Von hinten zugestochen Vier Jahre Haft für Messerstecherei in Ahlhorn

Von Ole Rosenbohm

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Zwei Jahre nach einer Messerstecherei mit zwei Verletzten hat das Landgericht Oldenburg jetzt den Täter zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Symbolfoto: Daniel Reinhardt/dpaZwei Jahre nach einer Messerstecherei mit zwei Verletzten hat das Landgericht Oldenburg jetzt den Täter zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Symbolfoto: Daniel Reinhardt/dpa

Oldenburg. Zwei Jahre nach einer Messerstecherei mit zwei Verletzten hat das Landgericht Oldenburg jetzt den Täter zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte war nach der Tat geflohen und wurde später in den Niederlanden festgenommen.

Verurteilt wurde der Mann letztlich wegen gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen.

Der Vorfall im von hauptsächlich osteuropäischen Saison- oder Leiharbeitern bewohnten „Wohnpark Ahlhorn“ ereignete sich mitten in der Nacht.

Täter „vermindert schuldfähig“

Das Gericht zeigte sich überzeugt, dass der 27 Jahre alte Mann aus Rumänien – angetrunken und offenbar durch häufigen Konsum des Cannabis-Ersatzprodukts „Spice“ verwirrt und daher im Urteil als „vermindert schuldfähig“ eingestuft – ohne Vorwarnung das Messer zückte und zunächst auf eines der Opfer von hinten einstach, dann auf den anderen Mann. Die Opfer sind ebenfalls Rumänen und waren damals in Schlachtereien tätig. Bei ihnen wurden sechs und drei Schnitte oder Stiche behandelt.

Narbe vom Nacken bis zum Kinn

Zwar war keiner der Stiche lebensgefährlich, doch nur wenige Zentimeter weiter oder tiefer hätten Arterien oder Lungenflügel getroffen werden können. Bei einem Opfer wird eine Narbe vom Nacken bis zum Kinn lebenslang sichtbar bleiben. Weil die Opfer sich aufrecht vom Tatort entfernten und der Täter dann nicht weiter zustach, rückte das Gericht vom Anklagevorwurf des versuchten Totschlags ab.

Gründe für die Tat bleiben in Dunkeln

Die Gründe für die Tat blieben in den vier Prozesstagen im Dunkeln. Der Angeklagte selbst hatte eine andere Version des Vorfalls geschildert.

Allerdings stützte kein Zeuge und kein anderer Beweis seine Aussage, die Opfer hätten zuerst angegriffen und auch das Messer gezogen, das er ihnen im Gerangel wieder abnehmen konnte. Als sicher gilt aber, dass der 27-Jährige nach der Tat von mehreren anderen Bewohnern – er selber sprach von 15 – verprügelt worden war.

Ohne ganz von seiner Darstellung zurückzutreten, nahm der Angeklagte gegen Ende des Verfahrens mehrfach die Verantwortung für die Verletzungen auf sich und formulierte Entschuldigungen.

Täter bereits im Ausland straffällig

Während sein Verteidiger wegen der unklaren Umstände und auch wegen der späteren Prügel für eine Haftstrafe von zweieinhalb Jahren plädierte, näherte sich das Gericht der Forderung der Staatsanwaltschaft auf viereinhalb Jahre. Verschärfend wirkte etwa, dass der 27-Jährige auch im Ausland straffällig geworden war, einmal in Italien ebenfalls wegen Körperverletzung mit „entstellender Wirkung“, wie es hieß. Die vier Jahre, sagte der Richter, seien unbedingt erforderlich, um das Unrecht der Tat zu ahnden.


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