Entscheidung am Landgericht Ex-Chef der Klinik Stenum bleibt auf freiem Fuß

Von Ole Rosenbohm

Meine Nachrichten

Um das Thema Ganderkesee Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Als der Richter die Bewährung verkündete, atmete der Angeklagte erstmal tief durch. Rund sechs Jahre nach der Insolvenz der Klinik Stenum kann deren Ex-Geschäftsführer die juristische Aufarbeitung seiner früheren Tätigkeit nach zwei langen Prozessen abschließen. Foto: Michael GründelAls der Richter die Bewährung verkündete, atmete der Angeklagte erstmal tief durch. Rund sechs Jahre nach der Insolvenz der Klinik Stenum kann deren Ex-Geschäftsführer die juristische Aufarbeitung seiner früheren Tätigkeit nach zwei langen Prozessen abschließen. Foto: Michael Gründel

Oldenburg/Ganderkesee. Als der Richter die Bewährung verkündete, atmete der Angeklagte erstmal tief durch. Rund sechs Jahre nach der Insolvenz der Klinik Stenum kann deren Ex-Geschäftsführer die juristische Aufarbeitung seiner früheren Tätigkeit nach zwei langen Prozessen abschließen.

Allerdings: Die Staatsanwaltschaft wird wohl über eine Revision nachdenken.

Das Landgericht Oldenburg blieb am Donnerstag mit dem Strafmaß von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung wegen gewerbsmäßigen Betrugs in drei Fällen sowie Untreue deutlich unter der Anklage-Forderung sowie einem Urteil des Amtsgerichts Delmenhorst aus erster Instanz von drei Jahren Haft. Von drei bedeutsamen Vorwürfen – zweimal Untreue sowie Insolvenzverschleppung – sprach das Gericht den Mann in diesem komplexen Verfahren nun frei.

2009 war der heute 50-Jährige zur damals bereits finanziell angeschlagenen Klinik gekommen, bald machte er sich strafbar. Drei Pfändungsbeschlüsse hielt er zurück – Betrug. Zudem gewährte er einer anderen Firma rechtswidrig ein Darlehen, das die Klinik nie zurückerhielt.

Vorwurf der Insolvenzverschleppung

Für die weiteren Vorwürfe sah das Gericht zu wenig Grundlagen. Der von ihm forcierte Kauf von zwei Therapiezentren – die er pikanterweise selber verkaufte und die fast pleite waren – für 120.000 Euro könne nicht als Untreue oder Betrug gewertet werden, sagte Richter Jens-Michael Alfers. Mit den Käufen wollte die Klinik Patienten gewinnen. Ein Zeuge sagte aus, dass dies gelungen sei.

Ebenfalls freigesprochen wurde der Angeklagte im Fall einer 250.000-Euro-Zahlung einer Versicherung. Er hatte das Geld nicht auf ein Klinik-Konto überweisen lassen, um – wie Zeugen bestätigten – Löhne auszuzahlen, bevor das Geld gepfändet würde. Doch vorenthalten oder selber genommen habe er das Geld nicht, urteilte das Gericht.

Auch der Vorwurf der Insolvenzverschleppung fiel. Trotz hoher Schulden hatten etwa die Zulieferer die Zusammenarbeit keineswegs aufgekündigt.

„Noch standen die Signale nicht auf Rot“, sagte Alfers. Erneut Freispruch. Aber alle Fälle würden verschiedene Sichten zulassen.

Bewährung oder nicht?

Ringen musste das Gericht vor allem über die Frage einer Bewährung. Weil die Fälle lang zurückliegen und die finanziellen und familiären Verhältnisse des Angeklagten geregelt seien, durfte dieser durchatmen. Zahlen muss er eine Schadenssumme von rund 56.000 Euro sowie 5000 Euro an die Stiftung Opferhilfe.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN