Zum 80. Geburtstag Hespos feiert den Unruhezustand in Ganderkesee

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Der zeitgenössische Komponist Hans-Joachim Hespos kurz vor seinem 80. Geburtstag in seinem Arbeitszimmer in Ganderkesee. Foto: Mareike BaderDer zeitgenössische Komponist Hans-Joachim Hespos kurz vor seinem 80. Geburtstag in seinem Arbeitszimmer in Ganderkesee. Foto: Mareike Bader

Ganderkesee. Am 13. März wird Hans-Joachim Hespos 80 Jahre alt. Ausruhen kommt für den angesehenen Komponist zeitgenössischer Musik nicht in Frage. Dafür hat er das Kind in sich erhalten.

„Hespos war zehn Jahre lang ein Schimpfname in der Szene“, erzählt Hans-Joachim Hespos. Selbstbewusst kann er sich als einer der Besten seiner Zunft nennen. Am Dienstag, 13. März, wird der zeitgenössische Komponist 80 Jahre alt.

Mit zwölf Jahren bei vielen Streichquartetten mitgespielt

Hans-Joachim Hespos kommt aus einem musikalischen Hause, wo viel Streichquartett gespielt wurde. Mit zwölf spielte er in verschiedenen Quartetten in Emden. „Das ging nachher so weit, dass ich allabendlich Streichquartett spielte“, erzählt Hespos.

Allerdings wurde aus ihm nie ein Profi-Musiker. Die Eltern entschieden, er solle Abitur machen und einen vernünftigen Beruf erlernen. Und so begann Hespos sein Pädagogik-Studium. Durch einen Kunstprofessor begegnete er modernster Kunst, besuchte die zweite Documenta in Kassel. „Da habe ich mich natürlich gefragt, in welcher Zeit leben wir eigentlich?“

Schon in jungen Jahren fertigte Hespos Kompositionen an – Studien, wie er sie nennt, die er allesamt weggeworfen hat. Damals waren seine Werke noch tonal, angelehnt an die Komponisten der Streichquartette wie Ludwig van Beethoven. Durch den Kontakt zur Kunst widmete sich Hespos nun Paul Hindemith, ließ die Tonalität immer mehr hinter sich.

Hespos liebt es mit Publikum und Musikern zu spielen

„Ich liebe es, mit meinem Publikum und den Musikern zu spielen“, sagt der Komponist. Er sei ein eifriger und unruhiger Autodidakt, erklärt er. Ein weiteres Instrument hat er nie spielen gelernt. „Ich weiß genau über das Horn, die Harfe oder andere Instrumente Bescheid – besser als der Spieler. Ich muss ihm sagen, wie das geht“. (Weiterlesen: Ganderkeseer Komponist spielt mit Widersprüchen)

20 Jahre lang arbeitete Hespos als Hauptschullehrer. Mit Leidenschaft, wie im Gespräch deutlich wird. Auch hier spielte die Kunst eine Rolle, wenn er mit seinen Schülern Klassenzimmer und Schulflure verschönerte. „Das ist Lebensplatz, und den muss ich so gestalten, dass ich gerne hingehe“, sagt der ehemalige Lehrer. Besonders stolz ist er auf die Gründung der Schule an der Königsberger Straße mit drei Kollegen 1972. Nach zehn Jahren ging der Versuch dann leider zu Ende.

Wissbegierig bis ins Alter

„Ich brauche immer den Kontakt nach draußen. Ich bin sehr daran interessiert, was um mich herum passiert“, sagt Hespos, der gerne bei offenem Fenster arbeitet. Seine Wissbegierigkeit hat er sich bis ins hohe Alter erhalten – egal ob Geistes- oder Naturwissenschaften.

Er sei kein Familienmensch. Seine Familie mit Frau Ute, mit der er seit 56 Jahren verheiratet ist, und den Kindern ist ihm dennoch wichtig. Ebenso sein Umfeld und das gesellschaftliche Miteinander allgemein. „Mit dem Maß an Freiheit muss auch das Maß an Verantwortung anpassen. Sonst taugt die Freiheit nicht. Das ist dann reine Willkür“, betont Hespos.

Hespos ist weit mehr als nur Musik. Die Ideen und das Wissen, das er sammelt, finden sich aber in seiner Musik wieder. „Das ist Gott sei Dank alles immer noch sehr lebendig und unruhig. Und ich arbeite schnell“, sagt er. Sein schnelles Denken konnte zuletzt ein ausgewähltes Publikum bei einer Probe seiner Komposition „Weißschatten“ erleben, das dieses Jahr Uraufführung feiern wird. (Weiterlesen: Hespos Feinarbeit für London in Ganderkesee)

Der „bissgarstige Mann“ redet gerne viel

Nicht jeder kann mit ihm arbeiten, seine Musik ist nicht eingängig melodiös, sondern klingt eigenwillig. „Ich bin ein bissgarstiger Mann“, scherzt Hespos. Dabei kann er auch richtig umgänglich sein: „Lehrer reden gerne viel, das sehen Sie an mir.“ (Weiterlesen: „Kunst muss eine Zumutung sein, sonst ist es keine“)

Zum Geburtstag hat der Komponist allerhand zu tun. „Das hält jung“, sagt der fast 80-Jährige. So fährt er zu zahlreichen Proben für Veranstaltungen in Wien, Köln oder Darmstadt, führt Interviews – unter anderem mit dem WDR, mit dem er seit 20 Jahren nicht mehr gearbeitet hat. Zudem ist ein neues Buch über ihn erschienen.

Konzert ehrt ihn heute

Zu Ehren des Komponisten findet am Dienstag im Lichthof des Ganderkeseer Rathauses ein Sonderkonzert mit dem Titel „hespos überrasch(t)“ ein. Beginn ist um 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Beim Konzert wird in erster Linier Musik von Hespos, aber auch von anderen Künstlern zu hören sein. Als Musiker wirken Stefan Lindemann (Klavier), Mitglieder von „oh ton“, die für Kunstmusik der Gegenwart stehen, und weitere Künstler mit. Dazu zählen Eva Pressl (Harfe), Paul Hübner (Euphonium), Steffen Ahrens (Gitarre), Dörte Nienstedt (Blockflöte) und Anne Horstmann (Querflöte). Darüber hinaus beteiligen sich Schüler der 10d und des Musikprofils des Ganderkeseer Gymnasiums.


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