Zaher Khalifa baut Oud-Lauten Syrer will sich in Ganderkesee selbstständig machen

Von Mareike Bader

Zaher Khalifa mit einer Oud, die er in Syrien gebaut hat. Foto: Mareike BaderZaher Khalifa mit einer Oud, die er in Syrien gebaut hat. Foto: Mareike Bader

Ganderkesee. Seit zwei Jahren ist Zaher Khalifa in Deutschland. Untätig will er nicht sein. Er lernt deutsch und hat einen großen Plan. Wie in Syrien will er wieder Oud-Instrumente bauen.

Im Wohnzimmer von Zaher Khalifa und seiner Mutter in der Übergangsunterkunft in Hollen stehen keine Deko-Artikel. Nur hinten in der Ecke steht ein Musikinstrument: Eine Oud, die Khalifa in Syrien gebaut hat. Der Bau dieser alten Form der Laute hat in Khalifas Familie Tradition. Sie sei sehr bekannt für diese Instrumente, erzählt er.

Seit zwei Jahren leben Khalfia und seine Mutter in Deutschland. Khalifa ist froh, als subsidiärer Schutzberechtigter anerkannt worden zu sein. „Das bedeutet, dass ich Pläne machen kann“, sagt er. Was noch fehlt, ist eine Wohnung für sich und seine Mutter mit einer kleinen Werkstatt.

Großer Plan: Zaher Khalifa will wieder als erfolgreicher Oud-Bauer arbeiten

An einem großen Plan ist er längst dran: Er will sich hier als Oud-Bauer selbstständig machen. Einen Gewerbeschein bei der Handwerkskammer hat er bereits. „Er hat sich alles eigenständig zusammengesucht“, sagt Flüchtlingsbetreuerin Sandra Baba stolz. Ebenso hat Khalifa ausfindig gemacht, woher er das Material für seine Instrumente beziehen kann.

Die Oud ist ein Vorläufer der heute bekannten Konzertgitarre. Die ältesten Dokumentationen stammen aus dem neunten Jahrhundert, doch das Instrument sei viel älter, betont Khalifa. Anders als eine Gitarre ist der Körper der Oud auf der Rückseite bauchförmig.

An bauchförmigem Körper arbeitet Khalifa zwei Tage lang

Hierfür klebt Khalifa 17 schmale Holzlatten aneinander, zeigt er in seiner Werkstatt. Diese hat er sich im Keller der Flüchtlingsunterkunft eingerichtet. Alleine für das Spannen über das Holzmodell braucht er zwei Tage, an denen er fast zehn Stunden am Stück arbeiten muss.

Oud hat elf Saiten und abgeknickten Wirbelhalter

Hinzu kommt das Griffbrett mit dem typischen abgeknickten Wirbelhalter, wo die elf Saiten befestigt werden. Auffällig sind auch die traditionellen Rosetten. Bis eine Oud komplett fertig ist, brauche er ein bis zwei Monate. „Manchmal auch mehr, das kommt darauf an“, sagt er.

In Syrien kostet eins seiner handgefertigten Instrumente etwa 700 Dollar. Das sind jeweils spezielle Arbeiten, die er nach Auftrag fertigt. Schlichte Ware aus Massenproduktion kostet dagegen nur 80 Dollar.

Schon mit 23 Wettbewerb in den USA gewonnen

Bei der Oud, die im Wohnzimmer steht, fallen die fein gearbeiteten Rosetten auf. Dort hat er neben verschiedenen Tonarten auch seinen Namen auf Arabisch ausgesägt. Er beherrscht sein Handwerk. Mit 23 hat er als bis dahin jüngster Teilnehmer in Amerika einen Oud-Wettbewerb gewonnen, erzählt er stolz.

Instrumentenbau ist für Khalifa eine Kunst

Nach seiner Flucht hat er in Hollen wieder angefangen, an verschiedenen Instrumenten zu arbeiten. Neben den Sprachkursen sei er die ganze Zeit in der Werkstatt beschäftigt, berichtet Flüchtlingsberaterin Baba. „Das ist eine Art Kunst, jede Oud ist es anders“, erzählt Khalifa. Instrumentenbauer Zaher Khalifa zeigt mit Musiker Nizar Al.ali wie er in seiner Werkstatt Oud-Lauten baut. Foto: Mareike Bader

Der Instrumentenbau helfe ihm, sich hier wohlzufühlen und sich zu integrieren: „Meine Freunde kommen aus dem Bereich.“ Durch Baba hat er etwa den Musiker Nizar Al.ali kennengelernt, mit dem er schon in Ganderkesee ein Konzert gegeben hat. (Weiterlesen: Bürgermeisterin dankt allen Flüchtlingshelfern in Ganderkesee)