Milch, Jogurt, Käse, Fleisch, Eier, Brot, Kräuter, Salate und Kartoffeln. Im Sommer mehr, im Winter weniger - immer aber das, was die Saison gerade hergibt.

Abholtag als Ausflug

Gerade das schätzen die Anteilseigner an der solidarischen Landwirtschaft. „Es gibt immer was anderes, weil es saisonal ist“, sagt Britta Kaiser. Jeden Freitag kommt sie aus Groß Ippener nach Grummersort, um sich ihren Anteil an Obst, Gemüse, Milch und Co. abzupacken. Schon vorher habe sie bio gekauft, durch die solidarische Landwirtschaft aber könne sie die Landwirte direkt unterstützen. Wie David Marks, der den Abholtag immer gleich auch für einen ganzen Familienausflug auf den Bauernhof nutzt. „Ich schätze die Regionalität und bin froh, dass wir so etwas in der Nähe haben“, sagt der junge Vater aus Hatterwüsting. Trotz der schwankenden Ausgabemengen würde sich ein Anteil am Hof rentieren. „Im Lauf des Erntezyklus gleicht sich das wieder aus.“

Gegen Massenproduktion

Von Anfang an dabei ist auch Herbert Schuster. Weil er den ökologischen Landbau fördern will, wie er sagt. Kurze Transportwege, der Umgang mit der Natur, bei der Ernte helfen – für den Wüstinger ist die solidarische Landwirtschaft eine Möglichkeit, der Massenproduktion auf Kosten von Tier und Umwelt bewusst die Stirn zu bieten. „Seitdem wir hier einkaufen, hat sich unser Plastikmüll um ein Drittel reduziert.“ Weniger Verpackungsmaterial haben auch die Betreiber selbst. Eike Frahm: „Durch die solidarische Landwirtschaft sparen wir allein an Etiketten 7500 Stück ein.“

Vier Verteilstellen

Verteilt werden die Lebensmittel wöchentlich an vier Stellen, neben dem Hof gibt es noch drei Abgabeorte in Oldenburg. Vor allem in der Stadt kommt die solidarische Landwirtschaft gut an. Bis auf die Eier und die Wurst wird alles, was in den Regalen landet, auf dem Hof produziert; Milch, Käse und Brot stammen aus der eigenen Molkerei und Bäckerei. Wer nicht für alles eine Verwendung hat, tauscht oder verschenkt seinen Anteil. Denn solidarisch sollen die Anteilseigener auch untereinander sein.