Bauland in Ganderkesee Besorgte Stimmen gegen Baugebiete in Ganderkesee

Von Reiner Haase


Ganderkesee. Die Baulandpolitik der Gemeinde für Schierbrok und Altengraben ruft Kritiker auf den Plan. Insbesondere für Altengraben wird der Verlust ländlicher Strukturen befürchtet.

(UWG) Bevor in den geplanten Neubaugebieten Altengraben und Schierbroker Mühlenweg der erste Grundstein gelegt wird, haben die Verwaltung und die Kommunalpolitiker im Rathaus in Ganderkesee einige harte Nüsse zu knacken. Das ist am Dienstagabend in einer mit rund 70 Personen sehr gut besuchten Bürgerversammlung deutlich geworden.

Schönemoor soll ländlich bleiben

Besonders groß sind die Vorbehalte gegen das Baugebiet Altengraben. „Wir sind Schönemoorer“, scholl es den Planern entgegen. Will heißen: Schönemoor war seit Menschengedenken und ist heute noch ländlich geprägt, und das soll so bleiben.

Gemeinde will Siedlungen arrondieren

Der Gemeinderat hat einen anderen Blick auf das gut einen Hektar große Gebiet: Die Politiker stufen Altengraben als Anhängsel der Siedlungen Schierbroks ein, folglich geeignet, die große Nachfrage nach Bauland in der Gemeinde zu befriedigen. Thomas Aufleger, Planungsbüro NWP Oldenburg, wies in der baurechtlich vorgeschriebenen „frühzeitigen Bürgerbeteiligung“ zum Informations- und Meinungsaustausch darauf hin, dass die Straße Altengraben einseitig bebaut ist und ein Wohnhaus schon im Plangebiet steht.

Konflikt mit Denkmalschutz

Genau dieses Haus nährt bei Anwohnern die Skepsis gegenüber einer Erweiterung der Siedlungsfläche an dieser Stelle. Das denkmalgeschützte ehemalige Bauernhaus mit Reetdach füge sich in eine ländliche Umgebung ein und nicht in eine Siedlung mit Neubauten, hieß es. Kritik entzündete sich auch daran, dass am Südrand des Gebietes zwei Mehrfamilienhäuser mit Mietwohnungen geplant sind. Damit komme man der Forderung der Politik nach kleinen und bezahlbaren Wohnungen nach, argumentierte Peter Meyer, der Fachbereichsleiter Gemeindeentwicklung im Rathaus.

Landwirtschaft bedrängt

Bernfried Lüdeke, unmittelbarer Anrainer des Baugebiets, sieht voraus, dass Konflikte zwischen Wohnen und Landwirtschaft heraufbeschworen werden. „Wenn die neuen Nachbarn abends auf der Terrasse Erholung suchen, werden die Kühe im Boxenlaufstall gefüttert. Das ist mit Geruch und Geräusch verbunden“, so Lüdeke. „Der Stall steht nur 30 Meter von der Grenze des Neubaugebiets entfernt“, ergänzte er. Gemeindeentwicklungschef Meyer berief sich auf die vorab eingeholte Aussage der Landwirtschaftskammer, dass diese Nachbarschaft verträglich ist. Auch den Einwand eines Altanwohners der Straße Zum Altengraben, der Parkplatz seines Mieters könne wegfallen, wenn die Straße nach den Bauarbeiten neu hergerichtet wird, ließ Meyer nicht gelten: „Sie können nicht erwarten, dass die Allgemeinheit Ihre Probleme löst. Das müssen Sie mit Ihrem Mieter regeln.“

Mehrfamilienhäuser nah am Wald

„Mit dem Kauf eines Grundstücks erwirbt man nicht das Recht auf freie Sicht auf die Landschaft“, quittierte der Gemeindeentwicklungschef den Einwand eines Anwohners des Schierbroker Mühlenwegs gegen die geplanten 60 Wohneinheiten auf knapp zwei Hektar Ackerland hinter seinem Haus. Auch bei dieser Planung handele es sich nicht um eine Zersiedelung der Landschaft, sondern um die Abrundung vorhandener Bebauung, betonte Franziska Lüders, Plankontor Städtebau Oldenburg. Den geplanten Bau von Mehrfamilienhäusern direkt am kleinen Naherholungsgebiet Föhreneck stufte Ratsherr Carsten Jesußek (UWG) als „überhaupt nicht geeignet“ ein. Mehrere Anwohner befürchten, dass der Mühlenweg übermäßig von Verkehr belastet wird.

Baufortschritte in Rethorn

Ungeachtet planerischen Streits gedeiht inzwischen das Baugebiet am Falterweg in Schierbroks Nachbarort Rethorn. Kein Wunder: Der Plan für 20 Wohneinheiten ist schon über 20 Jahre gültig. Umstritten war er damals auch.