Renaturierter Beckstedter Bach Neue Küche und Kinderstube für Fische und Krebse

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Totholz und Kies zählen zu den Gestaltungselementen renaturierter Gewässer. Archivfoto: Tobias BöckermannTotholz und Kies zählen zu den Gestaltungselementen renaturierter Gewässer. Archivfoto: Tobias Böckermann

Landkreis Oldenburg. Am Beckstedter Bach bei Colnrade ist die Zeit zurückgedreht worden. Er mündet jetzt als lebhaftes Gewäser in die Hunte. Vor der Renaturierung war er ein öder Graben.

Jahrzehntelang ist der Beckstedter Bach bei Colnrade ein öder, schnurgerader Graben zur Entwässerung landwirtschaftlicher Flächen gewesen. Ein paar Tage noch, dann wird er auf 800 Metern Länge als Musterbeispiel der Renaturierung zur Hunte hin geöffnet: „Im März erfolgt der Durchstich“, berichtete Dr. Jens Salva, Gewässerbiologe des Landesfischereiverbands Weser-Ems, jetzt im Umweltausschuss des Landkreises Oldenburg.

9000 Kubikmeter Boden bewegt

Für Fische und anderes Wassergetier ist der zum Graben degenerierte Bach bisher völlig uninteressant gewesen, „wie eine Neubauküche ohne Möbel“, so Salva: keine wechselnden Strömungen, keine Kolke, kein Wechselspiel von Schatten und Licht. Dafür sorgen jetzt ein kurvenreicher Verlauf, Totholz, Kiesbetten und Vegetation am Ufer. „Es wurden 9000 Kubikmeter Boden bewegt“, berichtet Salva.

Fischereiverein als Motor

Besonders engagiert haben sich Ehrenamtliche des Fischereivereins Colnrade. Aus der Vereinskasse haben sie 2000 Euro beigesteuert. Sie haben mit angepackt. „Und“, berichtet Salva, „besonders wichtig: Sie haben Landwirte auf die Seite des Naturschutzes gezogen, durch persönliche Gespräche Flächentausch und Flächenkauf ermöglicht.“ Carola Becker, Vertreterin der Umweltverbände, bemängelte im Ausschuss, es sei „eine Schande, dass die öffentliche Hand diese Aufgaben auf das Ehrenamt abwälzt.“ Axel Brammer, Ausschussmitglied der SPD und Umweltpolitiker im Landtag konterte, man müsse nicht immer allein nach dem Staat rufen.

Finanzierung ohne EU-Mittel

Der Landkreis hat 83.000 Euro in das Projekt gesteckt, davon 60.000 Euro in den Erwerb von Flächen. Die Baukosten wurden von der Bingo-Stiftung und anderen Stiftungen übernommen. EU-Fördergelder wurden nicht beantragt. „Wir wollten fertig werden“, erklärte Salva mit Blick auf den hohen bürokratischen Aufwand.


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