Elternabend in Ganderkesee Aus Angst nicht zur Schule gehen

Von Alexandra Wolff

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Wie viele dieser Stühle morgen wohl wieder besetzt sein werden? Symbolfoto: Friso Gentsch/dpaWie viele dieser Stühle morgen wohl wieder besetzt sein werden? Symbolfoto: Friso Gentsch/dpa

Ganderkesee. Die Schule hat wahrscheinlich schon jeder einmal geschwänzt. Aber wann wird ein Schulschwänzer zum Schulverweigerer? Beim großen Elternabend am 6. März geht es um schwerwiegende Ängste rund um den Schulbesuch.

„Wenn ein Schüler fünf Tage hintereinander unentschuldigt fehlt, sorgt die Schule dafür, dass ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eröffnet wird. Zusammen mit dem Bußgeldbescheid, geht automatisch auch eine Meldung an uns“, erläutert Jugendamtsleiter Martin Ahlrichs. „Wir beraten dann die Eltern und den Schüler.“ Im derzeitigen Schuljahr wurde landkreisweit gegen 67 Schüler einmal oder bereits mehrfach ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eröffnet, sagt Ahlrichs.

Bei pubertärer Bockigkeit helfe meist schon ein Bußgeld als „Schuss vor den Bug“ und der Jugendliche geht wieder in die Schule. „Das ist aber nicht so bei Schulphobikern, die bei dem bloßen Gedanken an die Schule Bauchschmerzen, schweißnasse Hände oder andere Angstsymptome aufzeigen.“

Vortrag eines Jugendpsychiaters

Hier helfen verschiedene Einrichtungen, die bei dem großen Elternabend im Schulzentrum Ganderkesee mit Ständen vertreten sein werden. „Das sind Einrichtungen wie die Integrations- und Arbeitslosenunterstützung Viasol, Beratungsstellen für junge Menschen wie das Pro-Aktiv-Center Hatten-Wardenburg oder auch die psychische Beratungsstelle in Delmenhorst“, zählt Beate Pollack von der Koordinierungsstelle Schulverweigerung des Jugendamtes auf.

Außerdem wird bei dem Elternabend der Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie Professor Dietrich Petersen zu Ängsten rund um den Schulbesuch sprechen.

Individuell auf unterschiedliche Problemlagen eingehen

Da es sehr viele verschiedene Ursachen haben kann, weswegen Kinder und Jugendliche nicht mehr zur Schule gehen, sind auch die Hilfsangebote sehr vielfältig. Ein Bußgeldbescheid wirkt, wenn er wirkt, sehr schnell. „Es kann aber auch sein, dass Schüler bis zu 18 Monaten bei uns sind“, sagt Chalina Röbesaat, die die Maßnahme „Frühe Unterstützung bei Schulverweigerung“ von Viasol leitet. Dort bekommen die Schüler Unterricht in den Hauptfächern, lernen aber auch ein Handwerk, um ihr Selbstbewusstsein zu stärken, wenn sie in der Schule viele Misserfolge erlebt hatten.

„Die Hilfsmöglichkeiten für Eltern und Schüler sind sehr unterschiedlich und werden ganz individuell auf die Problemlage zurechtgeschnitten“, versichert Pollak. „Es kann die Angst vor der Bewertung sein. Manche Schüler werden auch so schwer gemobbt, dass sie nicht mehr in die Schule möchten.“

Zu Hause wähnen sich manche Schüler mehr gebraucht

Es gibt aber auch Gründe, auf die man nicht sofort kommt: „Manche Menschen haben richtige Angst davor, mit dem Bus zu fahren und trauen sich nicht, sich anderen anzuvertrauen, weil sie befürchten, dass sich niemand vorstellen kann, wie groß diese Angst ist. Andere gehen nicht zur Schule, weil es Konflikte in der Familie gibt und der Schüler überzeugt ist, dass er zu Hause mehr gebraucht wird als in der Schule.“

Und dann gebe es auch noch Jugendliche, die aus einer pubertären Bockigkeit heraus einfach keine Lust haben, zur Schule zu gehen. Manchmal sei es in der Clique einfach angesagter, der Schule fernzubleiben und „aus dem Freundeskreis heraus entwickelt sich dann eine ganz eigene Dynamik“, sagt Pollak.


Der große Elternabend „Schule - zu Risiken und Nebenwirkungen befragen Sie Ihren Arzt oder Therapeuten!“ findet am Dienstag, 6. März, von 19 bis 21 Uhr in der Mensa des Schulzentrums Ganderkesee, Am Steinacker 9, statt.

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