Nils Loenicker vor 90 Gästen Schrulliger Bauer Hader macht in Ganderkesee Wahlkampf

Von Dirk Hamm

„Rette mich, wer kann“: Bauer Hader (Nils Loenicker) hat große Pläne. Foto: Melanie Hohmann„Rette mich, wer kann“: Bauer Hader (Nils Loenicker) hat große Pläne. Foto: Melanie Hohmann

Ganderkesee. Die Politiker bekamen ihr Fett ebenso weg wie Ehefrau Hertha: Kabarettist Nils Loenicker alias Bauer Hader kam bei seinem Gastspiel in Ganderkesee bestens an.

Kaum ist die neue Bundesregierung im Amt, da gibt es schon wieder Wahlen. Zumindest ganz weit im Norden hinter dem Deich, im Kreis Hanebüchen. Dort stellt Familie Hader im gleichnamigen Dorf in x-ter Generation den Bürgermeister. Jetzt will Bauer Hader in den Kreistag. Ein schwieriges Unterfangen, wenn sich der Kandidat nicht zwischen den Slogans „Rette mich, wer kann“ und „Nicht länger quälen, Hader wählen“ entscheiden kann und als Devise „Das Ziel ist im Weg“ nennt.

Alter Ego mit „Bauer sucht Frau“-Charme

Hader und Hanebüchen sind natürlich nur fiktive Schauplätze. Die Rolle des schrulligen Nordlichts in grüner Jacke, kariertem Hemd und Gummistiefeln hat der Kabarettist und Theaterleiter Nils Loenicker kreiert. Am Donnerstagabend eröffnete der Hamburger mit seinem Gastspiel in der Mensa der Oberschule Am Steinacker die vierteilige Frühjahrs-Kabarett-Reihe der regio-VHS.

Eine kleine Veränderung registrierten die Zuschauer schon vor Beginn der Vorstellung wohlwollend: Die Stühle waren mit neuen, weichen Kissen ausgestattet. Aus bequemer Sitzposition ließen sich die knapp 90 Besucher auf einen vergnüglichen Kabarettabend mit Loenickers Programm „Nu is Sense!“ ein. Hörbar kitzelte sein Alter Ego mit dem „Bauer sucht Frau“-Charme besonders das Zwerchfell des weiblichen Teils des Publikums.

Kabarettist teilt kräftig aus

Loenicker präsentierte eine Mischung aus politischem Kabarett und skurrilen Betrachtungen des Alltags und der Menschen auf dem platten Land. Dass seine Anmerkungen zur Politik auf aktuellstem Stand sind, bewies er zu Beginn seines Programms. Dabei bekamen die Spitzenleute jeglicher Couleur ihr Fett weg, von der „3er-Knopfleiste“ Angela Merkel bis zu „BDM-Girl“ Alice Weidel. Ganz besonders schoss er sich aber auf die CSU ein, etwa wenn er Neu-Verkehrsminister Andreas Scheuer wahlweise als „Nougatfresse“ und „gegeltes CSU-Zäpfchen“ titulierte und erklärte, dass der Name Söder in Bayern als Synonym für Laubsägearbeiten am hinteren Stuhlbein stehe.

Beziehungsstress mit Trennkost

Da fühle er sich auf der heimischen Scholle doch viel wohler, meinte Bauer Hader. Dabei muss er sich zu Hause mit seiner Frau Hertha rumplagen, oder wie er sie liebevoll nennt: Hertha BSE. Wenn er es sich mal wieder mit ihr verdorben hat, etwa weil er ihr drei Wochen alte Blumen zum Geburtstag schenkt – da waren die schließlich für 1,99 Euro im Sonderangebot –, dann gibt es daheim wieder einmal Trennkost: Sie isst in der Küche, er im Wohnzimmer vor dem Fernseher.

Am Ende erfuhren die Zuschauer auch, wie die Kreistagswahl in Hanebüchen ausgegangen ist. Wie nicht anders zu erwarten, Bauer Hader hat es nicht geschafft. Nur eine einzige Stimme konnte er ergattern – seine eigene. Dafür waren Nils Loenicker die Sympathien des Ganderkeseer Publikums an diesem Abend sicher.