Sonderpädagogin Katja Seide zu Gast Elternabend in Bookholzberg zieht 220 Zuhörer an

Von Thomas Breuer

Die Initiatorinnen des besonderen Elternabends: (von links) Beate Pollak, Elke Brüggemann-Brand (beide Netzwerk Frühe Hilfen), Autorin Katja Seide und Julia Kirchhoff (Leiterin des Montessori-Kinderhauses in Ganderkesee). Foto: Thomas BreuerDie Initiatorinnen des besonderen Elternabends: (von links) Beate Pollak, Elke Brüggemann-Brand (beide Netzwerk Frühe Hilfen), Autorin Katja Seide und Julia Kirchhoff (Leiterin des Montessori-Kinderhauses in Ganderkesee). Foto: Thomas Breuer

Bookholzberg. Am Beispiel des einjährigen Paul und seines Joghurts die kindliche Gedanken- und Gefühlswelt zu erklären, das ist am Montagabend der Berliner Sonderpädagogin Katja Seide gelungen.

Die Mitautorin des Bestsellers „Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn“ führte in der Mensa der Oberschule Bookholzberg vor Augen, warum Kleinkinder sich oft anders als von Erwachsenen erwartet verhalten und wie Eltern bei Trotzreaktionen gegensteuern können. Gleich 220 Mamas und Papas wollten das hören und nickten während der Ausführungen ab und an wissend.

„Paul ist einfach nur klein“

Besagten Paul etwa hat laut Seide mächtig aus der Bahn geworfen, dass seine Mama einen Joghurt für ihn geöffnet und einen Löffel hineingesteckt hat. Das regte ihn mächtig auf, er wirft den Joghurt auf den Boden, weil der für ihn damit einfach nur „kaputt“ war. Warum Paul sich nur schwer beruhigen ließ, veranschaulichte die Referentin, indem sie auf das Entwicklungsstadium des Jungen einging. Der Junge habe schlicht gedacht, seine Mutter weiß, was er will. Kleinere Kinder bis zu vier Jahren seien noch nicht in der Lage, einen Perspektivwechsel einzunehmen. Zudem bewirkten starke Gefühle das Ausschalten des Sprachzentrums. Auf den Punkt gebracht hieß das in Seides Worten: „Paul ist gar nicht so ein Arschloch, wie man am Anfang denken würde, sondern einfach nur klein.“

Vor großem Publikum leicht nervös

Eine Wortwahl, an der sich arbeiten lässt, ebenso wie am Vortragsstil der dreifachen Mutter. Vor dem sehr großen Publikum wirkte sie mitunter recht nervös. Zudem war die fragile Technik an diesem Abend nicht ihr Freund. Wer weiter hinten saß, musste sehr genau zuhören.

Dass das Thema des Abends den Nerv eines so großen Publikums traf, freute indes Beate Pollak vom Netzwerk Frühe Hilfen des Landkreises, das die Veranstaltung maßgeblich unterstützt hatte. Auch die Einladung, der Sonderpädagogin nach ihrem gut 50-minütigen Vortrag noch Fragen zu stellen, wurde gerne genutzt. Seide konnten manchen Tipp geben.

„Kleinkinder wollen einen nicht ärgern“

„Gehen Sie immer von den unschuldigst-bestmöglichen Motiven für das Verhalten Ihres Kindes aus“, empfahl sie. „Dann geht man richtig entspannt durch die Trotzphase.“ Kleinkinder seien nicht darauf aus, ihre Eltern zu ärgern. Soweit könnten sie noch gar nicht denken.