Ganderkeseer sehen Plan kritisch Altersgrenze bei Feuerwehrleuten soll angehoben werden

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Die Altersgrenze für freiwillige Feuerwehrleute soll von 63 auf 67 Jahre angehoben werden. Doch gerade der Einsatz unter Atemschutz ist körperliche Höchstanstrengung, den vor allem junge, körperlich fitte Leute leisten. Foto: Christian Zoschke/Kreisfeuerwehrverband Landkreis OldenburgDie Altersgrenze für freiwillige Feuerwehrleute soll von 63 auf 67 Jahre angehoben werden. Doch gerade der Einsatz unter Atemschutz ist körperliche Höchstanstrengung, den vor allem junge, körperlich fitte Leute leisten. Foto: Christian Zoschke/Kreisfeuerwehrverband Landkreis Oldenburg

Ganderkesee. In Niedersachsen sollen Freiwillige Feuerwehrleute künftig noch mit 67 Jahren in den Einsatz gehen dürfen. In Ganderkesee wird der Plan kritisch gesehen.

Die niedersächsische Landesregierung will im zweiten Anlauf die Altersgrenze der Freiwilligen Feuerwehren von 63 auf 67 Jahren anheben. Hintergrund des Antrags zur Gesetzesänderungen sind personelle Engpässe vor allem in ländlichen Regionen, tagsüber mit ausreichend Kameraden ausrücken können.

Brandschützer der Gemeinde Ganderkesee skeptisch

Doch während sich durch die Anhebung der Altersgrenze vor allem Freiwillige Feuerwehren aus Südniedersachsen einen besseren Stand erhoffen, stehen ihr die Brandschützer der Gemeinde Ganderkesee skeptisch gegenüber. „Die Tagesverfügbarkeit verbessern wir nicht, indem wir die Altersgrenze anheben“, sagt Gemeindebrandmeister Bernd Lembke. „Was wir brauchen, sind junge, körperlich fitte Leute, die unter Atemschutz in den Einsatz gehen.“

2017 mussten die sechs Ganderkeseer Ortswehren fast doppelt so oft ausrücken wie 2016. Davon 49 Mal zu Bränden, bei denen 187 Feuerwehrleute Atemschutz tragen mussten. „Körperlich sind diese Kameraden einer hohen Belastung ausgesetzt“, so Lembke.

Schwere Schutzausrüstung geht auf die Knochen

Dabei geht es nicht nur allein um das Gewicht, das Feuerwehrleute unter Atemschutz mit sich herumtragen; zur eh schon schweren Schutzausrüstung kommen mehr als 15 Kilogramm durch Atemschutzmaske und Pressluftflasche hinzu. Körperlich schwer bepackt und mit eingeschränktem Sehfeld leisten sie körperliche Schwerstarbeit unter extremsten Bedingungen. Wo andere in Panik rauslaufen, gehen sie rein, um konzentriert zu arbeiten. „Zum Teil bis zu 30 Minuten lang“, so Lembke. „Für solche Arbeit brauchen wir vor allem junge Leute, die diese Belastungen aushalten können.“

In der Gemeinde Ganderkesee löst die Anhebung der Altersgrenze laut Lembke nicht das Nachwuchsproblem, unter dem die Feuerwehren seit Jahren leiden. Von den 352 aktiven Mitgliedern vollendeten nicht mal eine Handvoll in diesem Jahr ihr 63. Lebensjahr. „Bei uns in der Gemeinde wird sich eine Anhebung der Altersgrenze zahlenmäßig nicht abbilden“, so Lembke.

Rückzug nach 40 Jahren Dienst

Darüber hinaus sei der Großteil der Kameraden im Alter von über 60 Jahren froh, sich nach 30, 40 Jahren ehrenamtlichem Einsatzdienst endlich zurückziehen zu dürfen. Lembke: „In den Berufsfeuerwehren ist mit 60 Jahren Schluss. Und das nicht ohne Grund.“ Bereits 2012 war die Altersgrenze für Freiwillige Feuerwehren von der Landesregierung von 62 auf 63 Jahre angehoben worden. Beseitigt hat es das Problem nicht.

Regierungsbrandmeister kritisiert Pläne

„Es ist auch nicht praxisnah“, kritisiert auch Regierungsbrandmeister Dieter Schnittjer. Anstatt die Altersgrenze anzuheben, müssten die Kommunen bessere Rahmenbedingungen für einen ehrenamtlichen Einsatz in der Feuerwehr schaffen. Schnittjer: „Wir brauchen kreative Ideen, um Nachwuchs aufzubauen und auch Quereinsteigern Anreize zu bieten.“ Eine Anhebung der Altersgrenze sorge tagsüber nicht für eine bessere Besetzung der Fahrzeuge. „Es braucht vielmehr eine bessere Akzeptanz vieler Arbeitgeber und eine modernere Ausstattung der Feuerwehren.“


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