Leitung Ganderkesee-Sankt Hülfe Stromtrasse verändert Ganderkeseer Landschaftsbild

Von Reiner Haase

Der Bau von Hochspannungsleitungen verändert die Landschaft. Symbolfoto: Uwe Zucchi/dpaDer Bau von Hochspannungsleitungen verändert die Landschaft. Symbolfoto: Uwe Zucchi/dpa

Ganderkesee. Die Höchstspannungsleitung Ganderkesee-Sankt Hülfe verändert das Landschaftsbild auch in Erdkabelabschnitten. In Wäldern bleiben Schneisen zurück.

Bereits zwei Jahre vor dem geplanten Baubeginn für die Höchstspannungsleitung Ganderkesee-Sankt Hülfe hat Stromversorger Tennet aufs Ökokonto eingezahlt: „Tennet hat Waldränder und Wälder ökologisch aufwerten lassen. Landwirtschaftliche Flächen werden jetzt extensiv bewirtschaftet. Das summiert sich auf zehn Hektar“, berichtet Günter Westermann.

Zerteilte Flächen und Schneisen

Der CDU-Kommunalpolitiker aus der Bauerschaft Meierhafe in Ganderkesee bewirtschaftet und verpachtet von der Stromtrasse berührte Flächen. Westermann sagt unübersehbare Eingriffe in das Landschaftsbild voraus. „25 Meter breite Schutzstreifen über den Erdkabeln werden Flächen zerschneiden. Wälder werden auf Dauer Schneisen bekommen“, so Westermann.

Als Eigentümer für Masten

Im Bereich der Gemeinde Ganderkesee sind mehr als drei Kilometer Erdkabel vom Umspannwerk am Schlutterweg bis jenseits der Landwehr, eine Überlandleitung im Bereich Strudthafe und noch einmal mehr als zwei Kilometer Erdkabel bis zur südlichen Gemeindegrenze geplant. „Mir wäre als Grundstückseigentümer eine durchgängige Überlandleitung am liebsten gewesen. Ein paar Fundamente für die Strommasten hätten das Bewirtschaften kaum erschwert“, sagt Westermann.

Baustelle 50 Meter breit

Stattdessen wird voraussichtlich ab der zweiten Jahreshälfte 2019 reichlich Erdreich bewegt: Links und rechts einer Baustraße für den Bagger werden Gräben ausgehoben, in der jeweils drei dicke Erdkabel verlegt werden. Jenseits der Gräben werden nebeneinander der Mutterboden und der sonstige Aushub gelagert, sodass die langgezogene Baustelle rund 50 Meter breit wird. „Die Mutterbodenschicht wird hinterher genauso dick sein wie vorher“, sagt Tennet-Projektleiterin Mascha Braun voraus.

Nie mehr Bodenfrost?

Die Erdkabel werden laut Braun in 1,80 Metern Tiefe in Sand gelagert, um thermische Auswirkungen auf den Boden an der Oberfläche auszuschließen. Landwirt Westermann schenkt dieser Aussage keinen Glauben: „Über den Erdkabeln wird es keinen Bodenfrost mehr geben. Im Scherz habe ich schon gesagt, dass der Schutzstreifen ideal wird für den Spargelanbau.“

Streit über Entschädigung

Vor Detailplanungen müssen Tennet-Mitarbeiter auf die betroffenen Grundstücke, um die Bodenbeschaffenheit – insbesondere für die Gründung der bis zu 60 Meter hohen Masten im Freileitungsabschnitt – zu erkunden. Westermann hat schon erlaubt, seine Grundstücke dafür zu betreten. Es gebe aber Eigentümer, die auf das Schreiben nicht regiert hätten. Westermann verweist auf den Streit um die Entschädigung: Tennet will einmalig zahlen, wie bisher üblich. Eigentümer und mit ihnen der Landvolkverband halten das für nicht angemessen und fordern Pachtzahlungen auf Dauer. „Das muss auf Bundesebene geklärt werden“, sagt Westermann.

„Lieber Überlandleitung als AKW“

Allen Detailproblemen zum Trotz begrüßt Westermann das Tennet-Projekt. „Wir brauchen immer mehr Strom. Mir ist die Überlandleitung lieber als ein Atomkraftwerk vor der Tür“, stellt er klar.