Gericht will noch mehr Zeugen befragen Viele Unklarheiten im Stenumer Klinik-Prozess

Von Ole Rosenbohm

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Mit drei weiteren Zeugen wird der Berufungsprozess vor dem Oldenburger Landgericht gegen den Ex-Geschäftsführer der Orthopädie-Klinik in Stenum am kommenden Donnerstag in seine fünfte Runde gehen. Symbolfoto: Arne Dedert/dpaMit drei weiteren Zeugen wird der Berufungsprozess vor dem Oldenburger Landgericht gegen den Ex-Geschäftsführer der Orthopädie-Klinik in Stenum am kommenden Donnerstag in seine fünfte Runde gehen. Symbolfoto: Arne Dedert/dpa

Oldenburg/Stenum. Mit weiteren drei Zeugen wird der Berufungsprozess vor dem Oldenburger Landgericht gegen den Ex-Geschäftsführer der Orthopädie-Klinik in Stenum am kommenden Donnerstag in seine fünfte Runde gehen.

Der 50-jährige Angeklagte sitzt wegen sieben Anklagevorwürfen vor dem Richter: je dreimal wegen besonders schweren Betrugs und besonders schwerer Untreue sowie wegen Insolvenzverschleppung.

Vorwurf: 250.000 Euronicht abgeführt

Unter anderem soll er drei Pfändungsbeschlüssen nicht nachgekommen sein, Darlehen selbst verwendet haben und eine Zahlung einer Versicherung über 250.000 Euro nicht an die damals als Verein geführte Klinik, sondern an seinen Rechtsanwalt überweisen hat lassen, um das Geld für Lohnzahlungen zu verwenden.

Im vergangenen Jahr wurde der Angeklagte vom Amtsgericht Delmenhorst dafür zu drei Jahren Haft verurteilt, rief dann aber die nächste Instanz an.

Die Zahl der Vorwürfe und undurchsichtigen Vorgänge ist lang. Vielfach konnten sich Zeugen schlecht erinnern, einer ist bereits verstorben.

Kauf von zwei Therapiezentren

Aktuelles Thema war zuletzt der Kauf zweier damals vom Angeklagten geleiteten Therapiezentren im Januar 2011.

Die Klinik Stenum soll dafür insgesamt 120.000 Euro bezahlt haben, obwohl beide Therapiezentren damals kurz vor der Insolvenz gestanden haben sollen, wirft die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten vor.

Offenbar, berichten Medien, hatte die Klinik Stenum die wirtschaftliche Lage der Therapiezentren nicht geprüft. Zwar sei vermutlich ein Wirtschaftsprüfer eingesetzt worden, unklar sei aber, ob der ein Ergebnis abgegeben habe.

Offenbar, sei von einem Insider ausgesagt worden, habe der Vorstand des damaligen Trägervereins enorm viel Vertrauen in die Geschäftsführung gehabt.

Laut Verteidigung habe der Angeklagte die 120.000 Euro nicht nur für die beiden Therapiezentren bekommen, sondern auch dafür, seine Arbeitskraft nach dem Verkauf voll in den Dienst der Klinik Stenum zu stellen.

Licht ins Dunkel soll der fünfte Verhandlungstag am kommenden Donnerstag bringen. Dafür hat das Gericht ein ehemaliges Mitglied des Vorstands sowie zwei Vertreter der ärztlichen Leitung geladen.

Für den Angeklagten geht in dem Verfahren es um viel: Neben einer möglichen Haftstrafe könnte er auch eine große Summe Geld über eine Vermögensabschöpfung durch die Strafverfolgungsbehörden verlieren.

Gericht prüft auch Vermögensabschöpfung

Die Möglichkeit einer Vermögensabschöpfung, nach der Verurteilte in Strafprozessen den Gewinn aus einer Straftat zurückzahlen müssen, ist im Juli vergangenen Jahres deutlich erweitert worden.

Angeklagter ist bereits mehrfach vorbestraft

Zudem ist der 50-jährige Angeklagte unter anderem wegen Betrugs und Veruntreuung mehrfach vorbestraft. Ein Strafverfahren gegen ihn läuft noch.


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