Brut- und Setzzeit ab 1. April Freilaufflächen für Hunde in Ganderkesee gefordert

Von Thomas Deeken

Brut- und Setzzeit: Ab 1. April müssen Hunde in freier Landschaft wieder an die Leine. Symbolfoto: Sebastian Kahnert/dpaBrut- und Setzzeit: Ab 1. April müssen Hunde in freier Landschaft wieder an die Leine. Symbolfoto: Sebastian Kahnert/dpa

Ganderkesee. Hunde an die Leine heißt es wieder ab 1. April. Bis zum 15. Juli dürfen sie in freier Landschaft nicht mehr unangeleint herumtollen. Weil das aber den natürlichen Bewegungsdrang von Hunden einschränkt, fordert die CDU-Fraktionsvorsitzende Cindy Klüner Freilaufflächen für die Kernorte Ganderkesee und Bookholzberg. SPD, FDP und Grüne sehen das skeptisch.

CDU-Fraktionschefin Cindy Klüner hat vor der am 1. April startenden Brut-, Setz- und Aufzuchtzeit kurzfristig für Hund und Herrchen in der Gemeinde Ganderkesee Hundefreilaufflächen beantragt. Das geht aus einem Schreiben an Bürgermeisterin Alice Gerken hervor. Die Fraktionsvorsitzende hofft auf freie Flächen in den Kernorten Ganderkesee und Bookholzberg, in der Hunde auch ohne Leine herumtollen können. Die Fraktionsvorsitzenden von SPD, FDP und Grünen sind eher skeptisch, wie eine dk-Nachfrage ergab.

Gegen natürlichen Bewegungsdrang

Vom 1. bis zum 15. Juli dürfen Hunde in freier Landschaft nur angeleint geführt werden, um wild lebende Tiere und deren Nachwuchs vor dem Jagdtrieb von Schäferhund und Co. zu schützen. „Dadurch wird aber die Möglichkeit der artgemäßen Bewegung der Tiere eingeschränkt“, meint Klüner. Freilaufflächen könnten ohne großen Aufwand gekennzeichnet werden. Dafür gebe es sehr viele Beispiele aus anderen Gemeinden und Städten wie zum Beispiel Delmenhorst, Hamburg und Hannover.

Auch Schutz der Hundehalter

Der CDU-Ratsfrau geht es in ihrem Antrag allerdings nicht nur um den natürlichen Bewegungsdrang der Vierbeiner, sondern auch um den Schutz des Hundehalters. Schließlich müsse er mit einem empfindlichen Bußgeld rechnen, falls er sich nicht an die Leinenpflicht hält und erwischt wird.

Geldbußen bis 5000 Euro möglich

Laut „Verordnung zum Schutz der Rückzugsmöglichkeiten des Wildes oder sonstiger wild lebender Tiere“ kann ein Verstoß gegen diese Verordnung mit einer Geldbuße bis zu 5000 Euro geahndet werden. Meistens handele es sich bei den angezeigten Fällen aber eher um Beträge in zwei- bis dreistelliger Größenordnung, weiß Gemeindesprecher Hauke Gruhn.

Brakmann: Plan früher schon verworfen

Für SPD-Fraktionschef Werner Brakmann ist das Thema Freilaufflächen für Hunde nicht neu: „Wir haben den Plan aber wieder verworfen, weil wir keine geeigneten Flächen gefunden haben. Und auch jetzt fallen mir keine Flächen ein.“ Sollte es aber tatsächlich welche geben, hätte er nichts gegen den Vorschlag.

„Extra-Flächen würden nicht angenommen“

Skeptischer ist Dr. Volker Schulz-Berendt, Fraktionschef der Grünen, der selbst zwei Hunde hat. Er glaubt, dass extra ausgewiesene Flächen von Hundebesitzern gar nicht angenommen würden. Sie hätten vielmehr ihre eigenen Spazierwege, die sie weiterhin nutzen würden. Im Übrigen stünden nach seiner Kenntnis nach wie vor keine Flächen zur Verfügung.

„Flächen müssten in Ordnung gehalten werden“

FDP-Fraktionschefin Marion Daniel hat eigenen Angaben zufolge zwar Verständnis für Hundehalter, betont aber auch: „Es müssten Flächen vorhanden sein. Und die müssten auch in Ordnung gehalten werden.“ Solange das nicht gegeben sei, sehe sie den Antrag mit großer Skepsis.

Ganzjähriger Leinenzwang

In einigen Teilen der Gemeinde gilt der Leinenzwang übrigens auch über die Brut- und Setzzeit hinaus. Dazu gehört der Hasbruch, der Bürsteler Fuhrenkamp, das Stenumer Holz, die Gebiete „Großer Mittelhoop“ und „Kleiner Mittelhoop“, das Hohenbökener Moor nördlich des Hohenbökener Sees bis zur B 212 sowie das Marschgebiet Sannauer Helmer/ Ochsenweide.

Wer Kot seiner Hunde nicht beseitigt, handelt ordnungswidrig

Und noch ein Hinweis, so Meike Saalfeld von der Gemeindeverwaltung: Wer von seinem Hund hinterlassenen Kot nicht beseitigt, handelt genauso wie Hundehalter, die ihre Vierbeiner nicht an der Leine führen, ordnungswidrig. Auch dieser Verstoß kann mit einer Geldbuße geahndet werden. Das gilt allerdings für ganze Jahr.


Auch Katzen können Jagdinstinkt entwickeln. „Sie sind sogar noch viel schlimmer als Hunde und können große Nesträuber sein“, sagt Jan-Bernd Meyerhoz, Leiter des Hegerings Ganderkesee. Eine gesetzliche Regelung wie bei der Leinenpflicht für Hunde gibt es für sie allerdings nicht. Deshalb Meierholz΄ Appell: Diejenigen, die eine Katze haben, sollten darüber nachdenken, was sie in der freien Natur so anstellen könnte, und das Tier daraufhin möglicherweise länger im Haus behalten. Schließlich soll es gar nicht erst dazu kommen, dass Katzen, die 300 Meter entfernt vom nächsten Haus herumwildern, vom Jäger abgeschossen werden – was laut Jagdgesetz durchaus erlaubt ist.