Tatumstände unklar Widersprüche im Prozess um Messerstecherei in Ahlhorn

Von Ole Rosenbohm

Im Wohnpark Ahlhorn soll ein 27-Jähriger zwei Männer mit einem Messer angegriffen haben. Vor dem Landgericht sagte er aus, es sei genau anders herum gelaufen. Symbolfoto: David-Wolfgang Ebener/dpaIm Wohnpark Ahlhorn soll ein 27-Jähriger zwei Männer mit einem Messer angegriffen haben. Vor dem Landgericht sagte er aus, es sei genau anders herum gelaufen. Symbolfoto: David-Wolfgang Ebener/dpa

Oldenburg/Ahlhorn. Im Wohnpark Ahlhorn soll ein 27-Jähriger zwei Männer mit einem Messer angegriffen haben. Vor dem Landgericht sagte er aus, es sei genau anders herum gelaufen. Hintergrund des Falles könnten illegale Vermittlungsprovisionen für Jobs in der Fleischindustrie sein.

Im Wohnpark Ahlhorn soll ein 27-Jähriger zwei Männer mit einem Messer angegriffen haben. Vor dem Landgericht sagte er aus, es sei genau anders herum gelaufen. Hintergrund des Falles könnten illegale Vermittlungsprovisionen für Jobs in der Fleischindustrie sein.

Die Umstände der fast zwei Jahre zurückliegenden Tat sind unklar: Im Wohnpark Ahlhorn, einer Anlage, in der eine vierstellige Anzahl von Leiharbeitern meist aus Osteuropa unterkommt – etwa Erntehelfer oder Arbeiter in der Fleischindustrie – hatte es am 13. März 2016 eine Auseinandersetzung mit einem Messer gegeben.

Ein Opfer leidet noch heute unter den Folgen

Eines der Opfer leidet noch heute an den Schnitten in Bauch, Nacken oder Schulter. Der junge Mann, 20 Jahre alt, wie die beiden anderen Beteiligten des folgenschweren Streits, Rumäne, sagte gestern vor dem Landgericht Oldenburg aus: Er habe keine Ahnung, warum der 27-jährige Angeklagte ihn und seinen Kollegen angegriffen hätte.

Wie es zu den Stichen gekommen sei, könne er sich auch nicht erklären. Seine Erinnerung hätte erst im Krankenhaus wieder eingesetzt. Seine häufigste Antwort: „Ich erinnere mich nicht mehr.“

Der mutmaßliche Messerstecher, angeklagt wegen versuchtem Totschlag, hatte mehr zu sagen.

Selber hatte er sich für die Einlassung entschieden, damit zunächst auch seinen Anwalt überrascht.

Kampf auf leben und Tod?

Seiner Aussage nach hätten die beiden Opfer ihn angegriffen, einer hätte das Messer gezückt, rangelnd im Gras habe er es aber an sich nehmen können: „Ich wusste, es geht um mein Leben, ich musste etwas tun.“ Beiden versetzte er diverse Schnitte.

Der Grund für den blutigen Kampf nach 3 Uhr morgens hinge mit seinem Job in der Fleischindustrie zusammen. Die Männer hätten ihm, dem Angeklagten, mitgeteilt, er müsse für die Stelle eine Vermittlungsprovision von 500 Euro bezahlen.

Davon wisse er nichts, außerdem „kenne ich euch nicht“, will er erwidert haben. Dann der Angriff. Als der 27-Jährige danach bei einem ebenfalls im Wohnpark lebenden Mann, von dem er den Job in einer Fabrik in Umstecke bekommen haben will, versuchte, das vermeintliche Missverständnis aufzuklären, sei er von einer ganzen Gruppe erneut angegriffen und verprügelt worden.

Einen Zahn eingebüßt

Einen Zahn habe er dabei eingebüßt. Noch in der Nacht sei er aus dem Ahlhorner Wohnpark nach Frankfurt zu einem Verwandten geflohen.

Das zweite Opfer soll am 6. März aussagen. Das Urteil soll im April gesprochen werden.