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An der Haustür überrumpelt Seniorin in Ganderkesee von „Dachhaien“ abgezockt

Von Thomas Deeken

Vorsicht vor Geschäften an der Haustür: In Ganderkesee ist jetzt eine Seniorin von zwei Männern überrumpelt worden, die unangekündigt das Dach des Hauses der Frau reparieren wollten. Symbolfoto: imago stock&peopleVorsicht vor Geschäften an der Haustür: In Ganderkesee ist jetzt eine Seniorin von zwei Männern überrumpelt worden, die unangekündigt das Dach des Hauses der Frau reparieren wollten. Symbolfoto: imago stock&people

Ganderkesee. In Ganderkesee sind derzeit „Dachhaie“ unterwegs. Sie haben eine 93-Jährige an der Haustür für eine angebliche Dachreparatur um 300 Euro erleichtert.

In Ganderkesee ist eine Seniorin von bislang unbekannten „Dachhaien“ abgezockt worden. Die beiden unseriösen Handwerker, die offensichtlich versuchen, ahnungslosen Hausbesitzern unnötige Dachreparaturen aufzuschwatzen und dafür horrende Summen zu verlangen, hatten mit ihrer Masche bei der 93-jährigen Frau am Brookdamm Erfolg. Sie sei völlig überrumpelt und bedrängt worden und habe 300 Euro bezahlt, sagt Tochter Elida Himmelskamp, die erst Stunden später von dem Vorfall erfahren hatte und bislang nicht feststellen konnte, ob auf dem Dach überhaupt etwas repariert worden ist.

Zunächst 1000 Euro gefordert

Nach Angaben der Tochter tauchten am Donnerstag, 15. März, gegen 13 Uhr zwei Männer unangekündigt bei der allein lebenden Seniorin auf und behaupteten, das Dach ihres Bungalows wäre nicht in Ordnung und der Schornstein defekt. Während einer der beiden Männer mit der Frau verhandelte und zunächst 1000 Euro für die Reparaturdienste verlangte, kletterte der zweite bereits aufs Dach. Weil die 93-Jährige allerdings keine 1000 Euro hatte, nahm der Mann die 300 Euro, die noch im Hause waren, und fuhr mit seinem Kollegen bereits nach einer halben Stunde wieder davon.

Heller Transporter aus Vechta

„Als ich gegen 17 Uhr zu meiner Mutter kam, merkte ich schon, wie bedrückt sie war“, sagt Elida Himmelskamp, die nur wenige Kilometer entfernt wohnt und ihre Mutter regelmäßig besucht. Die 93-Jährige erzählte von dem Vorfall, konnte sich darüber hinaus aber nur noch an einen hellen Transporter ohne Firmenlogo mit Vechtaer Kennzeichen erinnern – „und dass die beiden Männer wohl nur gebrochen Deutsch gesprochen haben“, so die Tochter, die den Betrug sofort bei der Polizei meldete und jetzt auf Zeugen hofft, denen möglicherweise mehr aufgefallen ist. Vielleicht das komplette Nummernschild des Wagens? Oder wie die Männer aussahen? „Möglicherweise hat es ähnliche Vorfälle auch anderswo gegeben. Und die Menschen trauen sich nicht, sie bei der Polizei anzuzeigen“, spekuliert Elida Himmelskamp. Sie habe beispielsweise von Bekannten gehört, dass ebenfalls ein heller Transporter aus Vechta im Bereich Hohenheider Weg in Bookholzberg gesichtet worden sei.

Zum zweiten Mal Betrugsopfer

Die 93-Jährige ist nach Angaben ihrer Tochter nicht zum ersten Mal Opfer von Betrügern geworden. So waren am 17. Juni 2017 drei Männer mit einem Bremer Fahrzeug vorgefahren, für deren handwerkliche Dienste sie ebenfalls 1000 Euro hätte zahlen sollen. Allerdings war es der Frau damals gelungen, sofort ihre Tochter zu informieren, die kurz darauf die Polizei herbeiholte. Die Beamten machten daraufhin dem Trio einen dicken Strich durch die Rechnung.

Polizei rät: Skeptisch sein

Polizeisprecherin Merle Behle rät, unangekündigten Handwerkern gegenüber von vornherein skeptisch zu sein. Es sollten auch keine Auftragsbestätigungen an der Tür unterschrieben werden. Um sicherzugehen, sollte ein Kostenvoranschlag eingefordert werden. Zum Vergleich sei im besten Fall ein weiteres Angebot eines ortsansässigen Dachdeckerbetriebes einzuholen. „Man sollte sich auch nicht von angeblichen Sonderangeboten um den Finger wickeln lassen. Und es sollte nie im Voraus gezahlt werden“, sagt die Polizeisprecherin.

Niemand ins Haus lassen

Zu raten sei auch, nicht bestellte Handwerker nicht pauschal ins Haus beziehungsweise nicht unbeaufsichtigt im Haus zu lassen. „Und wenn die Möglichkeit besteht, sollte eine zweite Person als unabhängiger Zeuge hinzugezogen werden“, so Merle Behle. Für den Fall der Überrumpelung an der Haustür – wie bei der Ganderkeseerin – sollte man sich beispielsweise unter Telefon (04221) 15590 oder (04222) 94460 mit der Polizei in Delmenhorst beziehungsweise Ganderkesee in Verbindung setzen. „Eine genaue Personenbeschreibung der ,Handwerker‘, Kennzeichen von möglicherweise genutzten Fahrzeugen sowie Informationen zur Firma sind wichtige Informationen für die weiteren Ermittlungen“, erläutert die Pressesprecherin, die allerdings auch davor warnt, in jedem Handwerker einen Betrüger zu sehen.