7. Pilotenabend Ehemaliger Astronaut Reiter spricht in Ganderkesee

Von Alexandra Wolff

Thomas Reiter hat ein halbes Jahr lang auf der Internationalen Raumstation (ISS) gelebt und gearbeitet. Foto: Alexandra WolffThomas Reiter hat ein halbes Jahr lang auf der Internationalen Raumstation (ISS) gelebt und gearbeitet. Foto: Alexandra Wolff

Ganderkesee. Der ehemalige Astronaut Dr. Thomas Reiter war am Freitag am Flugplatz in Ganderkesee. Dort sprach er vor fast 80 Piloten zum Thema „Aktuelle Höhepunkte und Perspektiven der astronautischen und robotischen Raumfahrt in Europa“.

Der ehemalige Astronaut Thomas Reiter hat in Ganderkesee den Nutzen der Raumfahrt auch für die hiesige Landschaft hervorgehoben. Reiter sagte am Freitag vor 80 Teilnehmern beim 7. Pilotenabend auf dem Ganderkeseer Flugplatz, dass sogar Vorhersagen für Ernteerträge möglich seien.

Reiter war der erste deutsche Raumfahrer, der Langzeiteinsätze auf Raumstationen absolvierte. Jeweils sechs Monate war er auf der MIR und auf der ISS. Und am Freitag war er Gast beim siebten Gandekerseer Pilotenabend. „Die Nähe zur Fliegerei ist bei Thomas Reiter natürlich gegeben“, sagte Jochen Klein vom Flugplatz Ganderkesee, der seit eineinhalb Jahren versucht hatte, Reiter für seinen Pilotenabend zu gewinnen. Denn Reiter ist nicht nur Astronaut, sondern auch Diplom-Testpilot erster Klasse und gefragter Referent bei Schulen, Universitäten und Fachkongressen. Er verpflichtete sich bei der Luftwaffe und besuchte eine bayerische Offiziersschule. Nach seiner Ausbildung zum Jetpiloten auf der Sheppard Air Force Base in Texas wurde er zum Jagdbombergeschwader 43 auf dem Fliegerhorst Oldenburg versetzt. Dort flog er das Kampfflugzeug Alpha Jet und war später Staffelkapitän. Zurzeit lebt er in Rastede.

Der Nutzen der Raumfahrt

In seinem Vortrag verdeutlichte der 59-Jährige den Nutzen der Raumfahrt: Der Aktivitätsbereich Navigation der europäischen Weltraumorganisation ESA erforsche beispielsweise Satellitennavigation. Die Wettersatelliten der ESA könnten nicht nur das Wetter vorhersagen, sondern auch Klimaveränderungen aufzeichnen. „Das geht so genau, dass Landwirte erfahren, wo sie ihren Boden düngen müssen und Vorhersagen zu ihren Ernteerträgen erhalten“, sagte Reiter.

„Dank der Weltraumforschung wurde beispielsweise auch ein Plasma entdeckt, mit dem sich OP-Personal schneller desinfizieren kann und auch Wunden können damit behandelt werden“, berichtete der ehemalige Astronaut.

In der Schwerelosigkeit hat Reiter auch mit Pflanzen geforscht: „Wir wollen die biochemischen Prozesse beim Wachstum von Pflanzen besser verstehen“, erläutert Reiter eines seiner Bilder, die er an eine Leinwand gebeamt hat.

Bequemlichkeit der Raumanzüge

Reiter plauderte auch ein wenig aus dem Nähkästchen: dass amerikanische Raumanzüge „ergonomisch angenehmer“ seien als russische, dafür aber schwerer zu warten, er zeigte einen kurzen Film, in dem man das Cockpit und ein Labor von innen sieht und berichtete auch von dem „fantastischen Ausblick“, während er „mit 28.000 Stundenkilometern über die Kontinente“ schwebte. Fotos von Polarlichtern über Labrador, einem Hurrikan über Afrikas Westküste und eine Aufnahme von fast ganz Europa von der Adria bis Portugal waren dabei.

Neunjähriger unter den Zuhörern

Zum Schluss stellte er sich den Fragen der gut 80 Zuhörer. „Wie fühlt es sich an, in der Schwerelosigkeit zu sein?“, wollte der wohl mit Abstand jüngste Zuhörer wissen. Nathanael ist neun Jahre alt und seine Tante, eine Pilotin, hat den kleinen Star-Wars-Fan zu dem Vortrag mitgenommen. „Toll“, ging der Wissenschaftler auf den Jungen ein. „Stell dir vor, du kannst dich mit der Fingerspitze vom Tisch hier abstoßen, bis zur Decke schweben und dabei noch Überschläge machen.“