Nährstoffbericht Niedersachsen Landvolk: Weser-Ems kann Gülle-Problem bewältigen

Von Alexandra Wolff

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In der Region Weser-Ems wird mehr Stickstoff produziert als im übrigen Niedersachsen. Symbolfoto: Ingo Wagner/dpaIn der Region Weser-Ems wird mehr Stickstoff produziert als im übrigen Niedersachsen. Symbolfoto: Ingo Wagner/dpa

Landkreis Oldenburg/Hannover. Der Landkreis Oldenburg übersteigt dem neuen Nährstoffbericht zufolge die Stickstoffobergrenze nur knapp. Dennoch sieht der zuständige Kreisverband des Landvolks Handlungsbedarf.

Landkreis Oldenburg/Hannover. Der Oldenburger Kreisverband des Landvolkes befürchtet nicht, dass der Landkreis Oldenburg als „Risikogebiet“ identifiziert wird, obwohl er die neue Obergrenze für Stickstoff (Nitrat) überschritten hat. Am Mittwoch stellte die Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (SPD) den aktuellen Nährstoffbericht Niedersachsens in Hannover vor und sprach sich in diesem Zusammenhang unter anderem dafür aus, „Risikogebiete“ zu benennen.

Der Nährstoffbericht besagt, dass im Landkreis Oldenburg, wie in der gesamten Region Weser-Ems, der Grenzwert von 170 Kilogramm Nitrat pro Hektar Landfläche überschritten wurde. Der Landkreis Oldenburg lag mit 177 Kilogramm pro Hektar zusammen mit dem Landkreis Leer (170) allerdings noch am dichtesten an der Grenze der Tolerierbarkeit.

Natürlicher Kreislauf

„Wir hoffen, dass wir demnächst die Grenzwerte einhalten werden“, versicherte Bernhard Wolff, Geschäftsführer des Landvolk-Kreisverbandes Oldenburg, im dk-Gespräch. Um das Problem zu bewältigen, setzt er beispielsweise auf eine effizientere Nutzung der Gülle. „Es gibt 80 Biogasanlagen im Landkreis. Sie gasen das Methan aus der Gülle aus und aus diesem Methan kann Energie gewonnen werden“, sagte er.

Das Beste sei, wenn Betriebe einen natürlichen Kreislauf hätten, das Futter für die Tiere also selbst anbauen und mit der Gülle die Felder düngen. „ Gerade in der Rinderhaltung ist das schon überwiegend der Fall “, sagte Wolff.

Zeit, zum Ausfahren der Gülle, hat sich um zwei bis vier Wochen verkürzt

Jürgen Seeger ist der erste Vorsitzende des geschäftsführenden Vorstands des Landvolk-Kreisverbandes Oldenburg und kommt als Landwirt aus der Praxis. Er hält es für sinnvoll, wenn mehr Lagerraum geschaffen wird, in dem die Gülle im Falle extrem schlechter Witterung ein ganzes Jahr gelagert werden könnte.

Denn die Zeit, in der Gülle auf die Felder ausgebracht werden darf, habe sich verkürzt. „Jetzt darf nicht mehr bis zum 14. November, sondern nur noch bis zum 1. November und mancherorts sogar nur noch bis zum 15. Oktober mit Gülle gedüngt werden“, sagte er. Wie Wolff setzt auch er darauf, weniger Mineraldünger zu nutzen.

Umweltverbände: Situation im Weser-Ems-Gebiet ist drastisch

Die Umweltverbände BUND, Nabu und Greenpeace bezeichnen die Situation im Weser-Ems-Gebiet als „drastisch“. 182705 Tonnen Stickstoff hat die Region Weser-Ems produziert. Das sind mehr als die drei anderen Regionen Niedersachsens Lüneburg (93994 Tonnen), Leine-Weser (40107 Tonnen) und Braunschweig (16257 Tonnen) zusammen.

Innerhalb der Region Weser-Ems lag der Landkreis Cloppenburg mit 219 Kilogramm Stickstoff pro Hektar an der Spitze.

Nitratbelastetes Wasser behindert Sauerstoffaufnahme des Blutes

Die Umweltverbände halten die Landwirtschaft für den Hauptverursacher der Nährstoffüberschüsse. Das bestätigte Wolff, nennt aber auch Industrie und Autoverkehr als Mitverursacher.

Laut Bundesumweltamt kann es vorkommen, dass vor allem Säuglinge, die nitratbelastetes Wasser trinken, krank werden, weil ihr Blut nicht mehr genug Sauerstoff aufnehmen kann.


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