Flüchtlinge in Ganderkesee Deutsch lernen in der Küche und beim Kaffeeklatsch

Meine Nachrichten

Um das Thema Ganderkesee Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Regelmäßig finden in der Oberschule Kochkurse mit Ganderkeseern und Flüchtlingen statt. Das Ziel dabei: Die geflüchteten Menschen sollen auch außerhalb der normalen Sprachkurse schneller Deutsch lernen. Foto: Erich KurzawskiRegelmäßig finden in der Oberschule Kochkurse mit Ganderkeseern und Flüchtlingen statt. Das Ziel dabei: Die geflüchteten Menschen sollen auch außerhalb der normalen Sprachkurse schneller Deutsch lernen. Foto: Erich Kurzawski

Ganderkesee. Der Arbeitskreis Flüchtlinge kümmert sich nach wie vor intensiv um die geflüchteten Menschen, die inzwischen in der Gemeinde Ganderkesee zu Hause sind. Die Devise dabei: Ohne Sprache läuft nichts.

Eigentlich hätte er es gerne, wenn alles zackzack geht. Die Erfahrung der vergangenen Jahre hat aber gezeigt, „dass wir ganz, ganz kleine Schritte machen müssen“. Das hat Erich Kurzawski vom Arbeitskreis Flüchtlinge gegenüber dem dk betont. Gemeinsam mit seiner Frau Monika und rund 60 ehrenamtlichen Helfern kümmert er sich seit vielen Jahren in der Gemeinde Ganderkesee um geflüchtete Menschen. Allerdings ist das mühsamer als zuvor gedacht – „mühsam von beiden“, sagt der Diakon, der aber nicht müde wird, mit dem Arbeitskreis immer wieder Ideen entwickelt, wie die Flüchtlinge noch besser Deutsch lernen können. Neuestes Format: der Kaffeeklatsch, um die ganz normale Alltagssprache sprechen zu können.

Alltagssprache lernen

Der Kaffeeklatsch, gedacht für ausländische und deutsche Frauen – am besten je zur Hälfte –, ist ein zusätzliches Angebot des Arbeitskreises zu den Sprach- und Integrationskursen der regioVHS. Die Frauen treffen sich beispielsweise in Cafés, müssen dabei Kaffee und Kuchen selbst auf Deutsch bestellen und reden über Alltag und Kultur. Oder darüber, wie man Hochzeit feiert, wieso Deutsche so wenige Kinder haben oder was sich hinter den Osterbräuchen verbirgt. Das Ganze weit weg von der Unterrichtsform und ohne Dolmetscher. „Da wird dann solange geredet, bis man sich irgendwie versteht“, sagt Erich Kurzawski: „Das ist auch noch ausbaufähig, wenn noch mehr deutsche Frauen mitmachen würden.“ Wer Lust hat, kann sich unter Telefon (04222) 8357 melden.

Frauenfrühstück etabliert

Darüber hinaus hat sich nach Angaben des Ehepaars das Frauenfrühstück, mal bei deutschen, mal bei ausländischen Frauen, etabliert, um schneller die Sprache zu erlernen. Darüber hinaus gibt es den Spielenachmittag für Männer mit Backgammon bis Schach und inzwischen Kochkurse für Frauen und Männer, in denen die Köche auf Deutsch und möglichst mit allen Fachbegriffen formulieren sollen, was im Einzelnen zubereitet oder gebruzzelt werden soll.

Frauenkurse am Abend

Neu sind die Sprachkurse in Zusammenarbeit mit der regioVHS. „Das Niveau in den Sprachkursen ist sehr unterschiedlich. Und einige kommen einfach nicht so schnell mit“, weiß Erich Kurzawski, der zweimal pro Woche gemeinsam mit seiner Frau und weiteren Ehrenamtlichen einspringt, um Förderunterricht zu geben. Außerdem soll es nach den Osterferien an der Volkshochschule neue Abendkurse für diejenigen Frauen geben, die bisher Probleme wegen der Betreuung ihres Nachwuchses hatten. „So können die Männer dann abends auf die Kinder aufpassen“, erklärt Monika Kurzawski.

Geduld, um ins Arbeitsleben einzusteigen

Sprache ist allerdings nur eine der Voraussetzungen, um ins Berufsleben einsteigen zu können. Die geflüchteten Menschen, die in Lohn und Brot wollen, müssten auch Werte wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Durchhaltevermögen verinnerlichen, wenn sie eine Chance haben wollen, so der Diakon. Hilfestellung, überhaupt einen Betrieb zu finden, gibt inzwischen eine achtköpfige Gruppe im Arbeitskreis, die Firmen besucht und in Erfahrung bringen will, wer einen Flüchtling beschäftigen könnte. Zuvor hatte das Ehepaar Kurzawski Fragebögen an die Flüchtlinge in Ganderkesee geschickt, um herauszufinden, in welchem Beruf sie arbeiten könnten. 80 Bögen kamen zurück. Gemeinsam mit Flüchtlingsberaterin Sandra Baba soll dann im Einzelnen geprüft werden, wer mit welchen Fähigkeiten wo tätig sein und zumindest erst einmal ein Praktikum absolvieren könnte. „Man braucht aber viel Geduld“, weiß Monika Kurzawski. Und ihre Ehemann ergänzt: „Es gibt sehr viel Kleinarbeit. Und es dauert sehr lange, alles so hinzukriegen, dass alle glücklich sind.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN