Equal Pay Day „Gehalt ist kein Tabu mehr“

Von Alexandra Wolff

Gleiche Aufgabe – unterschiedliche Vergütung. Der Equal Pay Day macht darauf aufmerksam, dass Frauen weniger verdienen als Männer. Foto: Andrea Warnecke/dpaGleiche Aufgabe – unterschiedliche Vergütung. Der Equal Pay Day macht darauf aufmerksam, dass Frauen weniger verdienen als Männer. Foto: Andrea Warnecke/dpa

Ganderkesee. Ab Sonntag bekommen auch Frauen Geld für ihre Arbeit. Denn am 18. März sind 21 Prozent des Jahres vergangen und Frauen bekommen im Schnitt 21 Prozent weniger Gehalt als Männer. Um das zu ändern, müssen sich Rollenbilder und Partnerschaftskonzepte ändern, sagt die Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Ganderkesee Katrin Gaida-Hespe im dk-Interview.

Der Equal-Pay-Day fällt seit Jahren auf den 18. März, verschiebt sich höchstens mal um einen Tag. Das bedeutet, dass sich in Sachen Lohngleichheit nicht viel getan hat. Was können Frauen tun, um sich dagegen zu wehren?

Es wird der Durchschnittsbruttolohn beider Geschlechter verglichen. Da kommt natürlich zuerst der Gedanke, dass Äpfel mit Birnen verglichen werden, denn der Mann arbeitet häufiger Vollzeit und in anderen Branchen als die Frau. Die Anzahl der arbeitenden Frauen steigt und liegt bei ungefähr 70 Prozent. Ungefähr die Hälfte dieser Frauen arbeitet in Teilzeit. Bei Frauen spielt die Vereinbarkeit von Job und Familie bei Berufswahl und Arbeitszeit eine große Rolle. Um das zu ändern, müssen sich Rollenbilder und Partnerschaftskonzepte ändern. Da sehe ich viel Potenzial und Möglichkeiten für die Gleichstellungsarbeit.

Und wie ist die Situation, wenn man die Bezahlung einer Frau und eines Mannes mit vergleichbarer Qualifikation, Stundenumfang und Tätigkeit miteinander vergleicht?

Wenn wir die sogenannte bereinigte Entgeltlücke betrachten, liegt der Lohnunterschied bei ungefähr sechs Prozent. Diesen Unterschied zu erklären, fällt mir schwerer. Treten Männer bei Gehaltsverhandlungen anders auf? Werden Elternzeiten negativ eingerechnet? Ich rate, das Auskunftsrecht, das seit diesem Jahr in Kraft getreten ist, in Anspruch zu nehmen. Gehalt ist kein Tabuthema mehr.

Dass Frauen heutzutage auch in anderen Bereichen des Berufslebens diskriminiert werden, zeigen beispielsweise Hashtags wie #metoo oder #aufschrei. Für wie sinnvoll halten Sie solche Kampagnen?

Nur wenn in der Öffentlichkeit und Politik über Gleichstellung gesprochen und gehandelt wird, kann Chancengleichheit zur Selbstverständlichkeit werden.

Welche weiteren Beispiele haben Sie in ihrer bisherigen Arbeit als Gleichstellungsbeauftragte erfahren, in denen deutlich wird, dass Frauen tatsächlich immer noch diskriminiert werden?

In Sachen Gleichstellung ist in den letzten Jahren glücklicherweise sehr viel passiert. Bis zur Geburt des ersten Kindes oder dem ersten Pflegefall in der Familie ist auch vieles gleich. Dann sind es aber oft Frauen, die bei der Vereinbarkeit von Job und Familie die Hauptrolle spielen. Sie entscheiden sich für Auszeiten, verringerte Arbeitszeiten oder Berufe, die sich gut mit der Familiensituation vereinbaren lassen. Viele schieben Themen wie Altersversorgung und Absicherung im Trennungsfall vor sich her.

In welchen Zusammenhängen werden Männer diskriminiert?

Immer mehr Männer wollen neben ihrem Beruf aktiv am Familienleben teilhaben. Aufgrund traditioneller Rollenbilder wird es ihnen aber nicht leicht gemacht. Noch gehen zu wenig Männer in Elternzeit, arbeiten in Teilzeit oder entscheiden sich für Berufe in Pflege oder Erziehung.


Zur Person: Katrin Gaida-Hespe(42) arbeitet seit dem 1. Januar als Gleichstellungsbeauftragte bei der Gemeinde Ganderkesee. Davor war sie als Qualitätsmanagerin bei der regioVHS tätig. Gaida-Hespe ist verheiratet und Mutter zweier Kinder.