Streit mit dem Stromversorger Bundesrichter urteilen zugunsten Huder Verbraucher

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Seit dem Streit mit dem Versorger EWE hat Richard Warnken den Stromzähler im Keller fest im Blick. Das empfiehlt der jetzt in Hude lebende ehemalige Schönemoorer allen Verbrauchern. Foto: Reiner HaaseSeit dem Streit mit dem Versorger EWE hat Richard Warnken den Stromzähler im Keller fest im Blick. Das empfiehlt der jetzt in Hude lebende ehemalige Schönemoorer allen Verbrauchern. Foto: Reiner Haase

Schönemoor/Hude. Fast drei Jahre lang hat sich Richard Warnken gegen eine unwahrscheinlich hohe Stromrechnung gewehrt. Der Huder hat Recht bekommen und gilt nun als Vorkämpfer der Verbraucherrechte.

Nach 19 Jahren Wohnens in einem Reetdachhaus an der Schönemoorer Dorfstraße hat für Richard Warnken Ärger über die Stromabrechnung für 2014/2015 begonnen. Nach fast drei Jahren Streits mit dem Versorger und zwei Gerichtsverfahren zwischendurch hat der Bundesgerichtshof jetzt, wie berichtet, einen Schlusspunkt gesetzt: Es hat entschieden, dass nicht der Verbraucher, in diesem Fall Warnken, sondern der Versorger, in diesem Fall die EWE, die Beweislast trägt, wenn ein offensichtlicher Fehler in den der Rechnung zugrunde liegenden Zahlen ernsthaft möglich ist. Das erspart dem 69-Jährigen das Begleichen einer Forderung von mehr als 9000 Euro.

„Von hohem Ross geholt“

Die Umkehr der Beweislast stärke die Rechte der Verbraucher, heißt es seit der Urteilsverkündung am Mittwoch in den Medien. Warnken drückt das anders aus: „Die EWE hat auf einem sehr hohen Ross gesessen und ist da runtergeholt worden.“

Zehnfachen Verbrauch unterstellt

Laut Stromzähler-Ablesung im August 2015 soll Warnken mit seiner Frau und dem gelegentlich anwesenden Enkel in dem Haus mit 110 Quadratmetern Wohnfläche innerhalb eines Jahres fast 32000 Kilowatt Strom verbraucht haben. In den Jahren davor waren es 3000 bis 3500 Kilowattstunden. Die EWE habe nach der Ablesung dreimal Techniker geschickt. „Die haben auch geguckt, ob wir eine Cannabis-Plantage betreiben oder ob irgendwo Strom abgezapft worden ist“, sagt Warnken. Dann sei der Zähler mit der Begründung ausgetauscht worden, er müsse untersucht werden.

Zähler frühzeitig entsorgt

„Bei uns ist alles intakt“, habe die EWE gesagt, „die ließen nicht mit sich reden“, ergänzt der 69-Jährige. Sein Wunsch, den Zähler selbst untersuchen zu lassen, sei ins Leere gegangen: „Die EWE hat gesagt, dass er schon entsorgt ist.“

Versorger gewinnt vor Landgericht

Warnken zahlte nicht, die EWE klagte. Das Landgericht urteile zugunsten des Versorgers, laut Warnken mit dem Tenor, dass zu bezahlen ist, was auf dem Zähler steht. „Das Gericht hatte keine Lust, tiefer einzusteigen“, meint er.

Wende in zweiter Instanz

Mit der auf Verbraucherrechte spezialisierten Oldenburger Anwältin Ute Kießler an der Seite wendete sich das Blatt vor dem Oberlandesgericht. Im Lebensstil der Warnkens weise nichts auf eine Verzehnfachung des Stromverbrauchs hin. Zum Urteil des Bundesgerichtshofs zugunsten der Verbraucher könne sie nichts sagen, weil sie nicht dabei gewesen sei und weil das Urteil ihr nicht vorliege.

Stets Zähler im Blick

Warnken liest seit drei Jahren monatlich den Zähler ab. „Das rate ich jedem Verbraucher“, sagt er.


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