Vortrag über Schulverweigerer Professor gibt Ganderkeseer Eltern Tipps gegen Schulängste

Von Nadine Rabe

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Der Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie Professor Dietrich Petersen hat einen Vortrag über Schulverweigerer gehalten. Foto: Nadine RabeDer Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie Professor Dietrich Petersen hat einen Vortrag über Schulverweigerer gehalten. Foto: Nadine Rabe

Ganderkesee. Ängste rund um den Schulbesuch – darum ging es bei dem Elternabend am Dienstag in der Mensa des Schulzentrums Ganderkesee, an dem Interessierte die Gelegenheit bekamen, sich mit dem Problem der Schulverweigerung auseinanderzusetzen.

Der Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie Professor Dietrich Petersen begleitete die eineinhalbstündige Infoveranstaltung, die am Dienstag im Schulzentrum Ganderkesee stattfand. In seinem Gastvortrag erfuhren Eltern und Lehrer, wieso es wichtig sei, sich bei Schulverweigerung professionelle Hilfe zu suchen – „Schule – zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Therapeuten“, das war Titel und auch Thema des Abends.

Zweieinhalb Jahre nicht in der Schule

„Mein Sohn war zweieinhalb Jahre nicht in der Schule“, dieser Satz aus einem mitgeschnittenen Interview mit einer betroffenen Mutter hallte noch einen Moment nach, bevor Petersen das Wort überreicht bekam. Einführend in den Abend erklärte Beate Pollak von der Koordinierungsstelle Schulverweigerung des Landkreises Oldenburg, dass Schulverweigerung irrtümlicherweise oft mit „bockigem Verhalten“ gleichgesetzt werde, sich jedoch meistens Ängste dahinter verbergen würden

Und diese können ganz verschiedene Ursachen haben – der Mensch sei eben kompliziert, „ein schwer fassbares, heterogenes Phänomen“, resümiert der Professor mit wissenschaftlichem Wortlaut. Schon mit dem Schuleintritt können seiner Ansicht nach Ängste entstehen. Schließlich sei der Beginn der Schulzeit ein großer Einschnitt im Leben, in dem viele neue und hohe Anforderungen an die Kinder gestellt würden. Kinder müssten sich vergleichen lassen, sie müssten lernen ihre Emotionen zu kontrollieren und anders als im Elternhaus würde ihre Individualität in der Schule nicht immer positiv wahrgenommen – alles Veränderungen und Erwartungen, die nicht jedes Kind gut wegsteckt.

„Man kann Schule als Institution auch durchaus kritisch sehen“, erläutert der Professor.

Panische Angst vor der Schule

Trotz vielfältiger Gründe der Schule fern zu bleiben, gäbe es laut Petersen drei Hauptprofile von Schulverweigerern: den durch Unlust geplagten jugendlichen „Schulschwänzer“, das Kind mit „Schulangst“, das den hohen Leistungsanforderungen nicht Stand halten kann und den „Schulphobiker“, der aufgrund schwerer panischer Angstzustände nicht in die Schule kommt.

Petersens Rat an die Eltern ist es, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sei es in Form von Therapien oder anderen unterstützenden Angeboten, die den Heranwachsenden den Wiedereintritt in die Schule erleichtern. Ratschläge für Eltern, mit ihrem widersetzlichen Nachwuchs umzugehen, blieben an dem Abend leider aus.

Etwas zu fachlich anmutender Vortrag

Nach Beendigung des teilweise etwas zu fachlich anmutenden Vortrags, dem rund 35 Gäste lauschten, hatten die Eltern noch die Gelegenheit sich an kleinen Infoständen verschiedener Initiativen im Landkreis Oldenburg Informationen zu Hilfsangeboten einzuholen.

Veranstalter des Abends waren die Koordinierungsstelle Schulverweigerung im Jugendamt des Landkreises Oldenburg in Zusammenarbeit mit Viasol und dem Landkreis Oldenburg.


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