„Zum Sonnenstein“ zieht um Harpstedter Disco wird Museumsstück

Von Alexandra Wolff

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Genau so soll der „Stein“ in Cloppenburg auch wieder aussehen. Foto: Eva GeißGenau so soll der „Stein“ in Cloppenburg auch wieder aussehen. Foto: Eva Geiß

Harpstedt/Cloppenburg. Die Kirche soll man im Dorf lassen. Von der Disco war nie die Rede. Und weil die Disco „Zum Sonnenstein“ eine der ältesten Landdiskotheken ist, zieht sie gerade von Harpstedt aus in das Museumsdorf Cloppenburg. Dort wird sie ab Sommer 2019 ausgestellt.

Der alte „Stein“ wird zur Zeit abgetragen. Vielleicht nicht gerade Stein für Stein, wie man annehmen mag. Die Fassade wird vielmehr in größtmögliche Teile zerschnitten. Es handelt sich dabei also um eine sogenannte Ganzteiltranslozierung. Noch steht die alte Landdisco „Zum Sonnenstein“ an Ort und Stelle in Harpstedt. Alles beim Alten? Fast, sagt Dr. Uwe Meiners. Er ist der Direktor des Museumsdorfs Cloppenburg. Im Sommer kommenden Jahres soll die komplette Disco zu seinen Exponaten gehören. „Der Abbau läuft programmgemäß. Innen ist sie schon ausgeräumt, bis auf wenige Ausnahmen. Alles, was handwerklich umständlich ist, bauen wir später aus. Und wegen des Gebäudeabbaus warten wir wärmeres Wetter ab.“

Disco mit langer Geschichte

Die Diskothek wird dann Bestandteil des neuen Konzepts „Museumsdorf 2020“. Auf der Geländeerweiterung sollen Gebäude stehen, die den Besuchern die regionale Geschichte der 50er- bis 80er-Jahre näherbringen soll. Besonders exemplarisch ist die Harpstedter Landdisco wegen ihrer langen Geschichte: Aus der ehemaligen Scheune wurde in den 50er-Jahren zunächst ein Ort für sogenannte „Tanzlustbarkeiten“, die zum jährlichen Schützenfest stattfanden.

„In den 60er-Jahren entstand das Gesellschaftshaus ‚Zum Sonnenstein‘, eine Gaststätte mit Saal- und Barbetrieb, in dem regionale Beatbands regelmäßig zum Tanz aufspielten“, ist dem Flyer „Eine Disco kommt ins Museum“ des Freilichtmuseums zu entnehmen. „Mitte der 70er-Jahre wandelte sich das Tanzlokal mit Livemusik wie vielerorts in eine Diskothek mit Tanzfläche und Lichteffekten, Musik von der Schallplatte und wechselnden Discjockeys.“ Der „Stein“ wurde noch bis in die 2000er-Jahre als Diskothek und Bistro betrieben, als der Niedergang vieler Landdiskotheken längst vorangeschritten war.

Selbst die Tapete wird wieder angeklebt

Voraussichtlich im Sommer 2019 soll wieder Leben in die alte Disko einkehren, sagt Meiners. Eine Diskothek komplett abzutragen und komplett neu aufzubauen, ja sogar die Tapete von den Wänden zu nehmen und wieder anzukleben, das dauere nun einmal länger als ein kompletter Neubau.

Aber wenn es dann soweit ist, soll es richtig rundgehen: „Wir planen eine Disco-Night, Open Airs und laden DJs ein, die im Sonnenstein aufgelegt haben.“ Und nicht nur die DJs, auch die Musik wird so sein wie zu den Hochzeiten der Disco: „Schließlich gehört auch die Plattensammlung zum Bestand“, betont der Museumsdirektor. Die Platten sind bis dahin gereinigt, repariert und archiviert. 1000 LPs und Singles werden wieder aufgelegt. Ganz vorsichtig, natürlich.


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