Richter glaubt Angeklagtem nicht Prozess um Messerstecherei in Ahlhorn vor Abschluss

Von Ole Rosenbohm

Meine Nachrichten

Um das Thema Ganderkesee Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Symbolfoto: Foto: David EbenerSymbolfoto: Foto: David Ebener

Oldenburg/Ahlhorn. Im Prozess am Landgericht Oldenburg um eine Messerstecherei zwischen drei Männern aus Rumänien im Wohnpark Ahlhorn vor knapp zwei Jahren zeichnet sich ein Urteil ab.

Der Vorsitzende Richter gab am Donnerstag eine persönliche Einschätzung ab: Er glaubt dem Angeklagten nicht. Kommende Woche schon könnte ein Urteil fallen, ursprünglich waren noch zwei weitere Termine angesetzt.

Der Fall ereignete sich mitten in der Nacht. Vor einem der Häuser des hauptsächlich von osteuropäischen Saisonarbeitern bewohnten Komplexes soll der 26-jährige Angeklagte seine beiden Opfer mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt haben.

Zwar hatte der Angeklagte den Ablauf anders geschildert: Er sei angegriffen worden, einer der beiden hätte das Messer gezogen, das der 26-Jährige ihnen im Gerangel entwenden konnte.

„Ich hatte Todesangst“

Die Stiche erfolgten dann in Notwehr: „Ich hatte Todesangst“, hatte der Angeklagte ausgesagt.

Die bisher vernommenen Zeugen aber stützen diese Version nicht. Und Richter Sebastian Bührmann sagte nun zum Angeklagten: „Meine Überzeugung ist, dass Sie das Messer hatten und dass Sie die anderen verletzt haben.“ Bührmann deutete allerdings auch an, den Anklagevorwurf „versuchter Totschlag“ in den einer „gefährlichen Körperverletzung“ umzuwandeln.

Opfer nicht in Lebensgefahr

Beide Opfer hatten sich offenbar nach den Geschehnissen trotz schwerer Verletzungen nicht in Lebensgefahr befunden. Einer der Männer, der für seine Aussage eigens aus Rumänien einreiste, wurde damals mit sieben Schnitten ins Krankenhaus eingeliefert. Seine längste Narbe ist gut 20 Zentimeter lang und reicht vom rechten Ohr fast bis zum Mundwinkel.

Hintergründe der Tat bleiben noch im Dunkeln

Ungeklärt erscheinen noch die Hintergründe des Streits. Die beiden Opfer sagten aus, sich den Grund für den Ausbruch des Angeklagten nicht erklären zu können.

Der Angeklagte stellt die Auseinandersetzung dagegen in die Nähe eines Streits um illegale Vermittlungsgebühren für Jobs in Deutschland. Einer der angeblichen Vermittler sagte am Donnerstag ebenfalls aus und verwickelte sich auch nach Ansicht Bührmanns in Widersprüche. Am Urteil werden diese Hintergründe aber wohl nichts ändern.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN