Vor 75 Jahren: Ende der 6. Armee Ganderkeseer erlebte das Grauen von Stalingrad

Meine Nachrichten

Um das Thema Ganderkesee Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Entkräftet zurückgeblieben: Hans Speckmann ist mit 22 Jahren Opfer eines sinnlosen Krieges geworden. Foto: Hermann SpeckmannEntkräftet zurückgeblieben: Hans Speckmann ist mit 22 Jahren Opfer eines sinnlosen Krieges geworden. Foto: Hermann Speckmann

Ganderkesee. Am 2. Februar 1943 endete die Schlacht von Stalingrad. Das Schicksal eines jungen Ganderkeseers wirft ein Schlaglicht auf die Schrecken des Krieges.

Mit der vernichtenden Niederlage der 6. Armee im Kessel von Stalingrad endete vor 75 Jahren der deutsche Vormarsch im Osten. Es war der psychologische Wendepunkt im deutschen Angriffs- und Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion. Mehr als 100.000 Soldaten der Wehrmacht und verbündeter Truppen gerieten in Gefangenschaft, nur rund 6000 sollten in die Heimat zurückkehren.

Todesumstände nicht vollständig bekannt

Unter den jungen Männern, die das Grauen von Stalingrad erlebt haben, befand sich der Ganderkeseer Hans Speckmann. Der 1920 geborene Obergefreite ist einer von drei Wehrmachtssoldaten aus Ganderkesee, die im Raum Stalingrad starben oder vermisst wurden. Sein jüngerer Bruder, Hermann Speckmann, nennt in der 2006 gemeinsam mit Werner Lüdeke verfassten Schrift „Eine Erinnerung an die Kriegstoten aus der Gemeinde Ganderkesee“ als Todesdatum den 26. März 1943. Wie genau der völlig entkräftete Kriegsgefangene sein Ende fand, ist allerdings nicht bekannt.

Bericht eines Überlebenden

Eindrücke aus erster Hand von den Schrecken der Schlacht nach der Einkesselung der 6. Armee durch die Rote Armee Ende November 1942 liefert ein Bericht von Johann Niehaus, der wie Hans Speckmann in einer Nachrichtenabteilung eingesetzt war. Niehaus gehörte zu den Überlebenden von Schlacht und Gefangenschaft. Durch seinen späteren Bericht an den Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes erfuhr die Familie von Hans Speckmann, wie es ihm nach dem letzten Brief vom 1. Januar 1943 ergangen war. Der Bericht ist im Buch „Ganderkesee in der Kriegszeit“, ebenfalls von Speckmann und Lüdeke herausgegeben, abgedruckt.

In Kellern und Höhlen gehaust

Die Versorgungslage der Eingekesselten verschlechterte sich dramatisch, nachdem die Rote Armee Mitte Januar den Hauptverpflegungspunkt der Deutschen besetzt hatte. Seit dem 22. Januar waren die Reste der 6. Armee auf einen 24 Kilometer langen Streifen entlang der Wolga zusammengedrängt. Die Soldaten „hausten kümmerlich in Kellern, Gängen und Höhlen, kein Brot mehr, nur noch abends einen halben Liter dünne Suppe, keine schweren Waffen, keine Munition“, berichtete Niehaus. Mit der Kapitulation der Deutschen im Nordkessel endete die Schlacht am 2. Februar.

Zehrender Marsch durch Schneegestöber

Hans Speckmann marschierte nach der Gefangennahme in einer langen Kolonne bei Schneegestöber rund 45 Kilometer nach Norden in das Sammellager Dubowka, ein ehemaliges Kloster, das jetzt nur eine schutzlose Unterkunft in zugigen Ruinen bot. Im März 1943 wurden die Gefangenen nach Stalingrad zurückgeführt. Nach einer Übernachtung in Kellern sollte der Marsch am nächsten Morgen, 26. März, weitergehen.

Entkräftet am Straßenrand zurückgeblieben

Der vom Hunger gezeichnete 22-Jährige konnte nur 300 Meter weit mithalten, dann blieb er entkräftet am Straßenrand zurück. Johann Niehaus drehte sich um, sah seinen Kameraden „frierend und mit eingezogenem Kopf am Straßenrand stehen“. Hans Speckmanns Name ist laut dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge auf dem Gedenkwürfel Nr. 88 der Sammelfriedhofsanlage Rossoschka bei Wolgograd aufgeführt.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN