Neuer Weg in Bürstel eingeschlagen Landwirt gründet eigene Molkerei gegen Marktdruck

Von Bettina Dogs-Prößler

Mit einer hofeigenen Molkerei setzt Henning Fortmann noch stärker auf Direktvermarktung. Künftig will er seine Frischmilch direkt bis an die Haustür liefern. Foto: Bettina Dogs-PrößlerMit einer hofeigenen Molkerei setzt Henning Fortmann noch stärker auf Direktvermarktung. Künftig will er seine Frischmilch direkt bis an die Haustür liefern. Foto: Bettina Dogs-Prößler

Ganderkesee-Bürstel. Vor allem junge Landwirte wollen die alten Pfade verlassen, um am Markt mitzuhalten. Henning Fortmann (25) setzt dabei auf einen Lieferservice, der frische Milch direkt nach Hause bringt.

Die Gemeinde Ganderkesee ist geprägt von der Landwirtschaft. Doch seit Jahren schaffen es immer weniger Betriebe, sich am Markt zu behaupten und geben auf.

Vor allem kleine und mittlere Höfe sind es, die von den Großen an die Wand gedrückt werden, weil sie inzwischen gegen die ganze Welt konkurrieren müssen. Wer heute als Landwirt überleben will, muss wachsen. Oder neue Wege gehen.

Fortmann wurde für verrückt erklärt

Henning Fortmann will neue Wege gehen. Vor drei Jahren hat der 25-Jährige wieder Milchvieh angeschafft, weil ihm die Arbeit mit Kühen so viel Spaß macht. Mitten in der dritten Milchkrise.

„Viele haben mich da für verrückt erklärt“, sagt der Bürsteler. Klar war: Auf Masse kann Fortmann nicht setzen, für mehr als 60 Kühe reicht der Platz nicht. Trotzdem hat der 25-Jährige den Schritt gewagt und den Stall wieder mit Leben gefüllt. Denn Henning Fortmann setzt auf „Regional“.

Fortmann verkauft seine Milch selbst

„Wachstum muss sein, die Frage ist nur, in welche Richtung“, sagt der Junglandwirt. Und weil es mit 50, 60 Kühen nicht gut gehen kann, nur die Molkereien zu beliefern, verkauft er seine Milch lieber selbst.

Milchtankstelle war nur der Anfang

Die Milchtankstelle, die 2016 am Hof eingerichtet wurde und sieben Tage die Woche geöffnet ist, war nur der Anfang. Seit Herbst letzten Jahres beliefert Fortmann zwei Supermärkte und eine Schlachterei mit Frischmilch.

Aufbereitet – für den Verkauf muss die Rohmilch zwölf Sekunden lang auf 72 Grad erhitzt werden – wird sie in der hofeigenen Molkerei. Weitere Supermärkte sollen folgen, dazu Hofläden und andere Anbieter regionaler Lebensmittel. „Der Trend“, ist sich Henning Fortmann sicher, „geht immer mehr in diese Richtung.“

Demnächst auch Milchprodukte im Angebot

Mit der eigenen Molkerei soll die Direktvermarktung vom Hof Fortmann jetzt an Fahrt aufnehmen. Neben Milch will der Jungbauer künftig auch Quark, Joghurt und Frischkäse selbst herstellen – zum Teil für den Verkauf, zum Teil zur Weiterverarbeitung im hofansässigen Melkhus. Dafür will er sich auch im Vertrieb auf neue Wege wagen, um den schwankenden Milchpreisen zu entgehen und kein Geld an Zwischenhändler verlieren.

In den kommenden Wochen will er erstmals frische Milch vom Hof direkt bis an die Haustür liefern. Für 1,20 Euro den Liter, Lieferservice inklusive. Wird ein Abo gebucht, reduziert sich der Preis auf 1,15 Euro. Leere Flaschen werden abgeholt, gereinigt, wiederverwertet. „Vorerst konzentrieren wir uns mit dem Lieferservice auf den Raum Ganderkesee und Wildeshausen“, schildert Fortmann. Weitere Bereiche entscheiden sich über die Nachfrage. Fortmann ist sich sicher: „Immer mehr Verbraucher wollen wissen, woher die Lebensmittel kommen. Und so können sie es bis in den Stall nachvollziehen.“

Artgerechte Tierhaltung

In dem will der 25-Jährige auch eine artgerechte Tierhaltung praktizieren. Eine Kuhhaltung nur im Stall, ist für den 25-Jährigen nicht vorstellbar. „Nur im Winter sind die Kühe bei uns drin. Den Rest des Jahres sind sie draußen auf der Weide.“

Nur wenig Arbeiten überlässt er der modernen Technik. Um nicht den Kontakt zu den Tieren zu verlieren. „Wenn alles nur noch von Robotern erledigt wird, leidet in meinen Augen die Beziehung zur Kuh“, so der Junglandwirt. Und das erschwere nicht nur den Umgang mit dem 600-Kilo-Tier. Das schlage sich auch in der Milchqualität nieder.